Galopp-Rennbahn in Baden

Feuerprobe bestanden

Von Peter Mühlfeit
15.10.2021
, 08:45
Galopprennbahn in Iffezheim: Bild von einem Rennen im September 2020
Die Galopprennbahn Baden-Baden-Iffezheim schafft den Neustart und hat mittlerweile auch ein berühmtes Kind. Im nächsten Jahr sind die Pläne noch größer. Hierfür sucht man nach einem neuen Partner.
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Die Werbung könnte nicht besser sein: Auf der Herbstauktion in Iffezheim kann man sogar Arc-Sieger kaufen! Vor drei Jahren wurde hier der inzwischen vierjährige Hengst Torquator Tasso für 24 000 Euro vom Gestüt Auenquelle ersteigert – Anfang des Monats gewann er den millionenschweren Prix de l’Arc de Triomphe in Paris. Mitbesitzer ist Karl-Dieter Ellerbracke, seines Zeichens auch Präsident der Baden-Badener Auktionsgesellschaft BBAG. An diesem Freitag und Samstag kommen wieder rund 350 Vollblüter in den Ring, die BBAG Herbstauktion ist wichtiger Bestandteil des Oktober-Meetings auf der Galopprennbahn Baden-Baden-Iffezheim mit dem etwas sperrigen Namen Sales & Racing Festival.

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Die BBAG gehört aber auch zu den entscheidenden Puzzlesteinen, die den Neustart der Rennbahn in diesem Jahr ermöglicht haben. Nach dem Rückzug von Baden Racing war im April Baden Galopp angetreten – unter der Federführung der Mannheimer Peter Gaul als Mehrheitsgesellschafter und Stephan Buchner als Geschäftsführer, aber auch regional stark verwurzelt mit der BBAG, privaten Investoren und einem Förderverein als Gesellschafter.

„Wir sitzen entspannter hier, weil wir gezeigt haben, dass es funktioniert“, sagte der Unternehmer Gaul zum Auftakt des Herbst-Meetings. Unkenrufe habe es zuvor viele gegeben. Die Feuerprobe hat Baden Galopp mit Bravour bestanden. Die auf vier Renntage verkürzte Große Woche brachte nach zehnmonatiger Rennpause einen Wettumsatz von 2,56 Millionen Euro. „Das hat unsere Erwartungen übertroffen“, so Ge­schäfts­führer Buchner. Für die kommenden zwei Renntage rechnet er mit rund 600.000 Euro Umsatz und bis zu 5000 Besuchern am Sonntag.

„Die Bahn ist unser Aushängeschild“

Aus sportlicher Sicht stehen zwei Rennen für die Youngster im Mittelpunkt: an diesem Freitag das mit 200.000 Euro fürstlich dotierte Ferdinand Leisten Memorial. Es ist ein Auktionsrennen über 1400 Meter, teilnehmen darf nur, wer als Jährling zum Kauf bei einer BBAG-Auktion angeboten wurde. Aufgrund dieser Einschränkung hat das Rennen trotz der hohen Dotierung keinen für die Zucht so wichtigen Gruppe-Status – im Gegensatz zum Preis der Winterkönigin am Sonntag, eine mit 105.000 Euro dotierte Gruppe-III-Prüfung über 1600 Meter nur für zweijährige Stuten. Insgesamt werden 17 Rennen an den beiden Tagen ausgetragen, mit einem Preisgeldvolumen von rund 450.000 Euro. In der Galoppwelt hat man den Neustart von Baden Galopp mit Erleichterung aufgenommen. „Wir sind froh, dass in Iffezheim wieder Rennen veranstaltet werden, die Bahn ist unser Aushängeschild“, sagt Verbandsgeschäftsführer Daniel Krüger.

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Die Region sei wieder eingebunden, und man habe gemerkt, dass „den Menschen die Rennen gefehlt haben“. Ähnlich begeistert war die Stimmung allerdings auch 2010, als Baden Racing vom insolventen Internationalen Club übernommen hatte, es aber in den folgenden Jahren nicht schaffte, sportlich hohe Ansprüche mit Wirtschaftlichkeit zu verbinden. Stattdessen mussten die damaligen Betreiber nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Euro in einem Jahrzehnt zuschießen. Baden Galopp will es nun besser machen. „Wir wissen, dass dies erst der Anfang und kein Selbstläufer ist“, sagt der 54-jährige Buchner. „Vor dem Start der Großen Woche waren wir wirklich nervös, aber das Team hat großartige Arbeit geleistet.“

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Die Suche nach einem neuen Partner

Im kommenden Jahr will Baden Galopp wieder drei Meetings anbieten: im Mai ein Frühjahrs-Meeting, die Große Woche Ende August mit fünf Renntagen und das zweitägige Oktober-Meeting. Sportliche Abstriche soll es keine geben – insgesamt zwölf Gruppe-Rennen sind geplant, so viele wie bei keinem anderen Veranstalter in Deutschland. Neben den Galoppmeetings ist man bestrebt, die Auslastung der Rennbahn zu erhöhen. Zum einen über die Trainingsanlage. „Aktuell sind rund 130 Pferde hier im Training, Ziel ist es, bis zu 200 Vollblüter hier zu haben.“ Zum anderen über Drittveranstaltungen.

Geplant sind für 2022 mehrere größere Events, zum Beispiel eine zweiwöchige Genussmesse im April. Buchner schränkt aber ein: „Der Galoppsport ist unser Kerngeschäft. Wenn wir zehn Prozent der Gesamtfinanzierung über Drittveranstaltungen schaffen, ist das gut.“ Ziel sei es, im kommenden Jahr die Rennpreise wieder auf Vor-Corona-Niveau anzuheben. Das Flaggschiff, der Große Preis von Baden, der im kommenden Jahr zum 150. Mal ausgetragen wird, soll in altem Glanz erstrahlen. Dafür braucht es aber vermutlich einen neuen Partner. Der werbeträchtige Sieg von Torquator Tasso, der vor Paris in Iffezheim gewann, könnte die Suche etwas leichter machen.

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Quelle: F.A.Z.
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