FAZ plus ArtikelTriathlon kämpft um Zukunft

Der virtuelle Ironman

Von Michael Eder
Aktualisiert am 03.04.2020
 - 07:56
Strampeln in den eigenen vier Wänden: Jan Frodeno in seinem Haus in Spanien.
Eine Marke sucht Wege aus der Krise und plant eine digitale Rennserie nicht nur für ihre Profis. Doch kann das wirklich die Zukunft eines Extremsports und seiner Ausnahmeathleten sein?

„Anything is possible!“ Alles ist möglich – mit dieser Botschaft lockt das Ironman-Label traditionell die Triathleten auf die Langstrecke. Pathos gehört zu Ironman wie Rennrad und Neopren, wie Laufschuhe und Aerohelm. Seit Mittwoch gibt es nun einen zweiten Werbetext, der in Zeiten von Corona das Überleben der Ironman-Veranstaltungen und das Geschäft mit den Träumen der Athleten sichern soll: „Anywhere is possible!“ Es ist nicht nur alles möglich, lautet die Botschaft, sondern auch überall. Um ein Teil der Ironman-Community zu werden, braucht man keinen See mehr, kein Meer, keine Straße, keinen Weg. Es reicht ein Raum, ein Indoor-Rad, ein Laufband, ein Zugseil, vielleicht auch eine Gegenstromanlage im Keller oder im Gartenpool, wenn das nötige Kleingeld dafür vorhanden ist.

Am Mittwoch hat das Ironman-Unternehmen, das (noch) dem chinesischen Sportvermarkter Wanda Sports Group gehört, seinen Ironman Virtual Club vorgestellt. Er soll Athleten nach der Absage von weltweit vielen Rennen wegen der Corona-Pandemie eine Möglichkeit geben, sich vor einem Bildschirm als Ironman zu fühlen. Und das Unternehmen soll es der Rettung näher bringen in einer diffizilen Lage. Es geht um Rückzahlungen von Startgeldern in Millionenhöhe für Qualifikationsrennen für die Ironman-Weltmeisterschaft im Oktober auf Hawaii und die WM über die Halbdistanz im November in Neuseeland.

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Ironman-Chef spielt auf Zeit

Stefan Petschnig spielt weiter auf Zeit. Am Donnerstag hat sich der 50 Jahre alte Österreicher von seinem Wohnort auf Mallorca zu Wort gemeldet. Kernbotschaft des Europa-Chefs von Ironman: „Zwei Monate vor dem geplanten Start eines Rennens sagen wir, ob es wirklich stattfindet oder verschoben wird.“ Für die Europameisterschaft in Frankfurt, geplant für den 28. Juni, bedeutet dies weitere dreieinhalb Wochen der Ungewissheit. In seiner Küche auf der spanischen Urlaubsinsel sitzend, stellte Petschnig in einer Videokonferenz drei Alternativen vor, mit denen die mehr als 3000 Sportler bei der erwartbaren Absage rechnen können. Start bei einem noch zu findenden Ausweichtermin im Herbst. Startrecht für 2021. Start bei einem anderen Rennen in Europa, im Nahen Osten oder in Afrika – Petschnigs Verantwortungsbereich.

Ein Angebot aber wurde nicht gemacht: die vollständige Rückzahlung der Startgebühr von rund 550 Euro. „Wenn die Athleten, die bei uns alle im Mittelpunkt stehen, keines der Angebote annehmen möchten, sprechen wir mit jedem von ihnen individuell“, sagte Petschnig. In Zeiten der Coronakrise rechnet der österreichische Ironman-Macher derzeit damit, „dass vielleicht fünfzig Prozent der geplanten Rennen in der zweiten Jahreshälfte stattfinden.“ Auf Nachfrage schloss er aber auch nicht aus: „Vielleicht aber auch kein einziges.“ (raw.)

Quelle: F.A.Z.
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