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Grizzlys Wolfsburg

Beim Nachsitzen ertappt

Von Christian Otto. Wolfsburg
 - 17:02
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Seine Wut im Bauch ist eindeutig größer als die Vorfreude. Wenn die Grizzlys Wolfsburg an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) zu einem vermeintlichen Eishockey-Fest laden, fühlt sich Pavel Gross mehr bestraft als belohnt. Der fleißige Cheftrainer war mit den Niedersachsen fast ein Jahrzehnt lang Stammgast in den Viertelfinal-Play-offs. In diesem Jahr kann die spannendste Saisonphase in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aber nur noch über einen Umweg erreicht werden. Wolfsburg empfängt in einer vorgelagerten Play-off-Runde die Schwenninger Wild Wings, um am Ende doch noch zum Kreis der acht besten Teams zählen zu können. Zwei Siege aus bis zu drei Spielen sind notwendig. Während sich Außenseiter Schwenningen auf die anstehenden Duelle freut, sieht sich Wolfsburg beim Nachsitzen ertappt.

Die Rahmenbedingungen sind wieder einmal nicht ideal. Aber genau daraus haben die Wolfsburger über Jahre hinweg ihre Kraft geschöpft und die finanziell bessergestellte Konkurrenz nachhaltig geärgert. Wenn also der Deutschtscheche Gross in diesen Tagen eher grummelig auftritt und sich öffentlich ärgert, läuft bei ihm und seinem Verein eigentlich alles normal. „Nach der Olympia-Pause haben wir uns nicht gut präsentiert. Manchmal bekommst du eben das, was du verdienst“, sagt der 49 Jahre alte Übungsleiter zum Beispiel. Was fürchterlich negativ klingt, ist in seinem Fall der übliche Betriebsmodus.

Er stachelt seine Profis an, lockt sie aus der Reserve und setzt Energien frei. Dummerweise stehen aber wegen einer Verletzungsmisere derzeit nicht sehr viele angriffslustige Stammspieler zur Verfügung. Auch Stürmer Gerrit Fauser, eben noch einer von Deutschlands umjubelten Olympia-Helden, hatte sich kurz nach der Rückkehr mit der Nationalmannschaft im Liga-Alltag verletzt. Er muss an der Schulter operiert werden und fehlt auf der Zielgeraden der Saison.

Zwei Finals in Serie

Dass die Grizzlys erst auf den letzten Drücker ihren direkten Einzug in die Viertelfinal-Play-offs verspielt haben, passt zur gegenwärtigen Gesamtkonstellation des Vereins. Cheftrainer Gross, der am Sonntag nach einem bitteren 0:3 in Schwenningen nicht gerade zum Scherzen aufgelegt war, wechselt nach der Saison zu den Mannheimer Adlern. Seit Anfang Januar bekanntgeworden ist, dass der dienstälteste DEL-Trainer nicht nur eine neue Herausforderung sucht, sondern auch gefunden hat, war Grizzlys-Sportdirektor Karl-Heinz Fliegauf mit einem Umbruch und eigenständigen Planungen beschäftigt. Neue Spieler sichten, neuen Chefcoach finden, eine gute Grundlage für den künftigen Trainer Pekka Tirkkonen schaffen: Es gab viel zu tun, das in der Konzentration auf das Tagesgeschäft gestört haben dürfte. Nun findet man sich wieder in Duellen, die eher zur Magerkost der DEL gehören. Neben Wolfsburg und Schwenningen bestreiten Iserlohn und Bremerhaven das Vorgeplänkel zu den echten Play-off-Partien.

Aus der allgemeinen Gemengelage zu schließen, dass mit den Grizzlys Wolfsburg nicht mehr zu rechnen ist, gehört allerdings zu den beliebten Fehlern der Konkurrenz. Am Ende der Spielzeiten 2015/16 und 2016/17 hatte sich die Mannschaft, die sich zu gerne mit der Rolle des chancenlosen Außenseiters schmückt, bis in das Finale um die deutsche Meisterschaft gearbeitet. Gross lässt traditionell Eishockey mit viel Leidenschaft und wenig Schnörkeln spielen. Aber kurz vor seinem Abschied wird die gewohnte Strategie durch eine ungewohnte Rolle ergänzt.

Im Duell mit Schwenningen, das erstmals seit 22 Jahren wieder an Play-off-Partien in Deutschlands bester Liga teilnehmen darf, sind die Wolfsburger eindeutiger Favorit. Sie müssen gewinnen, um dem für DEL-Verhältnisse ungewöhnlich treuen Gross das einzig sinnvolle Abschiedsgeschenk präsentieren zu können. Die Grizzlys zu verlassen, ohne noch einmal um den Titel mitgespielt zu haben, wäre eine der größten denkbaren Niederlagen für den scheidenden Cheftrainer.

Quelle: F.A.Z.
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