European League of Football

Frankfurt Galaxy im Rausch

Von Johannes Müller
15.08.2022
, 15:00
Alles im Griff: Frankfurt Galaxy zeigt gegen die Vikings ein Spektakel.
Völlig überraschend gewinnt das Frankfurter Footballteam gegen den Favoriten aus Wien. Die Titelverteidigung in der ELF bleibt für Galaxy nach dem Sieg über die Vikings weiter möglich.
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Footballfans mögen Action. Sie sind begeistert, wenn bullige Körper kollidieren. Gleichwohl ist das Regelwerk des Sports komplex und hält die Antithese zur These bereit. Der vollendete Sieg zeichnet sich dadurch aus, dass zuletzt nur noch die Zeit läuft, aber kein Spieler mehr. Der Quarterback eröffnet das Spiel nicht mit einem Pass, er beendet es, indem er das Knie beugt. Wer jetzt zu raufen anfinge, würde vom Schiedsrichter bestraft werden. Das „Abknien“ minimiert die Verletzungsgefahr und das Risiko, doch noch einen Fehler zu machen, wenn schon alles entschieden ist.

Am Sonntagnachmittag kniete Moritz Johannknecht, zweiter Quarterback der Frankfurt Galaxy, beim Stand von 42:8 für seine Mannschaft gegen die Vienna Vikings ab. Es war der antiklimaktische Abschluss eines rauschhaften Spiels in der European League of Football (ELF). Er machte aber deutlich, dass die Frankfurter entgegen jeder realistischen Erwartung ihren Gegnern aus Wien, den Überfliegern dieser Saison, eine Lehrstunde erteilt hatten.

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Galaxy diesmal eine andere Klasse

In acht Spielen zuvor war es keinem Team gelungen, die Vikings zu bezwingen. Auch Galaxy bekam im Hinspiel die Grenzen aufgezeigt, verlor 10:30. Die Wiener, die in dieser Saison neu von der österreichischen zur europäischen Liga gestoßen sind, gelten gleich in ihrem ersten ELF-Jahr als der große Favorit auf den Titelgewinn.

An diesem Tag aber war Frankfurt in allen Belangen eine andere Klasse. Galaxy schien trotz der unheimlichen Qualität des Gegners alles mit Leichtigkeit zu gelingen, was in den vergangenen Wochen oft so mühsam war. Auch hier scheint die Antithese angebracht: Galaxy gelang tatsächlich alles, jedoch nicht trotz, sondern gerade aufgrund der Qualität der Vikings.

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„Wir waren heute zum ersten Mal, seitdem es die Galaxy wieder gibt, der Underdog“, sagte Patrick Griesheimer, der die Galaxy-Offensive koordiniert. Das befreite das Team. Kein Außenstehender habe erwartet, dass Galaxy diese Partie gewinnen würde, allenfalls ein knappes Spiel habe man ihnen zugetraut, „mit Glück“. Es ist die verquere Logik, die im Sport immer wieder greift: Wer scheinbar nichts zu verlieren hat, kann nur gewinnen – und tut das in einigen Fällen auch.

Zumindest für den Moment ist die Leichtigkeit zurück bei Galaxy. Vergangene Saison habe diese das Team noch ausgezeichnet, sagte Griesheimer. In dieser Spielzeit war sie nur noch phasenweise zu erkennen, erdrückend war meist die Last gestiegener Erwartungen nach dem ELF-Titelgewinn im September 2021. Gegen die Vikings, den möglichen zukünftigen Meister, spielte sich Galaxy von Beginn an in einen Rausch. „Die Jungs sind aufs Feld gegangen und haben ihr Ding gemacht und es war völlig wurscht, was ich für Plays aufrufe“, sagte Griesheimer.

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An dieser Stelle schaltete sich in der Pressekonferenz nach dem überraschenden Kantersieg auch Cheftrainer Thomas Kösling ein, neben dem Griesheimer auf dem Podium saß. „Er ist schon gut“, sagte Kösling mit einem Grinsen über seinen Offensivkoordinator. Es war ein seltener Ausdruck der Gelassenheit in Köslings Miene, der nach Spielen vor allem geschafft aussieht. Spieltage sind schließlich nicht zur Erholung gedacht, zumindest nicht für Footballtrainer. Was in Kösling vor sich geht, kehrt sich optisch nicht nach außen. Wenn er spricht, ist er dagegen klar. Dieses Spiel sei für ihn und seine Mannschaft etwas Besonderes gewesen. „Wir wussten, dass wir ein Statement setzen können.“

Schon der Last-Minute-Sieg in Breslau vor zwei Wochen – nach zwischenzeitlichem 20-Punkte-Rückstand – habe Auftrieb gegeben, sagte Kösling. Nur habe man das von seinem Team auch erwartet: „Gegen Wroclaw müssen sie ja gewinnen.“ Der Sieg gegen die Vikings war nun unerwartet und schmeckte dem Cheftrainer und seinen Spielern umso süßer.

Nur ist dieser Sieg erst dann etwas wert, wenn die letzten drei Spiele der regulären Saison ebenfalls gewonnen werden. Galaxy steht aktuell bei sechs Siegen und drei Niederlagen, die Teilnahme an den Play-offs als bester Zweiter der drei Conferences ist noch aus eigener Kraft erreichbar. Am kommenden Sonntag spielt Galaxy letztmals auswärts gegen Rhein Fire in Duisburg. Der Rivale, mit dem sich die Galaxy einst auch in der NFL-Europe packende Duelle lieferte, hat mit fünf Siegen und vier Niederlagen auch noch eine minimale Chance auf die Play-off-Teilnahme.

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Sollte sich die Galaxy gegen Rhein Fire durchsetzen, folgte das dann wohl entscheidende Duell gegen die Raiders Tirol im Stadion am Bornheimer Hang. Ein weiterer Erfolg in dieser Partie dürfte die Tür zum ELF-Halbfinale weit aufstoßen, wenngleich Ligakonkurrent Berlin Thunder ebenfalls noch bester Zweiter des Klassements werden könnte.

Der Wiener Trainer Chris Calaycay rechnet jedenfalls damit, dass seine Mannschaft in dieser Saison noch einmal auf Galaxy treffen wird, „dann aber in Wien“. Ein mögliches Halbfinale der topgesetzten Vikings und der dann auf Rang vier platzierten Galaxy würde in der österreichischen Hauptstadt ausgetragen. Man wird das Gefühl nicht los, dass Calaycay Galaxy die Daumen drücken wird in den kommenden Wochen. Nun, da es gilt, gegen Galaxy etwas gut zu machen.

Quelle: F.A.Z.
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