FAZ plus ArtikelGleichberechtigung im Boxen

„Das muss man wollen“

Von Hans-Joachim Leyenberg
Aktualisiert am 24.05.2020
 - 12:47
Regina Halmich (links) 2005 bei der WIBF Weltmeisterschaft
Vor 25 Jahren erkämpfte die Theologie-Studentin Ulrike Heitmüller Frauen das Recht auf Boxen. Was ist seitdem in dem Sport für Frauen passiert?

Vor 25 Jahren hat eine Riege von kampferprobten Männern vor dem Enthusiasmus, der Geduld und den Argumenten einer jungen Frau kapituliert. Nach einem knapp sechzehn Monate langen zähen Ringen war Ulrike Heitmüller am Ziel. Ihrem Antrag, Frauenwettkämpfe unter dem Dach des damaligen Deutschen Amateurbox-Verbands (DABV) in die Satzung aufzunehmen und damit zu erlauben, wurde stattgegeben. Die formale Gleichberechtigung der Geschlechter im Ring war vollzogen. Das Votum der Delegierten beim Kongress des DABV in einem stickigen Duisburger Versammlungslokal: 337 Ja-, 269 Neinstimmen, 37 Enthaltungen.

Die Fünfundzwanzigjährige hatte einen Punktsieg gelandet, den sie ihrer kopfgesteuerten Strategie zu verdanken hatte. Der damalige DABV-Präsident Kurt Maurath, ein pensionierter Pädagoge von der Schwäbischen Alb, erklärte sein Einverständnis zur Glaubenssache: „Wenn schon eine Theologiestudentin sich hinstellt und sagt, Boxen ist ungefährlich, dann glaubt man das.“ Argumentativ war Ulrike Heitmüller schwerlich beizukommen. Wenn schon boxen, dann aber richtig. Nicht L’art pour l’art im Verein oder Studio, sondern frontal, direkt, mit Punktrichtern. Im Vergleich zu Schwangerschaft und Geburt seien ein Veilchen, Nasenbluten und die schlechte Laune nach einem verlorenen Kampf „nichts“ – so Heitmüller.

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Quelle: F.A.Z.
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