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Angelique Kerbers Turnier

„Ich weiß ja, was die Spielerinnen wollen“

Von Michael Eder
Aktualisiert am 09.12.2019
 - 23:54
„Tradition, Stil, Eleganz“ – all das bietet Bad Homburg, findet Angelique Kerber. Bild: Reuters
Angelique Kerber etabliert in Bad Homburg ein neues Tennisturnier. Dabei merkt sie nun, wie viel Arbeit dahintersteckt. Dennoch hat sie ganz genaue Vorstellungen davon, was die Veranstaltung im Juni ausmachen soll.

Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, dann wird das WTA-Tennisturnier in Bad Homburg im Juni nächsten Jahres ein Erfolg. Der erste Aufschlag jedenfalls ist schon mal gelungen. Zuletzt hat der Vorverkauf für das Turnier begonnen, und nach drei Tagen waren die Tickets für das abschließende Wochenende am 26. und 27. Juni 2020 zur Hälfte vergriffen. Für das Finale sind nur noch ein paar wenige Tickets übrig.

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Angelique Kerber, die nach wie vor beste deutsche Tennisspielerin, ist die treibende Kraft hinter den Bad Homburg Open, wie das Rasenturnier von 2020 an im offiziellen Tourkalender heißt. Die ehemalige Weltranglistenerste hat spätestens seit ihrem Sieg in Wimbledon 2018 beste Verbindungen zu den Machern des Londoner Grand-Slam-Turniers, und als die Idee aufkam, die Reihe der Vorbereitungsturniere für Wimbledon neu auszurichten, saß die Deutsche mit am Tisch. Ergebnis: Wimbledon bringt zwei Rasenturniere nach Deutschland, eines nach Berlin, das andere nach Bad Homburg, beide für Damen. Die Veranstaltung in Hessen wird von Kerbers Firma AK Management zusammen mit der Agentur Perfect Match des Schweizers Markus Günthardt organisiert, der auch den Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart verantwortet, das mit 880.000 Dollar dotierte bislang größte deutsche Damenturnier.

Angelique Kerber mag es für den Anfang eine Nummer kleiner. „Ich wollte kein megagroßes Turnier“, sagt sie mit Blick auf ihre neue Aufgabe in Bad Homburg, die für sie nach ihrer aktiven Karriere zum offiziellen Titel einer Turnierdirektorin führen soll. „Mir war von Anfang an wichtig, dass es ein warmes, freundliches Turnier wird, ich weiß ja, was die Spielerinnen wollen. Es ist gar nicht so schwer, uns glücklich zu machen. Die Spielerinnen wollen gute sportliche Bedingungen, und sie wollen sich wohlfühlen.“ Eine kleine, feine, persönliche Atmosphäre schwebt Kerber vor, „ein Boutique-Turnier“, wie sie es nennt. Dafür sei Bad Homburg genau der richtige Ort, und der örtliche TC genau der richtige Klub. „Wir finden dort Tradition, Stil, Eleganz, da hat alles zusammengepasst.“

Das Turnier, für das vier bis fünf Rasenplätze angelegt werden, findet vom 21. bis 27. Juni nächsten Jahres statt, nach Berlin und eine Woche vor Wimbledon. Berlin wird mit wohl mehr als 800.000 Dollar Preisgeld fast so üppig ausgestattet sein wie der Porsche Grand Prix in Stuttgart, Bad Homburg liegt mit 275.000 Dollar deutlich darunter. Welche Spielerinnen bekommt man in dieser Preisgeldklasse? Wen kann man damit in den Taunus locken? Es ist kein Geheimnis, dass die Topstars der Tenniswelt auf Turnieren dieser Größenordnung nur gegen erhebliche Startgelder aufschlagen. Kerbers Manager Aljoscha Thron umschreibt das so: „Man muss wie bei jedem anderen Turnier auch mit den einzelnen Spielerinnen sprechen, es wird viele Dialoge im Vorfeld geben.“ Jetzt darüber zu reden sei zu früh. „Es wird auf jeden Fall ein gutes Feld sein“, sagt Kerber, die außer in Bad Homburg auch in Berlin spielen wird.

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Parallel zu Bad Homburg findet noch das Rasenturnier im britischen Eastbourne statt. Das Rasenturnier von Mallorca ist hingegen aus dem Kalender gestrichen. Es ist für Bad Homburg keine Konkurrenz mehr. Dass die Chancen, im 32er-Hauptfeld bei den Bad Homburg Open tatsächlich Spielerinnen von beträchtlicher Klasse zu sehen, dafür sprechen die Beziehungen von Kerber, aber auch der Termin direkt vor dem Turnier in Wimbledon. „Ich habe in den vergangenen Jahren immer in Eastbourne gespielt“, sagt Kerber, „weil das eine gute Vorbereitung für Wimbledon ist, man spielt auf Rasen, man hat Matches, und man ist noch nicht direkt im ganzen Chaos rund um den Grand Slam. Mir war immer wichtig, den Spielrhythmus nach Wimbledon mitzunehmen.“ So gehe es auch vielen anderen Spielerinnen. Auch die neuen Plätze in Bad Homburg würden den Profi-Kolleginnen entgegenkommen. „Sie werden von Wimbledon gebaut und werden deshalb genau so sein wie ein paar Tage später beim Grand Slam.“

„Ich möchte auch mein Herz einbringen“

Angelique Kerber, daran lässt sie im persönlichen Gespräch keinen Zweifel, bringt in das Bad Homburger Tennisprojekt nicht nur ihren Namen ein. Sie nimmt es persönlich. „Wenn ich etwas mache, will ich es auch richtig machen“, sagt sie. „Dann möchte ich auch mein Herz einbringen. Klar kostet das Zeit und man hat nicht mehr nur Tennis im Kopf, hat auch andere Gespräche, die man führt, man muss kreativ sein, muss überlegen, welche Partner man dazunimmt, muss fragen, wer passt zu unserem Konzept, zu diesem Turnier. Das alles kostet Zeit, aber das ist keine verlorene Zeit. Wir bauen etwas auf und werden jedes Jahr größer, besser und erfahrener werden.“ Wie viel Arbeit das sei, bekomme man erst so richtig mit, „wenn man sich selbst damit befasst. Wir fangen ja von null an. Es ist so viel Arbeit auch im Hintergrund, angefangen von den Plätzen bis hin zur kompletten Organisation.“

Gibt es Turniere, die ihr als Vorbild dienen? Die australischen Turniere, sagt sie, seien für sie am schönsten, natürlich auch Wimbledon mit all seiner Tradition, auch Indian Wells, auch Stuttgart. Alles Turniere, die viel höher dotiert sind als Bad Homburg, aber die auch das gemein haben, was Kerber mit ihrem Engagement in Hessen anstrebt: professionelle Bedingungen für erstklassigen Sport, dazu die Wärme herzlicher Gastgeber.

Quelle: F.A.Z.
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