Football in Frankfurt

Eine Stadt, zwei Universen

Von Leonhard Kazda
10.09.2021
, 22:30
Freude am Bornheimer Hang: Frankfurt Galaxy besiegt die Panthers Wroclaw
Seit dem Sommer spielen zwei American-Football-Klubs in Frankfurt. Während die Galaxy in der neugeschaffenen ELF sehr erfolgreich ist, hat Universe einen Niedergang hinter sich mit etlichen Problemen.

Es ist ein ungleiches Rennen mit vorhersehbarem Ausgang: Frankfurt Universe gegen Frankfurt Galaxy – zwei American-Football-Klubs in einer Stadt. Beide Teams liegen Lichtjahre auseinander. Der eine Klub, Galaxy, entstand erst in diesem Jahr und ist Teil der European League of Football (ELF) – einer Art Supernova dieser Sportart. Sie formierte sich, als die German Football League, in der Universe antritt, in ihren Möglichkeiten und Modernisierungsversuchen überfordert wirkte.

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Die ELF ist eine Art Kunstprodukt des Sports und auf ihre Präsenz im Free-TV orientiert. Gegründet haben sie der Fernseh-Entertainer und Football-Fachmann Patrick Esume, der als Commissioner der Liga auftritt, und der Medienunternehmer Zeljko Karajica. Live gesendet wird auf ProSieben Maxx und auf ran.de. Für Spieler, Trainer und Sponsoren war dies von Anfang an ein zugkräftiges Argument, sich in dieser Liga zu engagieren – und eben nicht mehr in der GFL.

In Frankfurt wechselte daher das gesamte Team von Universe zu Galaxy. Der einstige Mäzen und Geschäftsführer von Universe, Alexander Korosek, organisierte diesen radikalen Umbruch und holte Spieler, Trainer und die komplette Infrastruktur zum ELF-Klub. Den bei den Fans überaus respektierten Namen Galaxy sicherte sich das Frankfurter Franchise bei der National Football League (NFL), bei der die Namensrechte liegen. So firmiert der neue Klub quasi als Nachfolger jenes Teams, das in der 2007 geschlossenen NFL Europe das erfolgreichste war.

In neuen Galaxien

Mit diesen alten Zeiten hat die neue Galaxy zwar nichts zu tun. Zumal der damalige Klub mit vielen Profis aus der NFL spielte und die neue Mannschaft in der ELF nur unter „professionalisierten“ Bedingungen antritt. Gut spielen die Frankfurter trotzdem. Sehr gut sogar. An diesem Samstag (14.45 Uhr) treffen sie im Stadion am Bornheimer Hang im Play-off-Halbfinale auf die Cologne Centurions und scheinen auf direktem Kurs ins Endspiel um den Titel der ELF zu sein, das am 26. September in Düsseldorf ausgetragen wird.

Bei Universe sieht es ganz anders aus. Nach dem Exodus des Teams zu Galaxy musste die Klubführung in Rekordzeit eine komplett neue Erstligamannschaft aufstellen. Nun gehen für die Frankfurter bis auf wenige Ausnahmen nur dritt- und viertklassige Spieler auf die Jagd nach dem Lederei. Die Lizenz für die höchste deutsche Spielklasse hatte der Klub noch – also versuchen die zumeist jungen und unerfahrenen Männer ihr Bestes, gegen die viel besser ausgestattete Konkurrenz halbwegs zu bestehen. Ein Sieg ist dem Team in dieser Saison gelungen, ob es in der Relegation um den Klassenverbleib kämpfen muss, entscheiden die kommenden Tage.

Dass Galaxy in der ELF so erfolgreich ist, liegt auch an der Tatsache, dass das gut funktionierende Sportsystem von Universe zum neuen Klub transferiert wurde. „Wir sind aus einem Topteam der GFL entstanden“, sagt Galaxy-Cheftrainer Thomas Kösling. Der Polizeibeamte war auch Headcoach von Universe und ist inzwischen einer der profiliertesten Trainer in Deutschland – wenn nicht sogar in Europa. Wer sich Football erklären lassen will, der sollte am besten Kösling fragen. So klar wie er können nur wenige Menschen Verständnis für die Sportart vermitteln.

Es gab schon bessere Zeiten für Frankfurt Universe.
Es gab schon bessere Zeiten für Frankfurt Universe. Bild: Picture-Alliance

Doch der beste Trainer ist ohne ein gutes Team noch lange nicht auf dem Weg zum Erfolg. Kösling sieht den Grund für den galaktischen Höhenflug in der Ausgeglichenheit seiner Mannschaft. „Das ist vermutlich das kompletteste Team, das ich je hatte“, sagt er. Spitzenkräfte, wohin man schaut. Und verletzt sich einmal einer, dann sind die Ersatzspieler von derart hoher Qualität, dass auch starke Gegner bezwingbar sind.

So etwa geschehen, als im Spiel der Galaxy bei den Breslau Panthers gleich zwei der insgesamt vier amerikanischen Topkräfte verletzt ausfielen: Defensive Back Omari Williams und Running Back Gennadiy Adams. Köslings Team siegte dennoch 36:7 – und dies gegen eine Mannschaft, die neben den Hamburg Sea Devils und Galaxy als einer der heißen Kandidaten auf einen Platz im Finale galt.

Hinzu kommt eine beachtliche Stabilität auf der Position des Spielmachers. Der Amerikaner Jakeb Sullivan kann sehenswerte Pässe werfen. „Und wir haben gleich sieben Receiver, die sehr erfolgreich fangen und punkten“, sagt Kösling. Sullivan läuft, wenn es darauf ankommt, selbst mit dem Ball in der Hand. Auch in der Abwehr können die Frankfurter auf ein stabiles Konstrukt bauen. „Wir haben acht, neun Topspieler der Liga in unserer Defense“, sagt Kösling. „Die Jungs bewegen sich auf einem extrem hohen Niveau.“

Sinkender Stern

Solche Höhenflüge sind bei Universe nicht denkbar. Ende Juli trennte sich der Klub von Cheftrainer Mele Mosqueda. Der Amerikaner sei „etwas überfordert mit den vielen Dingen, um die sich ein Headcoach zu kümmern hat“, gewesen, sagt Universe-Geschäftsführer Daniel Zeidler. Jetzt leitet Defense Coordinator Sean Averhoff das Training. Um den Job werden ihn in der höchsten deutschen Liga nur wenige beneiden.

Bei Universe begnügt sich Averhoff angesichts der Jugend und Unerfahrenheit seines Teams mit kleinen Schritten. Zarte Lichtblicke im sonst finsteren Football-Universum bietet beispielsweise das Zusammenspiel zwischen Quarterback Glen Cuiellette und Wide Receiver Brandon Butler. Zudem verfügen die Hessen mit Quarderman Sloan über einen wuchtigen Running Back. Alle drei sind Spieler, die in fast jedem anderen Team der GFL eine gute Figur machen würden. Doch Averhoff macht sich nichts vor. Höchstens noch zwei weitere Spieler werden höheren Anforderungen gerecht.

Inzwischen ist Universe, der sinkende Stern der GFL, auf der Suche nach Spiel- und Trainingsmöglichkeiten für die kommende Saison. „Im Stadion am Bornheimer Hang werden wir nicht bleiben können, das ist mit nur 300 Zuschauern kaum denkbar“, sagt Zeidler, dessen Klub nur finanziell überleben kann, weil er Corona-Beihilfen bekommt. Nun verhandelt Zeidler unter anderem mit Rüsselsheim, wo Universe im Stadion am Sommerdamm spielen könnte.

Galaxy, der strahlende Stern am ELF-Himmel, plant da ganz anders. Das Stadion am Bornheimer Hang ist für Köslings Team die kleine Bühne. Wenn die Pandemie einmal nicht mehr die Zuschauerzahlen diktiert, soll die Mannschaft vor großem Publikum spielen: in der Frankfurter WM-Arena.

Quelle: F.A.Z.
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