Störung durch Beach-Tennis

Die Plage am Strand

Von Michael Eder
28.07.2021
, 15:42
(Un-)beliebte Strandbeschäftigung: Beach-Tennis
Schläger raus und los geht’s: Beach-Tennis ist für viele eine beliebte Strandbeschäftigung. Doch was als Spiel getarnt ist, ist in Wirklichkeit eine internationale Plage. Eine Glosse.

PLOPP.

Zum Start unserer beliebten Serie „Sport am Strand“ ein paar Urlaubseindrücke von der französischen Atlantikküste. Die GPS-Daten möchte ich Ihnen gern vorenthalten, Sie werden das verstehen, ist schon voll genug hier, trotz Corona. Ist aber auch wahnsinnig schön hier, obwohl ich einräumen muss: Es gibt einiges, was verstörend wirkt in dieser wunderbaren Landschaft. Zum Beispiel der ­plage naturiste.

Ihn auf einer Strandwanderung zu durcheilen, schnellen Schrittes und eines Blickes, der nicht weiß, wohin, nun ja, das ist nicht jedermanns Sache. Die Einheimischen nennen diesen Strandabschnitt plage des culs nus, den Strand der nackten Ärsche, ein bisschen drastisch formuliert, trifft die Szenerie aber recht genau, wenn auch nicht in jedem Detail.

Eine internationale Plage

Hat man die culs nus hinter sich gelassen und sich am schönsten Strandabschnitt zur wohlverdienten Urlaubsruhe hingelegt, dauert es nicht lange, bis sich der nächste Schrecken avisiert. Er ist als Spiel getarnt. Sie mögen es kennen, es ist dieses Spiel, das an französischen Stränden meist Deutsche spielen, aber nicht nur sie, es ist eine internationale Plage.

Touristen ziehen zwei Holzschläger aus ihrer Badetasche, dazu einen Ball ebenfalls aus Holz. Aus Holz deshalb, weil das beim Spiel den schlimmstmöglichen Krach verursacht. Die Schlägerbesitzer bauen sich, qua Naturgesetz, mit ihrer Ausrüstung stets vor meiner GPS-Position auf, direkt vor meinem sorgsam gewählten Liegeplatz. Dann hauen sie den Holzball mit ihren Holzgestellen hin und her. Niemals hat man diese Art sportliche Betätigung abseits eines Strandes gesehen. Man kann dafür nur dankbar sein.

PLOPP! PLOPP!! PLOPP!!!

Im Umkreis von 20 Strandmetern ist nun an Dösen, Urlauben, Sinnieren nicht mehr zu denken. Der inneren Stimme, die einem gerade noch zugesäuselt hatte, wie schön dieser Strand doch sei, dieser Himmel, dieses Meer, diese Welle – dieser inneren Stimme antwortet nun die Holzkeule:

PLOPP!!!!

Ganz schlimm wird es, wenn das Holzschläger-Hin-und-Her offenbar für die Aufnahme ins Guinnessbuch der Rekorde vorgesehen ist. Dann wird mitgezählt: PLOPP! EINS, PLOPP!! ZWEI, PLOPP!!! DREI . . . Spätestens bei siebzehn landet die Holzkugel im Sand. Großes Bedauern. Neuer Versuch. Es ist nicht zum Aushalten. Was tun? Bleibt nur ein Umzug. Der Strand ist lang. Sachen packen. Weiterziehen. Endlich ein ruhiger Fleck. Wieder hinlegen, dösen, urlauben, sinnieren. Und dann:

PLOPP!!!

Quelle: F.A.S.
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