Sieg beim CHIO-Nationenpreis

Nervliche Achterbahnfahrten für Deutschlands Springreiter

Von Evi Simeoni, Aachen
30.06.2022
, 23:41
Die deutsche Springreiterin Janne Friederike Meyer-Zimmermann hatte zwei fehlerfreie Ritte, jubelt hier über den Erfolg beim CHIO.
Ein durch die Luft fliegendes Hufeisen, Starkregen und ein Fast-Sturz bei der Generalprobe hielt das Quartett nicht auf. Die deutschen Springreiter haben souverän den Nationenpreis beim CHIO in Aachen gewonnen. Und nun?
ANZEIGE

Europameister André Thieme saß schon längst auf seiner Stute Chakaria, er hatte sich bereit gemacht, für die deutsche Springreiter-Equipe noch einmal all sein Können aufzubieten – doch er konnte unverrichteter Dinge wieder absitzen. Seine Kollegen hatten den Sack schon zugemacht, der Schlussreiter der zweiten Runde beim Nationenpreis von Aachen wurde am späten Donnerstagabend nicht mehr gebraucht. Thieme fand das „super angenehm“. Und dann lagen sich alle in den Armen: Newcomerin Jana Wargers als Startreiterin, Christian Kukuk, der im vergangenen Jahr schon zur deutschen EM-Equipe gehört hatte, Janne-Friederike Meyer-Zimmermann, die im Frühjahr ihren Sohn Friedrich geboren und nach der Babypause ein rasantes Comeback hingelegt hat und André Thieme, der mit seinen Qualitäten den anderen die nötige Sicherheit gegeben hatte, um sich etwas zu trauen. Und natürlich Otto Becker, der Bundestrainer, dem zuletzt 2018 mit einer deutschen Equipe ein Sieg beim legendären CHIO gelungen war und der es geschafft hat, aus einer verwirrenden Konstellation ein so starkes Team zu formen.

Mit fünf Minuspunkten gewannen die Deutschen den mit insgesamt einer Million dotierten Mannschaftswettbewerb vor Belgien und Großbritannien mit jeweils 8; bei Punktgleichheit zählt die bessere Gesamtzeit im zweiten Umlauf. Ein Omen für die Weltmeisterschaften im August in Herning in Dänemark? Noch hat Becker seine endgültige Mannschaft nicht aufgestellt. Doch André Thieme, davon ist auszugehen, wird dabei sein. Vorausgesetzt, seine Stute bleibt fit.

ANZEIGE

Jeder sein eigenes Drama

Nationenpreise im Springreiten sind immer nervliche Achterbahnfahrten, besonders im traditionellen Format mit Vierer-Teams und Streichresultat. Und so erlebte jeder der deutschen Teamreiter sein eigenes Drama. Die in Belgien lebende Jana Wargers wollte es bei ihrem Aachen-Debüt besonders gut machen und handelte sich in ihrem ersten Umlauf mit ihrem Holsteiner Hengst Limbridge zwar keinen Abwurf, aber einen ärgerlichen Fehlerpunkt für eine Zeitüberschreitung ein. In der zweiten Runde sah die 30 Jahre alte Amazone an Hindernis drei plötzlich eines der Hufeisen ihres Pferdes durch die Luft fliegen. Und das auf einem vom starken Regen durchnässten Geläuf – das nordrhein-westfälische Unwetter streifte auch Aachen. Darum agierte sie bei der nächsten Wendung zu vorsichtig, ein Fehler an einem roten Oxer war die Folge. Doch wozu hat man Kollegen?

Christian Kukuk, der für Ludger Beerbaums Stall in Riesenbeck reitet, hatte sich in der ersten Runde zwar mit seinem Schimmelhengst zwei Abwürfe in der dreifachen Kombination, die Teil der technisch sehr anspruchsvollen Schlusslinie war, geleistet. „Zwei leichte Flüchtigkeitsfehler“, sagte er. In Runde zwei machte er das mit einem hochkonzentrierten, fehlerfreien Ritt wieder wett. Janne-Friederike Meyer-Zimmermann aus Pinneberg wiederum gelangen gleich zwei Null-Fehler-Ritte mit ihrem zehnjährigen Wallach Messi. Und das trotz eines Missgeschicks, das den beiden am Mittwoch passiert war. Fast wäre sie bei ihrem Vorbereitungsspringen am letzten Sprung gestürzt. Sie konnte sich und das Pferd aus höchster Not gerade noch retten. Im Nationenpreis aber bewies der junge Messi, dass er solche negativen Erfahrungen mental umdribbeln kann.

Und dann Thieme, der Bewährte. In seinem ersten und einzigen Umlauf blieb der Mecklenburger fehlerfrei. Vor der kniffligen Dreifachen änderte er zwar kurzfristig seinen Plan, ließ Chakaria einen Galoppsprung weniger machen als gedacht und kam nicht ideal an den Einsprung heran. Eine Stange klapperte, fiel aber nicht. Beim nächsten Versuch wollte er es besser machen – aber so weit kam es ja nicht mehr.

ANZEIGE

Und jetzt? Otto Becker betonte, dass er für Aachen lauter Paare nominiert hatte, die sich in den bisherigen Nationenpreisen dieses Jahres bewährt hatten. Es fehlten einige große Namen, wie etwa der erfahrene Marcus Ehning aus Borken, der in dem Hengst Stargold wieder ein championatsfähiges Pferd zur Verfügung hat. Auch Daniel Deußer, Sieger des Vorjahres im Großen Preis von Aachen, und Christian Ahlmann, zwei internationale deutsche Asse, sind zwar in der Soers am Start, aber waren nicht für den Nationenpreis nominiert. Die deutsche Freude ist zwar groß. Aber es bleiben auf dem Weg zur WM noch viele Fragen offen.

ANZEIGE
Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Simeoni, Evi
Evi Simeoni
Sportredakteurin.
  Zur Startseite
Lesermeinungen
Alle Leser-Kommentare
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Fahrradhelm
Fahrradhelme im Test
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
Spanischkurs
Lernen Sie Spanisch
Sportwagen
Finden Sie Ihren Sportwagen
Ergometer
Ergometer im Test
ANZEIGE