Löwen-Stürmer Dylan Wruck

Einer für die erste Liga

Von Jannik Müller
19.10.2021
, 11:46
Dylan Wruck hat bereits drei Tore erzielt und bei acht assistiert.
Das kanadische Trio um Dylan Wruck harmoniert bei den Löwen bestens. Die Frankfurter gewinnen die ersten sechs Saisonspiele in der Liga, auch dank einer hervorragenden Quote in Überzahl.
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Das Einzige, was ihre Fans den Frankfurter Löwen aktuell vorwerfen können, ist, dass bei ihren Spielen selten Spannung aufkommt. Mit zwei deutlichen Siegen bauten sie am vergangenen Wochenende ihre perfekte Bilanz in der DEL2 aus. Mit 5:1 Toren ließ man zunächst am Freitagabend im Heimspiel am Ratsweg den Dresdner Eislöwen keine Chance, es folgte ein 5:2-Sieg bei den Selber Wölfen am Sonntag.

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Nach sechs Spieltagen führen die Löwen die Tabelle in Deutschlands zweithöchster Eishockeyklasse mit 18 Punkten an. Dass sie dabei mit 29 Toren bei nur sieben Gegentreffern sowohl die beste Offensive als auch die beste Defensive stellen, unterstreicht ihre gegenwärtige Dominanz. Ein Grund, weshalb die Löwen aktuell nicht zu stoppen sind, ist ihr Powerplay, also ihr Spiel in Überzahlsituationen. Sitzt ein gegnerischer Spieler eine Zeitstrafe ab, bestrafen sie das mit größter Effektivität – ihre Quote von 32 Prozent ist in der Liga spitze.

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Mit Tempo und Übersicht überspielen sie dann meist die dezimierten Abwehrreihen, am Ende der Kombinationen steht häufig ein Löwen-Angreifer frei vor dem Tor. Einer, der dabei seine Teamkollegen besonders häufig in Szene setzt, ist Neuzugang Dylan Wruck. Der Deutsch-Kanadier kam im Sommer aus Heilbronn an den Main. Dort reifte er in den vergangenen beiden Spielzeiten zu einem der besten Scorer der DEL2. In der Saison 2019/2020 wurde er zum Spieler des Jahres gewählt.

Exzellentes Zusammenspiel

24 Tore und beeindruckende 64 Vorlagen steuerte er in 51 Spielen bei. Man habe ihn wegen seines „starken Scoring-Touch und seiner hohen Qualität im Powerplay“ verpflichtet, sagte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier im Sommer – und der Plan geht bislang voll auf. Elf Scorer-Punkte hat der Flügelstürmer in der jungen Saison schon gesammelt. Er wird damit in der DEL2 nur von Teamkollege Rylan Schwartz übertroffen, der auf zwölf kommt.

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Mit Ryon Moser reiht sich noch ein dritter Löwe in der Scorerliste weit oben ein, er kommt wie Wruck auf elf. Auffällig ist, wie häufig sich die drei gegenseitig ihre Tore auflegen. Das Zusammenspiel funktioniert schon zu Saisonbeginn exzellent, obwohl alle drei im Sommer neu zu den Löwen kamen und ihre gemeinsame Saisonvorbereitung durch Corona-Fälle im Team merklich gekürzt wurde.

Equivalent der Straßenkicker

„Ich glaube, wir haben uns schnell zusammengefunden“, sagt Wruck über das Angriffstrio. Der Grund liegt für ihn in der „speziellen Verbindung“ zwischen den dreien: Alle sind sie in Kanada geboren und haben im eishockeyverrückten Land ihre ersten Schritte auf dem Eis gemacht und ihre Leidenschaft für den Sport entwickelt. „Wir sind ähnlich aufgewachsen“, sagt Wruck. In Kanada wird fast überall dem Puck nachgejagt, jeder zugefrorene See dient als Spielfeld.

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Die drei Stürmer sind womöglich das Equivalent zum Straßenkicker im Fußball. Von Beginn an habe man ein Gefühl füreinander auf dem Eis gehabt, sagt Wruck, ihre Aufgabe sei vor allem, „das Tempo hoch zu halten“. Das gelingt ihnen so gut, dass die Ligakonkurrenz aktuell kaum hinterherkommt.

Wruck würde gerne zurück in die DEL. 2014 wagte er den Sprung aus Kanada in Deutschlands höchste Spielklasse. Nach einem guten ersten Jahr bei den Iserlohn Roosters wurde er zum Liganeuling der Saison gewählt. Auf zwei durchwachsene Spielzeiten in Iserlohn folgten zwei enttäuschende in Köln und Straubing, Wruck wurde aussortiert. Der Neustart folgte eine Liga tiefer in Heilbronn, jetzt hofft er, in Frankfurt ein Zuhause gefunden zu haben.

„Ich liebe die Stadt, die Fans und meine Teamkollegen. Es fühlt sich langsam schon nach Heimat an“, sagt er. Wenn es für ihn und die Löwen so weitergeht, kann er mit ihnen vielleicht schon bald einen neuen Anlauf in der DEL unternehmen. Auf dem Eis zeigt er schon jetzt, wo er eigentlich hingehört: in die erste Liga.

Quelle: F.A.Z.
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