Boxfarce mit Donald Trump

Fallobst unter welken Helden

Von Alexander Davydov
12.09.2021
, 19:25
Schatten seiner selbst: Evander Holyfield (links) verliert den Kampf gegen Vitor Belfort direkt in der ersten Runde.
Amerika gedenkt der Anschläge auf das World Trade Center. In Florida findet währenddessen ein bizarrer Boxkampf zwischen zwei verblichenen Sportidolen statt – kommentiert von Donald Trump.
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Der 20. Trauertag zu den Anschlägen am 11. September endet in Florida mit einer absurden Flucht in die Nostalgie: Ein wehmütiges Boxspektakel zwischen den einstigen Kampfsportgrößen Evander Holyfield und Vitor Belfort, das eine Sehnsucht nach den Helden von einst befriedigen soll.

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In der roten Ecke: der einstige viermalige Weltmeister im Schwergewicht, zehn Jahre von seinem letzten Kampf und wenige Wochen vor seinem 59. Geburtstag entfernt – Evander Holyfield.

Ihm Gegenüber in der blauen Ecke: mit einer Boxbilanz aus einem Kampf und einem Sieg, einst Champion in den gemischten Kampfkünsten und Schwarzgurtträger im Judo – der erst 44 Jahre alte Vitor Belfort.

„Schwergewichtskampf des Jahres“

Auf dem Zenit ihrer Karrieren wären diese Kämpfer unterschiedlicher Epochen und Disziplinen nie gegeneinander angetreten.In der Pandemie scheint aber alles möglich. Sogar Donald Trump als Sportkommentator: „Vitor sieht aus, als sei er auf Zack“, sagt der frühere amerikanische Präsident kurz vor dem Gong und meint wohl die muskelbepackte Statur Belforts, der eine gut dokumentierte Vergangenheit mit Steroiden hat. Doch auch Holyfield, der nur wenige Tage Zeit hatte, sich auf den Kampf vorzubereiten, sieht fast zu fit aus für sein Alter.

Familienausflug: Donald Trimp (rechts) verfolgt mit seinem Sohn Don Jr. das Kampfgeschehen.
Familienausflug: Donald Trimp (rechts) verfolgt mit seinem Sohn Don Jr. das Kampfgeschehen. Bild: AP

Aber seine Zeit im Ring ist schnell abgelaufen – mit einem K.o. in der ersten Runde, um genau zu sein. Die Legende längst vergangener Tage fällt ohne jegliche Gegenwehr.

Und während Belfort, siegestrunken, dazu aufruft, Amerika wieder groß zu machen und die Zuschauer „Wir wollen Trump“ rufen, endet dieser vom Veranstalter Ryan Kavanaugh zum „Schwergewichtskampf des Jahres“ ernannte Kurzzeit-Schlagabtausch nicht so sehr mit einem Bang, sondern mit Gewimmer.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Davydov, Alexander
Alexander Davydov
Sportredakteur.
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