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Volleyball-Wechsel nach Osten

Deutscher Spitzenspieler sucht sein Glück in Polen

Von Achim Dreis
 - 13:12
Erfolgsorientiert: der deutsche Volleyball-Nationalspieler David Sossenheimer

Angebote kamen aus dem Süden und dem Osten. Zur Wahl standen Italien oder Polen. Und insgeheim hatte sich David Sossenheimer schon am Mittelmeer gesehen. Doch dann haben sich die Italiener viel Zeit gelassen. „Zu viel Zeit“, nach dem Geschmack des deutschen Volleyball-Nationalspielers. „Sie wissen, dass eigentlich jeder nach Italien will“, so seine Annahme. „Die Polen waren ein bisschen schneller.“ Sie warben intensiver. Und so entschied sich Sossenheimer, gerade 23 Jahre alt gewordener Außenangreifer beim deutschen Pokalsieger VfB Friedrichshafen, für den Sprung nach Osten.

MKS Bedzin heißt sein neuer Arbeitgeber, ein schlesisches 60.000-Einwohner-Städtchen in der Nähe von Kattowitz wird seine neue Heimat sein. Erst mal. Nur für ein Jahr hat Sossenheimer unterschrieben, um sich die „Optionen für einen weiteren Karrieresprung“ offen zu halten. Profi-Volleyball ist ein Wanderzirkus, bei dem die besten Artisten oft Jahr für Jahr ihre Manege wechseln. Und Polen bietet ihnen neben Italien die größten Attraktionen. Er werde sich nicht nur sportlich, sondern auch finanziell verbessern, sagt Sossenheimer offen. Der Verein stellt ihm eine Wohnung und ein Auto, für den Zehn-Monats-Vertrag wurde wie üblich ein Netto-Betrag ausgehandelt.

In Polen gilt Volleyball als Volkssport. Länderspiele sind Fernsehereignisse. Polens Männermannschaft ist Weltmeister, und in der Liga ist die Zahl der ausländischen Spieler dergestalt begrenzt, dass nur drei gleichzeitig auf dem Parkett stehen dürfen. In Bedzin werden neben Sossenheimer noch ein Kanadier und ein Iraner im Team stehen. Obwohl der Verein in der polnischen Liga zuletzt am unteren Ende der Tabelle angesiedelt war, erscheint ihm der Wechsel als „zwei Schritte nach oben“. Im vergangenen Jahr sei es in der Bundesliga in manchem Spielen mit Friedrichshafen „im Grunde genommen egal gewesen“, wie er persönlich gespielt hatte: „Wir haben doch gewonnen.“ In der polnischen Plusliga gibt es dagegen kein schwaches Team.

Sossenheimer ist mit seinen jungen Jahren schon relativ weit voran gekommen. Vom VCO Kempfenhausen ging es für ihn mit 18 zum TV Bühl – und innerhalb der Bundesliga dann zur Spitzenmannschaft nach Friedrichshafen. In drei Jahren gewann er mit dem Bodensee-Team dreimal den Pokal und holte dreimal den Supercup, scheiterte aber jeweils in den Playoff-Finalspielen an den Berlin Volleys. An Sossenheimer lag es eher nicht. Die Bundesliga-Statistik weist den Mann mit der Rückennummer 5 in der Saison 2018/19 als drittbesten Scorer der Liga aus; Nummer eins ist sein Teamkollege Bartlomiej Boladz gewesen, ein Pole.

Nun war es Zeit zum Weiterziehen. „Schon während der Saison habe ich den Entschluss gefasst, die Herausforderung im Ausland zu suchen.“ Er erkundigte sich bei Lukas Kampa, dem Zuspieler des Nationalteams, der schon seit 2014 in Polens erster Liga aktiv ist. Er beriet sich mit seinem Vater Christian, Trainer der Bundesliga-Frauen des VC Wiesbaden. Und er besprach sich mit seiner Freundin, die ihm zusicherte, sie würde „überall mit hinzugehen“, was ihm die Wahl erleichterte. „Cool, dass sie so offen ist.“ Sie studiert Trainingswissenschaften im Fernstudium und muss nur gelegentlich zu Präsenzzeiten nach Deutschland.

Seit Sossenheimer seinen Wechsel publik machte, ist in seinem „eher bescheidenen Social-Media-Account die Post abgegangen“, wie er staunend feststellte. Dass er unter größerer Beobachtung steht, wird er auch an diesem Samstag (17.30 Uhr) in Leipzig merken, wenn er mit der deutschen Nationalmannschaft in der Nations League gegen Polen spielen wird. Den Trainer auf der Gegenseite kennt er gut. Es ist Vital Heynen, sein bisheriger Coach und Mentor in Friedrichshafen, der ihm auch zum Wechsel nach Polen geraten hatte. Der ehemalige Bundestrainer Heynen ist mit Polen im vergangenen Jahr Weltmeister geworden und kokettiert seitdem damit, wann immer er in Friedrichshafen auf der Straße von jemandem erkannt wurde, sei es ein Pole gewesen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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