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Überraschung im Eishockey

Warum die Fischtown Pinguins die DEL anführen

Von Bernd Schwickerath
30.09.2022
, 13:43
Nicholas Jensen und die Pinguins Bremerhaven mischen die DEL auf. Bild: picture alliance / Eibner-Pressefoto
Bremerhaven, das Gallische Dorf aus der Eishockeyprovinz, führt die DEL-Tabelle an. Normal ist das nicht. Der Erfolg wird den Pinguins schon selbst unheimlich.

Diesmal würde es Bremerhaven erwischen, am Dienstagabend schienen sie reif. Fünfter Spieltag der Deutschen Eishockey Liga (DEL), die Fischtown Pinguins – so ihr offizieller Name – lagen kurz vor Ende des zweiten Drittels 1:3 zurück. Das ist im Eishockey zwar keine Welt, aber der Gegner aus Iserlohn sah stabil aus. Und es kann ja nicht immer so weitergehen mit der Erfolgsgeschichte der Pinguins.

Doch eine gute Stunde später das gewohnte Bild: Schlusssirene, jubelnde Bremerhavener auf Eis, Bank und Tribünen. Auf dem Videowürfel leuchtete ein 5:3. Und das stand irgendwie stellvertretend für die jüngere Vereinsgeschichte. Auch da heißt es Jahr für Jahr: Diesmal wird es sie erwischen. Aber das passiert dann halt nie.

In den sechs Jahren seit ihrem Aufstieg in die DEL erreichten die Pinguins jedes Jahr die Play-offs, schafften es sogar einmal in die Champions League. Und nun machen sie sich auf, das alles noch mal zu steigern. Fünf Spiele, fünf Siege, nicht die Großklubs aus Bayern, dem Rheinland, Baden-Württemberg oder Berlin führen die DEL-Tabelle an, es ist das Team von der Nordseeküste.

„Machen Sie das bloß nicht zu groß“

Wer bei Alfred Prey anruft und fragt, was da los ist, der hört erst mal Beschwichtigungen. „Machen Sie das bloß nicht zu groß“, sagt der 68-Jährige, der offiziell als „Teammanager“ firmiert. Manche sagen, er ist der Verein. Seit 1992 ist Prey in verschiedenen Funktionen bei den Pinguins tätig. Insgesamt lebt er seit 40 Jahren in der Region, nennt sich einen „assimilierten Norddeutschen“, aber seinen oberpfälzischen Akzent, den hat er immer noch.

Prey ist kein üblicher Entwicklungshelfer aus Bayern, die es in ganz Eishockeydeutschland gibt. Er war nie Profi, sondern als Marine-Offizier in Nordholz stationiert, als er sich Anfang der 1990er-Jahre dem Roll- und Eissport-Verein Bremerhaven anschloss, dem Stammverein der 2001 ausgegliederten Profiabteilung. Jahrelang spielte die in der zweiten, kurz sogar in der dritten Liga. Bis die Hamburg Freezers 2016 den Betrieb einstellten und die Pinguins die DEL-Lizenz übernahmen.

Erst sollte das ein Abenteuer sein, das Gallische Dorf aus der Eishockeyprovinz. Aber schnell wurde mehr daraus. Jetzt steht Bremerhaven sogar ganz oben. „Aber wir haben auch ein bisschen Glück gehabt“, sagt Prey. Insgesamt wird ihm das gerade alles zu viel: „Weil wir jedes Jahr die Play-offs erreicht haben, entsteht eine Stimmung, dass das alltäglich wäre. Aber es kann ja nicht normal sein, dass Bremerhaven vor Köln oder Düsseldorf steht.“

Aktuell ist es das. Weil das zwar selten elegant, aber stets hart und engagiert spielende Team von Trainer Thomas Popiesch über Jahre gewachsen ist und nun in allen Bereichen funktioniert: Torhüter Brandon Maxwell ist mit 1,65 Gegentoren im Schnitt der beste der Liga. Die Abwehr hat sich durch die Transfers von Philip Samuelsson und Nicholas Jensen enorm gesteigert. Und in der Offensive wirbelt wieder der sogenannte „Karawanken-Express“ – die drei erfahrenen Slowenen Jan Urbas, Miha Verlic und Ziga Jeglic, die in den vergangenen Jahren gemeinsam mehr als 500 Scorerpunkte für die Pinguins sammelten.

Was eine gewisse Abhängigkeit mit sich bringt, doch dieses Jahr bekommen sie Unterstützung: Es gab bereits zehn verschiedene Torschützen, intern stehen derzeit Christian Wejse (4) und Alex Friesen (3) oben. „Es ist ein saugutes Gefühl, wenn man weiß, dass nicht die ganze Last auf den drei Slowenen liegt“, sagt Prey, der dennoch skeptisch bleibt: Die Konkurrenz habe so viel investiert, da sei das Saisonziel auch vor dem sechsten Saisonspiel an diesem Freitag zu Hause gegen Schwenningen (19.30 Uhr live bei Magenta Sport) weiter nur Platz zehn und damit die erste Play-off-Runde. „Das wäre gut, dann musst du dir keine Sorgen machen.“ Die macht sich derzeit aber ohnehin nur die Konkurrenz.

Quelle: F.A.Z.
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