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Ringen

Neue Rechenaufgabe im Mattenschach

Von Daniel Meuren, Mainz
 - 12:50
Einen solchen Kampf sehen die Zuschauer vorerst nicht: Balint Korpasi (rechts) wird Weltmeister Frank Stäbler nicht im Mainzer Trikot herausfordern

In dieser Bundesligasaison kommt für den ASV Mainz 88 und Alemannia Nackenheim beginnend mit dem Rheinhessen-Derby zum Saisonauftakt (Samstag, 19.30 Uhr/Sporthalle am Großen Sand) eine weitere Rechenaufgabe neben Gewichtmachen und Prognosen zur Vergabe der Mannschaftspunkte in jedem einzelnen Duell hinzu: Der Deutsche Ringerbund (DRB) hat eine neue Faustformel eingeführt, nach der die zehn Ringer einer Mannschaft aufgestellt werden müssen. 28 Punkte darf ein Kader „wiegen“. Für einen ausländischen Medaillengewinner bei einem großen Turnier wie Olympia, WM oder WM wie den Mainzer Polen Tadeusz Michalik muss man dabei acht Punkte investieren, während der deutsche Weltmeister Frank Stäbler seinen Verein Red Devils Heilbronn nur vier Zähler kostet. Eigengewächse der Vereine bringen hingegen sogar zwei Minuspunkte ein, die den Spielraum bei der Verpflichtung von Ausländern erhöhen.

„Wir haben viele Rechenübungen angestellt, seit die Regelung verabschiedet wurde. Das ist eine neue Erweiterung des Mattenschach“, sagt Baris Baglan, der zweite Vorsitzende von Mainz 88. „Das wird jetzt schon ganz spannend sein zu sehen, wie die anderen damit umgehen und wie wir uns daran gewöhnen.“

Förderung deutscher Talente

Die Zielsetzung der DRB-Reform ist klar: Durch die Punkteregelung soll das ausufernde und teure Wettrüsten mit ausländischen Spitzenringern begrenzt werden und dies transparenter als noch im vergangenen Jahr, als der Verband eine Etatobergrenze eingeführt hatte, die praktisch nicht zu kontrollieren war.

Mehr Spannung ist auch Qualität

Baglan kann dem DRB-Ansatz einiges abgewinnen, auch wenn er eingesteht, dass in der Breite eine gewisse Qualität verloren geht. Die Mainzer Halbfinalmannschaft aus dem Vorjahr würde nun 42 Punkte auf die Matte bringen, das 28er-Limit lässt sich nun nur durch Verzicht auf Weltklasseringer einhalten. Einen Klassikerkampf wie den zwischen den Weltmeistern Balint Korpasi und Frank Stäbler, wie ihn die Fans in den vergangenen Jahren immer wieder geboten bekamen, wird es fortan nicht mehr geben: Korpasis acht Punkte konnten die Mainzer nicht sinnvoll in die Kaderplanung einbauen, „so schmerzhaft es ist, einen Publikumsliebling wie Balint und auch andere Weltklasseringer gehen lassen zu müssen, so passt die Linie dennoch zu unserem Konzept, verstärkt auf regionale Ringer zu setzen“, sagt Baglan. Der Klub betreibt seit einigen Jahren wieder recht intensiv Nachwuchsarbeit, Trainer David Bichinashvili hat schon das ein oder andere Talent an die Bundesligamannschaft herangeführt.

„Wir haben vom Papier her nun nicht mehr die ganz großen Namen“, sagt Baglan. „Aber wir haben auch das Gefühl, eine sehr starke Truppe beisammen zu bekommen und hoffen, dass tatsächlich mehr enge Kämpfe zu sehen sein werden als im vergangenen Jahr. Das ist für den Zuschauer dann auch Qualität.“ Im vergangenen Jahr trafen die Mainzer Weltklasseringer wie der Ungar Korpasi, der Däne Mark O. Madsen, der Georgier Beka Bujiashvili oder der Türke Söner Demirtas tatsächlich meist auf sogenannte „Deutsch-Opfer“, junge, chancenlose Ringer, die nur aufgestellt wurden, um die Ausländerquote nicht zu belasten. Die unattraktiven Kämpfe dauerten dann meist keine zwei der regulär sechs Minuten, ehe wegen technischer Überlegenheit abgebrochen wurde.

Für den Auftaktkampf im Derby gegen den personell ebenfalls stark veränderten Nachbarn Alemannia Nackenheim, bei dem zum Leidwesen der Zuschauer der Ur-Mainzer und Trainersohn Kubilay Cakici wegen eines Kreubandrisses die Saison komplett verpassen wird, bedeutet die Neuregelung nun Spannung bezüglich des Umgangs mit den 28 Punkten und in jedem Fall auch mehr Spannung als im Vorjahr, als die 88er zu deutlich überlegen waren gegen den kaum 20 Kilometer entfernt am Rhein angesiedelten Rivalen. Und das ist ja kein ganz schlechter Anreiz.

Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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