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Golf-Masters in Augusta

Alarmsignale für Kaymer

Von Wolfgang Scheffler, Augusta
 - 12:18
Hofft auf den richtigen Schwung: Martin Kaymer ist in Augusta durchwachsen gestartet.

Es hat lange gedauert, bis Martin Kaymer mit dem Platz des Augusta National Golf Club Frieden schloss. Viele Jahre klagte der Golfprofi aus Mettmann, dass der hügelige Platz mit etlichen Spielbahnen, die von rechts nach links gekrümmt sind, ihm nicht liege. Diese sogenannten „Doglegs“ erfordern, dass man den Ball als Rechtshänder mit einem Draw spielt, also den Ball mit einer sanften Rechts-links-Kurve auf die Reise schickt. Kaymers natürliche Flugbahn dagegen ist ein Fade. Er lässt den Ball leicht links vom Ziel starten und dann sanft nach rechts abbiegen. „An sechs bis sieben Löchern geht das nicht, da ist links kein Platz, weil da Bäume stehen. Da ist ein Draw hilfreich“, sagt Kaymer.

Doch was ihn in der Vergangenheit störte, begreift er heute als Herausforderung. In diesem Jahr spielt der 34 Jahre alte Rheinländer zum zwölften Mal beim Treffen der Meister des Spiels im Nordosten des amerikanischen Bundesstaates Georgia mit. Und mittlerweile hat sich seine Einstellung grundlegend geändert: „Es macht super viel Spaß. Es ist ein sehr fairer Golfplatz. Ich weiß, dass ich an jedem Loch ein Birdie spielen kann.“

Die Gewissheit, mithalten zu können

Die Statistik bestätigt dieses Aussage eindrucksvoll. Bei seinen bisher 34 Turnierrunden beim ersten Major des Jahres absolvierte der ehemalige Weltranglistenerste (acht Wochen im Jahr 2011) nicht nur jedes der 18 Löcher mehrmals mit einem Schlag unter dem Lochstandard, ihm gelang auch an jedem der vier Par-5-Löcher des Platzes einmal ein Eagle. Doch zu viele Bogeys und Doppelbogeys verdarben ihm immer wieder eine Spitzenplazierung. Besser als auf dem geteilten 16. Platz im Jahr 2017 schnitt er beim ersten Major des Jahres nie ab. „Vor zwei Jahren habe ich eine Runde mit fünf oder sechs Birdies beendet“, erinnert sich Kaymer. Es gab ihm die Gewissheit, auch in Augusta mithalten zu können.

Auf dieses Gefühl musste er lange warten. „Ich bin einmal als Weltranglistenerster hier hergekommen und habe gewusst, dass ich keine Chance habe“, erinnert sich Kaymer, „das war schon bitter.“ Die Ergebnisse fielen entsprechend aus. Bei seinen ersten vier Teilnahmen war er am Cut gescheitert. Doch seit er sein Schlagrepertoire um den Draw erweitert hat, schaffte er bis auf 2015 immer die Qualifikation für die beiden Schlussrunden, ohne allerdings am Sonntag ganz vorne mitzumischen. „Mittlerweile gehe ich das Masters viel entspannter an. Ich spiele viel aggressiver. Auf diesem Platz braucht man einfach viel Erfahrung“, sagte Kaymer vor der 83. Auflage des Turniers, das am Donnerstag begann.

Wie üblich spielte Kaymer am Tag zuvor mit seinem 61 Jahre alten Landsmann Bernhard Langer, dem Masters-Champion der Jahre 1985 und 1993, eine Proberunde. Danach strahlte er Optimismus aus: „Ich habe viel trainiert, vor allem das kurze Spiel.“ Doch noch spiegelt sich das nicht in den Ergebnissen wider.

Während Altmeister Langer am von Brooks Koepka und Bryson DeChambeau beherrschten ersten Tag eine 71er-Auftaktrunde spielte und auf einem sehr guten geteilten 21. Rang liegt, durchlebte Kaymer ein ständiges Auf und Ab: Der frühere Weltranglistenerste spielte sogar zwei Birdies mehr als Langer, leistete sich aber auch an fünf Löchern Schlagverluste, darunter ein Doppel-Bogey. Nach seiner 73er-Runde ist der 34-Jährige aus Mettmann 44. an der Magnolia Lane. Am Freitag geht er um 14:41 (live bei Sky oder dem Live-Leaderboard des Masters) im zweiten Flight des Tages auf die 18 Bahnen.

Die Teilnahme an den Majors ist in Gefahr

Das passt zu seiner Verfassung in diesem Jahr: Als beste Plazierung erreichte Kaymer bei insgesamt acht Turnieren einen 22. Platz bei der Abu Dhabi Championship im Januar. In der Woche vor dem Masters landete er bei der Texas Open in Austin auf dem geteilten 42. Platz. In der Weltrangliste ist er bis auf Rang 190 abgerutscht, ein Alarmzeichen. Denn in diesem Jahr ist er aufgrund seines US-Open-Sieges aus dem Jahr 2014, seinem letzten Turniererfolg überhaupt, letztmals für das Masters und die British Open qualifiziert.

„Ich habe seit 2008 immer an allen vier Majors teilgenommen. Ich will, dass es bis zum Ende meiner Karriere so bleibt“, formuliert Kaymer sein Ziel. „Aber erst einmal geht es darum, unter die Top hundert und dann unter die Top fünfzig der Weltrangliste zu kommen.“ Denn nur die fünfzig Besten der Welt sind bei allen Turnieren startberechtigt.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Kaymer einen neuen Caddie verpflichtet. Der Engländer James Baker, mit 34 Jahren genauso alt wie sein neuer Boss, arbeitete zuvor für den Engländer David Horsey und den Waliser Jamie Donaldson. Das Masters ist erst das dritte Traditionsturnier für Baker. „Aber er hat sich unheimlich gut eingearbeitet“, lobt Kaymer seinen neuen Helfer. Beim traditionellen Auftakt des Masters am Mittwoch, dem Par-3-Contest auf dem 9-Loch-Kurzplatz des exklusivsten Golfklubs der Welt, klappte die Zusammenarbeit bestens. Mit 23 Schlägen (4 unter Par) belegte Kaymer hinter dem siegreichen Engländer Matt Wallace (22 Schläge) den geteilten dritten Platz. Ein gutes Omen, denn noch nie in der Geschichte des Turniers schlüpfte der Gewinner des Vorspiels in das berühmte grüne Siegerjackett.

Quelle: F.A.Z.
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