Schäfer dominiert Siebenkampf

Auf den Kopf gestellt und gewonnen

Von Katja Sturm
Aktualisiert am 23.08.2020
 - 18:04
Carolin Schäfer: deutsche Siebenkampf-Meisterin 2020
Siebenkämpferin Carolin Schäfer gehört schon lange zur Weltklasse, dennoch hat sie zuletzt den Trainer gewechselt und alles „um 180 Grad gedreht“. Der erste Erfolg bestätigt das Wagnis.

Nationale Titel zählen wenig im Kreis der besten deutschen Siebenkämpferinnen. Die Tickets für Großereignisse werden in der Regel bei den Traditionsmeetings in Götzis und in Ratingen vergeben. Verzicht ist deshalb oft die Regel, wenn es nur um Meisterehren geht. So erstaunt es nicht, dass Carolin Schäfer, die schon seit mehreren Jahren die Szene der hiesigen Mehrkämpferinnen dominiert und bei den Weltmeisterschaften 2017 in London Silber gewann, am Sonntag erst ihre zweite Meisterschaft nach 2013 bejubeln durfte.

Mit 6319 Punkten setzte sich die Leichtathletin der LG Eintracht Frankfurt in Vaterstetten souverän durch, direkt hinter ihr plazierte sich die Leverkusenerin Anna Maiwald mit 6112 Zählern. Vanessa Grimm vom Königsteiner LV überzeugte als Dritte mit einer gelungenen Darbietung und kam mit 6047 Punkten erstmals über die 6000-Punkte-Marke.

Carolin Schäfer steigerte nach einigen Auftritten in Einzeldisziplinen während der vergangenen Monate gleich zum Auftakt ihre Saisonbestleistung über 100 Meter Hürden, überquerte im Hochsprung die Latte bei 1,80 Meter, was die 28-Jährige seit 2017 nicht mehr geschafft hatte, und fügte einen Tag später zu den guten Resultaten noch einen Sommer-Rekord von 6,07 Metern im Weitsprung sowie ordentliche 48,24 Meter beim Speerwerfen hinzu. Über 800 Meter führte die abschließende Überprüfung des Ausdauervermögens zu einer Renndauer von 2:16,90 Minuten. Die angepeilte neue Bestzeit verpasste sie dabei. Im Kugelstoßen, wo die Junioren-Weltmeisterin von 2008 nach der Umstellung auf das zuletzt zu Schülerzeiten bevorzugte Angleiten auf 13,25 Meter kam, „haperte es“ eigenen Angaben nach ein bisschen. Über 200 Meter blies den Sportlerinnen Gegenwind entgegen. Am Ende zeigte die Uhr für die Führende 24,12 Sekunden an. Als „durchweg positiv“ bewertete Carolin Schäfer ihre Leistungen schon nach Tag eins.

Doch es waren nicht nur die zählbaren Werte, die bei der Favoritin im Vordergrund standen. Carolin Schäfer hatte nach ihrem verletzungsbedingten WM-Verzicht im vergangenen Herbst ihren langjährigen Trainer Jürgen Sammert verlassen, um den Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio und dem dort angestrebten Edelmetall mit Michael und Stefanie Kaul, den Eltern von Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul, weiterzugehen.

Techniken wurden auf den Kopf gestellt, alles, wie sie sagte, „um 180 Grad“ gedreht. Der erste Siebenkampf seitdem sollte aufzeigen, wo die Europameisterschaftsdritte von Berlin 2018 aktuell steht. Die routinierte Athletin wollte aber auch, dass ihre neuen Betreuer sie noch besser kennenlernen, dass sie wissen, wie sie „im Wettkampf tickt“, und in angespannten Situationen entsprechend auf sie eingehen und reagieren können. Ernstfälle lassen sich im Training nicht simulieren.

In Vaterstetten war Carolin Schäfer aus dem Training heraus angetreten. Alles ist darauf ausgerichtet, in einem knappen Jahr in Tokio topfit zu sein. Alles andere wird in den Hintergrund gestellt.

Quelle: F.A.Z.
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