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Skipper über Segeln und Corona

„So etwas ist in dieser Zeit absolut zu vermeiden“

Von Sebastian Reuter
Aktualisiert am 06.04.2020
 - 21:01
Hat keine Angst vor der Absage der Vendée Globe: Profi-Segler Boris Herrmann
Als erster Deutscher startet Boris Herrmann bei einer der härtesten Segelregatten überhaupt. Im Interview erzählt der Skipper, wie er sich trotz Corona-Krise auf die Vendée Globe vorbereitet – und was er aus der Reise mit Greta Thunberg gelernt hat.

Sie wollen im Herbst als erster Deutscher an der Vendée Globe teilnehmen, einer der härtesten Regatten der Welt, bei der die Skipper solo und nonstop um die Welt segeln. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihre Vorbereitung aus?

Ursprünglich hatten wir den Plan, unsere „Malizia“-Yacht dieser Tage zu Wasser zu lassen, zu trainieren, am 10. Mai ein Rennen nach Amerika zu starten und im Juni von New York nach Frankreich zu segeln. Das ist nun erst einmal passé und wir hoffen, ab Anfang Mai segeln zu können – auch wenn das Rennen mit Sicherheit nicht stattfinden wird. Außerdem hat sich mein Team in der Werft aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen von fünfzehn auf zwei Personen verkleinert. Die Arbeiten dauern dadurch länger und auch die Lieferung von Ersatzteilen oder Spezialanfertigungen verzögert sich. Es gibt also deutlich weniger Planungssicherheit, ich bin aber zuversichtlich, das Boot bis Ende April fertigzubekommen. Dann werden wir sehen, wie groß die Einschränkungen noch sind und ob wir dazu übergehen müssen, von Woche zu Woche zu planen. Im Moment halte ich mich zu Hause fit und mache Wetterstudien für die Vendée Globe. Damit könnte ich mich locker ein ganzes Jahr beschäftigen.

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Als Solo-Hochseesegler sind Sie meist auf sich gestellt. Wie stark würde ein Anhalten des Kontaktverbotes Ihr Training einschränken?

Es kann immer mal sein, dass man im Training Hilfe braucht, sich verletzt oder ein Rettungsboot benötigt wird – selbst wenn man noch so vorsichtig ist. So etwas ist in dieser Zeit natürlich absolut zu vermeiden, und kein Segler will derzeit mit seiner sportlichen Aktivität die Rettungskräfte beanspruchen.

Aber?

Andererseits ist die Vendée Globe eine sehr große Herausforderung und eine gefährliche Regatta, auf die man sich gut vorbereiten muss. Irgendwann werden alle Skipper auf Kompromisssuche gehen müssen und versuchen, so gut es geht zu trainieren. Selbst wenn die derzeitige Situation noch Monate andauert, benötigen wir genügend Zeit auf dem Wasser, um sicher um die Welt segeln zu können und nicht neue Risiken zu produzieren.

Das klingt nicht, als würden Sie ernsthaft mit einer Absage der Vendée Globe rechnen.

Dazu besteht derzeit auch kein Anlass. Wir werden als Skipper jede Woche von den Veranstaltern über die aktuellen Planungen informiert und ich bin sehr zuversichtlich, dass es keine Absage geben wird. Zur Not wird es kein Race Village und kein Publikum im Start- und Zielort Les-Sables-d’Olonne geben. Für uns Skipper wäre es natürlich schade, auf den Jubel von mehr als 100.000 Leuten verzichten zu müssen. Aber der Großteil der Regatta findet für die Fans sowieso im Internet über den Livestream oder das Tracking statt, die könnten das also verkraften.

Eigentlich wollten Sie im Frühjahr einen neuen Partner präsentieren, der Sie auf dem Weg zur Vendée Globe auch finanziell unterstützt.

Die Partnerschaft steht weiterhin, aber es ist jetzt nicht die Zeit, sich gemeinsam zu präsentieren und mit Themen an die Öffentlichkeit zu gehen, die derzeit keine Priorität haben. Wir wollen auch nicht unsensibel sein, über uns selbst reden und unsere Botschaften über Klimawandel und Nachhaltigkeit in die Welt tragen. Es gibt im Moment einfach wichtigere Themen für die meisten von uns. Deswegen haben wir uns entschieden abzuwarten, bis sich die Lage entspannt.

Schon für echte Landratten ist es schwierig, derzeit daheim bleiben und Ausflüge oder Reisen verschieben zu müssen. Wie ist die Situation für einen Segler, der am liebsten immer auf dem Wasser wäre?

Auch ich bin leider die meiste Zeit im Jahr im Büro oder in der Werft und verbringe maximal 100 Tage auf dem Meer. Deswegen stört mich die viele Zeit zuhause im Moment noch nicht so sehr. Aber auch ich habe natürlich regelmäßige Aufs und Abs. Mir hilft es immer, Lethargie zu vermeiden und das Gefühl zu entwickeln, selbst entscheiden und gestalten zu können, die Situation unter Kontrolle zu haben. Sich Ziele für den Tag oder die Woche zu setzen und motivierende Tätigkeiten einzubauen, ist meiner Erfahrung nach total hilfreich und lässt beängstigende Gedanken und Szenarien eine Zeit lang vergessen. Ich versuche, nicht dauerhaft zu viele Corona-Nachrichten zu konsumieren, sondern mich regelmäßig upzudaten und den Fokus dann wieder auf andere Dinge zu richten.

Derzeit hängen in der Karibik zahlreiche Hobbysegler fest, die aufgrund der Corona-Krise auf vielen Inseln nicht mehr erwünscht sind und nun den Plan gefasst haben, im Konvoi zurück nach Deutschland zu segeln. Halten Sie das als Profi für eine gute Idee?

Wenn diese Segler die passende Ausrüstung und ausreichend Kenntnisse haben, ist jetzt der beste Zeitpunkt, einen solchen Trip zu starten. Spätestens Ende April sollten sie die Karibik auf jeden Fall verlassen haben, dann startet die Hurrikan-Saison, viele Schiffe sind für etwaige Sturmschäden nicht versichert. Darum ist es besser, nun einen gemeinsamen Plan zu schmieden, anstatt in ein paar Wochen in Panik zu verfallen, zu versuchen wegzukommen und sich in Gefahr zu bringen. Sollte es einen solchen Konvoi geben, würde das zeigen, wie clever und solidarisch die Gemeinschaft dort ist und sich organisieren kann. Allerdings muss natürlich bei jedem Boot einzeln abgewogen werden, ob es sicher genug ist, da man sich auf dem offenen Meer nur begrenzt gegenseitig helfen kann.

Im vergangenen Jahr haben Sie der Klimaaktivistin Greta Thunberg „geholfen“, über den Atlantik zu segeln. Das hat Sie berühmt gemacht, Ihnen aber auch Kritik eingebracht. Wie blicken Sie darauf zurück?

Es war eine interessante Zeit und eine spannende Reise. Wir hatten das Gefühl, unsere Yacht in den Dienst einer Sache zu stellen, die mit Größerem als nur mit sportlichen Zielen zu tun hat. Die Kritik daran, dass wir zwar emissionsfrei nach Amerika gesegelt, dann aber zurück geflogen sind, kam für uns sehr überraschend. Wir haben uns intensiv mit diesen Widersprüchen auseinandergesetzt, sind aber zu dem Schluss gekommen, dass in seinem Alltag niemand vor diesen Widersprüchen gefeit ist. Insgesamt sind wir entspannt mit dem Trubel umgegangen, weil es nur am Rande um uns und die Aussage unserer Aktion ging, sondern eben um den Widerspruch in unserem Handeln. Wir wollten Greta Thunberg bei ihrem Ziel unterstützen und Aufmerksamkeit erzeugen. Das haben wir geschafft – und die Kritik daran ist am Ende auch Teil dieser Aufmerksamkeit.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
Redakteur vom Dienst.
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