Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte

„Ich erhoffe mir vom FCK mehr Bekanntheit“

Von Achim Dreis
26.02.2014
, 10:38
Erfolgsduo: Miriam Welte (l.) und Kristina Vogel
Dass das Budget für Bahnrad beim 1. FC Kaiserslautern vermutlich dem entspricht, was das rechte Bein eines defensiven Mittelfeldspielers wert ist, stört Olympiasiegerin Miriam Welte nicht.

Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte tritt seit dieser Saison für den 1. FC Kaiserslautern an. Die 27 Jahre alte Weltmeisterin im Gespräch über ihr Leben als Fußball-Fan und ihre Ziele bei der WM.

Wie kommt eine Bahnradfahrerin zu einem ausgewiesenen Fußballklub wie den 1. FC Kaiserslautern?

Ich wurde nach den Olympischen Spielen 2012 auf dem Betzenberg geehrt und habe dort vor der Westkurve mein eigenes FCK-Trikot bekommen. Ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut. Als Kaiserslautererin bin ich schon vorher oft auf dem Betzenberg gewesen und natürlich FCK-Fan. Ich saß später irgendwann bei Stefan Kuntz zum Kaffee, um mich zu bedanken, und dabei ist die Idee gewachsen, in Zukunft für den FCK zu starten.

Haben Sie keine Angst, dort das fünfte Rad zu sein?

Wieso denn? Ich bin zur Triathlon-Abteilung gewechselt und kann von dem Wechsel sehr profitieren. Es ist einfach schön, einen so starken und professionellen Verein im Rücken zu wissen, der mich jetzt schon unglaublich unterstützt. Ich fühle mich wohl beim FCK und bin stolz, dort jetzt aktives Mitglied zu sein.

Welche Verbesserungen erwarten Sie durch Ihren Wechsel vom Rad-Sport-Club zum FCK?

Erst einmal bin ich dem RSC sehr dankbar für die vielen tollen und intensiven Jahre. Es gibt aber natürlich einige Verbesserungen für mich. Zum einen kann ich die Trainingsinfrastruktur des FCK nutzen. Dazu gehören der Kraftraum und die Möglichkeit zu physiotherapeutischen Behandlungen. Der FCK hat spezielle Geräte, wie Elektro- oder Wärmetherapie, die wir beim RSC nicht hatten. Außerdem werde ich medial sehr viel besser unterstützt, dadurch erhoffe ich mir eine größere Bekanntheit als bisher.

Das Budget für Bahnrad dürfte in etwa dem entsprechen, was für das „rechte Bein“ eines Mittelfeldspielers ausgegeben wird, oder?

Darum geht es doch gar nicht. Der Fußball spielt in einer anderen Liga, das ist auch in Ordnung. Ich bin mit dem, was ich habe, zufrieden.

Können Sie mittlerweile halbwegs von Ihrem Sport leben?

Ich bin zufrieden. Ich konnte nach Olympia einen großen Hauptsponsor gewinnen, der mich gemeinsam mit weiteren kleineren Sponsoren sehr gut unterstützt. Außerdem habe ich mit der Polizei Rheinland-Pfalz einen Arbeitgeber, der nicht besser sein könnte. Ich kann alle Trainingslager und Wettkämpfe bestreiten und gehe dann arbeiten, wenn es mit dem Training zu vereinbaren ist.

Was ist Ihr Job bei der Polizei, wenn Sie im Einsatz sind?

Ich bin Angehörige der Bereitschaftspolizei in Enkenbach-Alsenborn und fahre dort die ganz normalen Einsätze mit, die von der Bereitschaftspolizei gemacht werden. Natürlich alles nur in Absprache mit dem Trainer und unter Berücksichtigung des Trainings und der Regeneration. Aber dazu gehört zum Beispiel auch Fußball auf dem Betzenberg in Uniform.

Sind Sie denn als gebürtige Kaiserslautererin von Hause aus Fußballfan?

Klar doch! Ich bin mit der Begeisterung in der Stadt für den Fußball groß geworden. Ich kann mich auch noch sehr gut erinnern, dass wir alle zusammen in der Schule auf einer großen Leinwand Fußball geschaut haben, als der 1. FC Kaiserslautern 1998 deutscher Meister geworden ist.

Wie oft gehen Sie zum Betzenberg?

Ich gehe so oft ins Stadion wie ich kann. Ich denke, ich sehe im Schnitt sechs bis acht Heimspiele pro Saison live, mehr Spiele sind wegen meiner Saisoneinsätze leider nicht möglich.

Der Weg zum Betzenberg hoch ist für Sie aber keine Fahrradstrecke, oder trainieren Sie auch Bergfahren?

Als Sprinterin ist es eher nachteilig, mit dem Rad lange bergauf zu fahren. Früher haben wir aber immer Treppentraining den Betzenberg hoch gemacht – also Sprint und Sprünge. Die Treppen wollten einfach nicht aufhören. Für mich war es aber ein super auspowerndes Training.

Können Sie öfter als früher gemeinsam mit Ihrer Partnerin Kristina Vogel trainieren, die für Turbine Erfurt startet?

Kristina und ich sind seit Anfang September fast komplett gemeinsam unterwegs gewesen. Wir haben nur zwischen Weihnachten und Mitte Januar nicht zusammen trainiert, weil ich im Gegensatz zu ihr noch beim letzten Weltcup in Mexiko am Start war. Seit meiner Rückkehr trainieren wir wieder zusammen.

Wie sind die Bedingungen derzeit in Kolumbien?

Die Bedingungen sind super. Es hat zwischen 25 und 30 Grad und die Luftfeuchtigkeit ist relativ hoch. Daher ist es gut, dass wir schon seit knapp einer Woche hier sind, um uns zu Akklimatisieren. Die Kolumbianer haben alles komplett renoviert. Die Bahn sieht echt super aus und lässt sich sehr gut fahren.

Wie oft werden Sie bei der Bahnrad-WM starten?

Bisher ist ein Start im Teamsprint am Mittwoch, dem 500-Meter-Zeitfahren am Donnerstag und im Sprint am Freitag geplant. Ob ich dann noch im Keirin an den Start gehen werde, entscheidet sich nach den drei geplanten Starts.

Welche Zielsetzungen haben Sie?

Ich möchte mit Kristina Vogel im Teamsprint die Goldmedaille verteidigen und wieder Weltmeisterin werden. Über 500 Meter möchte ich auf dem Podium stehen. Ich habe mich auf diese beiden Disziplinen speziell vorbereitet, daher erhoffe ich mir dort Medaillenränge. Im Sprint möchte ich mindestens unter die Top Acht kommen.

Was ist für Sie wichtiger, der Wiederaufstieg des FCK in die Bundesliga oder die Medaillen bei der WM?

Beides ist mir wichtig. Die WM-Medaillen stehen aktuell für mich natürlich absolut im Vordergrund. Ich konzentriere mich komplett darauf und freue mich auf die Wettkämpfe. Wir haben sehr gut trainiert und ich denke, dass wir eine gute Leistung zeigen werden. Danach habe ich erst einmal Regenerationsphase und bin zu Hause. Dann rückt natürlich das Daumen drücken für die Fußballer in den Vordergrund, und ich versuche, die Mannschaft so gut ich kann zu unterstützen.

Die Fragen stellte Achim Dreis.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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