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Frauen-Volleyball-Pokalfinale

Es muss immer weiter gehen

Von Achim Dreis, Mannheim
Aktualisiert am 16.02.2020
 - 19:39
Antreiberin: Stuttgarts Spielerin Krystal Rivers (Mitte)
Der MTV Stuttgart verliert denkbar knapp gegen den Dresdner SC im Volleyball-Pokalfinale. Dennoch gehen die Blicke nach vorne. Das hat vor allem mit zwei Spielerinnen des MTV zu tun.

Als am Abend vor dem Pokal-Endspiel zwischen dem MTV Stuttgart und dem Dresdner SC in der SAP-Arena der „blaue Teppich“ ausgerollt wurde, trat Pia Kästner im „kleinen Schwarzen“ ins Scheinwerferlicht. Die Stuttgarter Zuspielerin nahm bei der Volleyball-Gala stellvertretend für ihre Teamkolleginnen die Auszeichnung mit dem „Goldenen Händchen“ entgegen.

Preisgekrönt wurde natürlich nicht vorausschauend die tränenreiche Stuttgarter 2:3-Niederlage (19:25, 25:20, 25:21, 26:28, 15:17) nach fünf vergebenen Matchbällen im spektakulären Finale vor 10.689 begeisterten Zuschauern in Mannheim an diesem Sonntag, sondern ein außergewöhnlicher Ballwechsel aus dem Halbfinale gegen den SSC Schwerin vom Dezember. Eine Rally, wie es im Jargon heißt, wenn Schmetterschläge und Rettungsaktionen auf beiden Seiten dem Publikum beim Zuschauen den Atem nimmt, ehe der Ball endlich zu Boden fällt. In diesem Fall war es sogar der Matchball – und den hatte seinerzeit Stuttgart dank ihrer Spitzenangreiferin Krystel Rivers verwandelt.

Mit Rückenspezialisten an Comeback gefeilt

Für Pia Kästner war es ein netter Moment, die Trophäe in Empfang zu nehmen, schließlich kann ein „goldenes Händchen“ in ihrer Position spielentscheidend sein. Dass sie als einzige Spielerin zu diesem Zeitpunkt aber noch auf der Party weilte und nicht im Hotel – wie ihre Teamkolleginnen, die zuvor ebenfalls in eleganter Abendgarderobe aufgetaucht waren, zeigte aber schon die Besonderheit ihrer persönlichen Lage. Die 21-Jährige hatte in dieser Saison „eigentlich noch gar nicht richtig mitgespielt.“ Und auch im Pokalfinale an diesem Sonntag konnte sie nicht mitwirken. Nach dem strapaziösen Sommer mit dem EM-Turnier als Höhepunkt war bei der Jung-Nationalspielerin Osteochondrose festgestellt worden, eine Verschleißerkrankung an der Wirbelsäule. Stuttgarts Sportdirektorin Kim Renkema hatte damals den Verband wegen der Belastungen auf dem Rücken der Spielerin scharf kritisiert, der jedoch den Vorwurf der mangelnden Verantwortung zurückwies.

Einstweilen muss Pia Kästner weiter mit einem Rückenspezialisten an ihrem Comeback feilen, während an ihrer Stelle die Amerikaner Ainise Havili auf dem Feld für den MTV die Strippen zieht. Im Finale gelang dies der 23-Jährigen leidlich gut. Die extrem knappe Niederlage für den deutsche Meister aus dem Schwabenland konnte sie nach 2:15 Stunden aber auch nicht verhindern – stattdessen gewann Dresden zum sechsten Mal den deutschen Cup.

Lange sah es nach dem vierten Stuttgarter Erfolg aus, vor allem dank Krystel Rivers, die alleine 35 von 79 direkten Stuttgarter Punkten erzielte. Deren persönliche Geschichte mutet wie eine Cinderella-Story der verschärften Version an, die trotz der Niederlage letztlich nicht nur Pia Kästner Mut machen sollte. Die dunkelhäutige Amerikanerin war in Birmingham im Bundesstaat Alabama vor 25 Jahren mit dem sogenannten Tethered-Spinal-Cord-Syndrom zur Welt gekommen. Ihre Wirbelsäule war versteift, die Bauchdecke offen, einige Knochen deformiert. Noch als Baby musste die kleine Krystal mehrfach operiert, beide Hüftgelenke gebrochen und neu justiert werden. Obwohl sie bis zum 15. Geburtstag zwanzig Operationen hinter sich bringen musste, gab sie ihren Traum, Sport zu treiben, dennoch nie auf. Als Krystel Rivers 19 war, schlug auch noch eine Krebserkrankung zu – sie aber nicht nieder. Ihre Lymphknoten waren befallen – ein halbes Jahr Chemotherapie erwies sich als erfolgreich.

Heute besticht die 1,80 Meter große Amerikanerin durch herausragende Athletik und Sprungkraft sowie einen außergewöhnlich muskulösen Körperbau – den sie sich antrainierte, um ihre fragile Grundsubstanz zu stützen. Vor dem Pokalfinale war dennoch fraglich, ob sie spielen könnte, denn die schlagkräftige Rechtshänderin plagten Rückenschmerzen. Erst am vergangenen Mittwoch beim 3:0 der Stuttgarterinnen gegen Straubing in der Bundesliga hatte sie nach mehrwöchiger Verletzungspause ihr Comeback geben können. Im Finale zeigte sie sich dann in Bestform –und das nicht nur im Angriff, sondern bisweilen auch in der Feldabwehr, wofür Diagonalangreiferinnen gar nicht zuständig sind. Folgerichtig wurde sie zu wertvollsten Spielerin gewählt, auch wenn selbst sie einen Matchball vergab. Am Ende des Matches, das etliche preiswürdige Rallys bot, jubelte Dresden. Doch auch Krystal Rivers konnte stolz sein - lebt sie doch ihr Motto: „Keep going“ – es muss immer weitergehen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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