Basketball-Bundesliga

Manager Baldi fordert radikale Reform

Von Michael Reinsch, Berlin
07.02.2008
, 18:01
Immanuel McElroy: Abschied von Köln, Neuanfang in Berlin
Immanuel McElroy und Aleksander Nadjfeji aus der Kölner Konkursmasse unterschrieben bei Alba Berlin neue Verträge. Basketball-Manager Marco Baldi nutzt die Zahlungsunfähigkeit der 99ers und beklagt die Profillosigkeit der Liga.

Als am Mittwochabend der zahlungsunfähige Basketball-Pokalsieger Köln 99ers bei Alba Berlin ausschied, fehlten seine beiden Spitzenspieler Immanuel McElroy und Aleksander Nadjfeji. Am Donnerstag tauchten der Amerikaner und der Serbe dann doch in Berlin auf. Zur Mittagszeit unterschrieben sie bei Alba Verträge für diese und die nächste Saison; am Abend trainierten sie bereits in ihrem neuen Team.

Ob er nicht Skrupel habe oder ein schlechtes Gewissen, muss sich der Berliner Geschäftsführer Marco Baldi fragen lassen, mit zwei Spielern zu verhandeln, deren Team um seine Existenz ringt. „Ganz im Gegenteil!“ Wie im Spiel, wenn der Gegner den Ball verliert, antwortet Baldi, gehe es auch im Transfergeschäft um Schnelligkeit.

Leise den Finger zu heben ist seine Sache nicht

Seit gut zwei Wochen bieten Spielerberater Athleten aus Köln an - und zwar nicht nur den Berlinern, die gerade die Tabellenführung in der Liga verloren haben. „Wir können nicht, wenn die Messe gelesen ist, leise den Finger heben und sagen: Wir hätten auch Interesse“, sagt Baldi.

Leise den Finger zu heben ist ohnehin seine Sache nicht. „Sehenden Auges sind sie darauf zugesteuert“, wirft er den Kölnern vor. Die Großzügigkeit von Mäzen Herbert Zimmer habe verhindert, dass sich die Kölner - in den sieben Jahren ihrer Existenz immerhin dreimal Pokalsieger und einmal Meister - professionell um Sponsoren bemühten: „Sie hingen finanziell an einem einzigen Faden.“

Verwaltung der Vereine oder Spitze der Bewegung

Baldi will Köln, obwohl auch Gießen und Ulm in finanziellen Schwierigkeiten stecken und Leverkusen seinen Sponsor Bayer verlieren wird, nicht als Beispiel für die Lage der Liga nehmen. „Die Vereine haben regionale Ausstrahlung“, konstatiert der Mann, der aus dem DTV Charlottenburg Alba Berlin gemacht und dem Klub überregionale Attraktivität verliehen hat. „Budgets und Zuschauerinteresse nehmen kontinuierlich zu.“

Was fehlt, sei der Mut, einen Schnitt zu machen, sagt Baldi, und die Liga von 18 auf 14 Vereine zu verkleinern. „Das wird schmerzhaft werden. Köln und Leverkusen und andere Schieflagen machen deutlich, dass es diese Reformen geben muss.“ Der Basketball-Bundesliga (BBL) wirft er vor, dass sie durch ihre Größe kein Profil besitze. „Was will die BBL sein: Verwaltung der Vereine oder die Spitze der Bewegung?“

Achtzehnmal vier gute deutsche Spieler gibt es nicht

Um aus regionaler Ausstrahlung nationale Bedeutung oder gar internationales Gewicht zu machen, bedürfe es darüber hinaus Stabilität und Kontinuität. Zwar sei, was die Organisation angehe, die BBL hinter der spanischen die Liga Nummer zwei in Europa. Doch auch Baldi beschreibt sie als Durchlauferhitzer: Talente spielen hier nur so lange, bis sie in eine der zahlungskräftigeren Ligen Europas wechseln können. Da man kaum mehrjährige Spielerverträge vorschreiben könne, um die jährliche Runderneuerung der Teams zu verhindern, müsse die Liga bei den deutschen Spielern ansetzen. Für sie verlangt Baldi eine Quote.

Die gibt es zwar schon; bis 2010 steigert die BBL den Mindestanteil der einheimischen Spieler auf vier von zwölf. „Das ist nicht radikal genug“, sagt Baldi. Wer fünf deutsche Spieler verpflichten müsse, werde nicht nur Mitläufer beschäftigen, sondern ihnen auch Verantwortung übertragen. Außerdem werde er sich darum bemühen, Nachwuchs zu entwickeln. Baldi setzt dafür das Schrumpfen der Liga voraus: „Achtzehnmal vier gute deutsche Spieler gibt es nicht. Achtzehnmal fünf schon gar nicht.“

Im Basketball kann man noch viel erreichen

Insbesondere im Vergleich mit der Medienpräsenz des Handballs seit dessen triumphaler Weltmeisterschaft wirft Baldi dem Deutschen Basketball-Bund Verzagtheit und Versäumnisse vor. „Dafür, dass Dirk Nowitzki für die deutsche Nationalmannschaft spielt, könnten wir ihm eigentlich jeden Tag eine E-Mail schicken: Danke, Dirk!“, scherzt er. Doch aus der Bekanntheit und Beliebtheit des besten Basketballspielers der Welt hätte der Verband Kapital schlagen müssen, indem er eine Welt- oder Europameisterschaft nach Deutschland holt, klagt Baldi. Doch jetzt ist es vorbei mit der Möglichkeit, Heimspiele des deutschen Teams mit dem fränkischen Superstar aus Dallas zu planen. „Das ist gelaufen“, sagt Baldi. Nowitzki verabschiedet sich spätestens nach den Olympischen Spielen vom Nationalteam.

Die Konkurrenz des Handballs und ihrer Bundesliga - die sich mit den Füchsen anschickt, Alba in der Hauptstadt Konkurrenz zu machen - nimmt Baldi gern an. Schließlich ordnet er seine Sportart im Gegensatz zum Handball als globales Unternehmen ein. Außerdem lockt die Anschuetz-Gruppe aus Amerika Alba unverholen in die gerade entstehende O2-Arena mit ihren 15.000 Plätzen. „Die Handball-Bundesliga ist die stärkste der Welt, die besten Spieler der Welt spielen hier“, konstatiert Baldi. „Da ist kein Entwicklungspotential.“ Das ist eine optimistische Betrachtungsweise: Im Basketball kann man noch viel erreichen. Man muss es sich nur vornehmen.

Quelle: F.A.Z., 08.02.2008, Nr. 33 / Seite 32
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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