Draft der NHL

Montreal Canadiens ohne Gespür

Von Bernd Schwickerath
25.07.2021
, 19:21
Die Montreal Canadiens haben sich in der ersten Runde für Logan Mailloux entschieden.
Die Eishockey-Welt ist wegen eines Draft-Picks der Montreal Canadiens in Aufruhr. Bei der diesjährigen Lotterie der NHL wurden auch drei Deutsche gezogen.

Die Montreal Canadiens waren vorbereitet. Und das ist bereits das Problem an dieser Geschichte. Am Wochenende stand der Draft der NHL an, bei dem die Teams aus der stärksten Eishockeyliga der Welt jährlich die besten Talente unter sich aufteilen. Montreal wählte Ende der ersten Runde den 18-jährigen Kanadier Logan Mailloux – und veröffentlichte gleich eine Stellungnahme. Natürlich wussten die Canadiens, dass es einen Aufschrei geben würde. Mailloux hatte zuletzt in Schweden gespielt, dort eine Frau gegen ihren Willen beim Sex fotografiert und das Bild an seine Teamkollegen geschickt.

Die Frau ging zur Polizei, Mailloux bekam eine Geldstrafe. Vor dem Wochenende schrieb er daher auf Twitter, die NHL-Teams sollten ihn bitte nicht auswählen, er habe das nicht verdient und brauche Zeit, um sich weiterzuentwickeln und Vertrauen zurückzugewinnen. Den Canadiens war es einerlei, was Manager Marc Bergevin mit den sportlichen Qualitäten des Verteidigers begründete.

Drei Deutsche wurden gezogen

Seitdem herrscht Aufruhr in der Eishockeywelt. Wieder einmal, so der Tenor in Zeitungs- und Online-Kommentaren, zeige die weißeste und männlichste der großen Liga in Nordamerika, dass ihre Programme für Vielfalt nur Marketing seien. Was sei die Verpflichtung für ein Signal an junge Frauen? Was für eins an junge Männer? Man kann das Leben einer Frau also nachhaltig erschüttern, aber in der NHL ist das kein Problem, wenn man gut genug Eishockey spielt? Ausgerechnet beim Rekordmeister? Die Canadiens sollten sich „schämen“, kommentierte The Athletic.

Aus deutscher Sicht war der Draft unspektakulär. Kein Vergleich zu den drei Vorjahren, in der hiesige Talente jeweils in der ersten Runde gezogen wurden, Moritz Seider (2019 auf Platz sechs) und Tim Stützle (2020 auf Platz drei) gar weit vorn.

Diesmal wählten die 32 NHL-Teams drei Deutsche aus: Edmonton zog Verteidiger Luca Münzenberger von der Kölner U 20 an Position 90, Washington den Berliner Stürmer Haakon Hänelt an 151, Carolina den Krefelder Torhüter Nikita Quapp an 187. Ein Vertrag ist damit nicht verbunden, Spieler aus hinteren Runden schaffen es deutlich seltener in die NHL als solche, die zu Beginn gezogen werden. In den nächsten Jahren muss sich das Trio nun beweisen, ob es wirklich das Zeug hat, in der Eliteliga zu spielen.

Quelle: F.A.Z.
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