Baustelle im Basketball

DBB-Sportdirektor kündigt in heiklem Moment

Von Kai Zimmermann
09.09.2021
, 17:23
Gerade erst angekommen, schon ohne Sportdirektor: der neue Bundestrainer Gordon Herbert
Kaum hat der Deutsche Basketball-Bund einen neuen Bundestrainer engagiert, steht er vor einer schwierigen Phase: Völlig überraschend verlässt Felix Leuer den Verband ein Jahr vor der EM im eigenen Land.

Der Deutsche Basketball Bund (DBB) hat mit der Verpflichtung des neuen Bundestrainers Gordon Herbert die wichtigste Frage vor der Heim-Europameisterschaft im September 2022 beantwortet. Doch in die Erleichterung nach Vertragsabschluss mischt sich inzwischen auch eine Prise Frust. Denn nach Informationen der F.A.Z. ist eine andere wichtige Position der Leistungssport-Abteilung plötzlich vakant. Sportdirektor Felix Leuer hat völlig überraschend seinen Vertrag zum 30. September gekündigt. Seine Kündigung bedeutet, dass Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt und Leistungssport-Vizepräsident Armin Andres einen wichtigen Mitstreiter bei der Vorbereitung der EM verlieren.

Leuers Rückzug traf die Verbandsführung unvorbereitet. Der Jurist hatte sich zuletzt immer besser in seinem Job zurechtgefunden, eine ganze Reihe von Kontakten zu den Spielern geknüpft. Er galt inzwischen als wichtiges Mitglied der Delegation. Für seinen Schritt soll Leuer intern private Gründe angeführt haben. DBB-Präsident Ingo Weiss kann diese Baustelle nicht gebrauchen. Um Leuer zu finden, hatte er eine ziemlich intensive Suche samt Ausschreibung betreiben müssen, ehe es vor zwei Jahren zur Unterschrift kam.

Zudem kommt auf den Verband viel Arbeit zu. Die Termine für die EM stehen zwar. Aber welche der deutschen Spieler aus der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA können dabei sein? Wie kann die Vorbereitung aussehen, um bei der EM erfolgreich zu spielen? Wie kann die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2023 bestmöglich organisiert werden? Und vor allem: Welche Profis stehen zur Verfügung?

Bis zu 40 Spieler dürfen sich Hoffnung machen, zur Nationalmannschaft zu gehören. Mit allen muss gesprochen werden, es müssen Strategien festgelegt und Pläne geschmiedet werden. Klassische Aufgaben für einen Sportdirektor. Der neue Bundestrainer Herbert rotiert schon. Der Kanadier soll mit nahezu allen Nationalspielern telefoniert oder Kontakt aufgenommen haben. Er führte mit den Besten bereits längere Gespräche, darunter auch mit Dennis Schröder.

Der Aufbauspieler von den Boston Celtics hatte auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio verzichtet, könnte aber zur EM zurückkehren. Vorausgesetzt, seine Vertragssituation wird nicht, wie schon in diesem Sommer, zum Problem für den DBB. Schröder wird hoffen, im kommenden Sommer einen lukrativeren Deal unterschreiben zu können als seinen jetzigen – 5,9 Millionen Doller zahlen ihm die Celtics für seine Dienste. Das Budget für einen neuen Sportdirektor beim DBB ist nicht ganz so üppig. Und auch die Zeit drängt: Sollte der nächste Sportdirektor längere Zeit brauchen, um sich zurechtzufinden, kann er für die EM-Vorbereitung keine große Hilfe mehr sein.

Quelle: F.A.Z.
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