Nach schwerem Autounfall

Tiger Woods und das Muster aus Triumph und Crash

Von Wolfgang Scheffler
24.02.2021
, 18:01
So genial wie fehlbar: Golf-Superstar Tiger Woods
Tiger Woods ist nach seinem schweren Autounfall bei Bewusstsein. Seine Zukunft aber ist völlig ungewiss. Immerhin hat Barack Obama eine hoffnungsvolle Botschaft.

Es scheint wie ein Muster: So großzügig die Natur Tiger Woods mit Talent versah, mit dem er die Golfwelt dominierte wie kein anderer Profi, so heftig werfen ihn Fehltritte, Verletzungen und Operationen immer wieder aus der Bahn. Noch am Sonntag hatte der amerikanische Fernsehreporter Jim Nantz versucht, seinem 45 Jahre alten Landsmann bei der Fernsehübertragung des Genesis Invitational in Pacific Palisades (Kalifornien) zu entlocken, wann er nach seinem fünften Eingriff am Rücken am 23. Dezember wieder Golf spielen und an Turnieren teilnehmen werde. Woods blieb vage.

Für die nächsten Monate, vielleicht für das ganze Jahr, ist die Frage nun beantwortet. Für die größte Zugnummer des Golfs geht es nach seinem schweren Verkehrsunfall in einem feinen Vorort von Los Angeles am Dienstagmorgen in den nächsten Monaten wohl erst einmal um etwas ganz anderes: Wird er nach der schweren Verletzung seines rechten Beins wieder ohne Einschränkungen gehen und ein normales Leben führen können?

Der SUV überschlug sich mehrmals

Schon 15 Stunden nach dem Unfall veröffentlichte sein Management ein Bulletin der behandelnden Ärzte. Laut Anish Mahajan, dem ärztlichen Direktor des Harbor-UCLA Medical Center, erlitt der Superstar am rechten Bein mehrere offene Trümmerbrüche am oberen und unteren Teil des Schien- und Wadenbeins, die in einer Notoperation durch einen Stab stabilisiert wurden.

Außerdem wurden weitere Knochenverletzungen am Fuß und Knöchel mit Schrauben und Pins fixiert. Zudem musste wegen Verletzungen von Muskeln und Weichteilen der durch die Schwellungen verursachte Druck chirurgisch verringert werden. Am Ende gab es wenigstens eine gute Nachricht: Woods sei wach, ansprechbar und erhole sich in seinem Krankenhauszimmer. Weitere Informationen zum Zustand des Patienten soll es in nächster Zeit nicht geben.

Der Verkehrsunfall ereignete sich um sieben Uhr auf einer abschüssigen, kurvigen Straße rund 45 Kilometer südlich des Stadtzentrums von Los Angeles. Woods war auf dem Weg, für seinen Vertragspartner, den Streamingdienst GolfTV, Videos im Rolling Hills Country Club aufzunehmen. Wie am Vortag sollte er prominenten Schauspielern und Sportlern auf einer Golfrunde Tipps geben. Doch die Promis warteten vergeblich auf Woods. Sie erfuhren schnell auf Twitter, dass Woods in einen schweren Unfall verwickelt war.

Der SUV prallte ohne Beteiligung eines anderen Fahrzeugs auf der gegenüberliegenden Seite der Straße auf den Bordstein, dann an einen Baum und überschlug sich mehrmals. Schließlich landete das Auto mehr als hundert Meter entfernt äußerlich total demoliert auf der Fahrerseite. Nur wenige Minuten später erreichten die durch einen Nachbarn alarmierte Polizei und Feuerwehr den Unfallort. Mit einem Brecheisen und einer Axt zertrümmerte die Feuerwehr die Windschutzscheibe und zog Woods aus dem Auto.

Aus diesem Autowrack wurde Tiger Woods geborgen.
Aus diesem Autowrack wurde Tiger Woods geborgen. Bild: AFP

Alex Villanueva vom Los Angeles Sheriffs Department sagte bei einer Pressekonferenz, es komme einem Wunder gleich, dass Woods überlebt habe: „Wir erleben Unfälle mit weniger Schäden am Fahrzeug, die tödlich verlaufen.“ Da Woods angeschnallt gewesen sei, sich alle Airbags geöffnet hätten, habe Woods den Puffer gehabt, um den Unfall zu überleben.

Der Polizist Carlos Gonzales, der als Erster am Unfallort angekommen war, berichtete, dass Woods auf seine Fragen, wer und wo er sei, ganz klar geantwortet habe: „Er sagte, er sei Tiger, dann habe ich ihn sofort erkannt. Mr. Woods war unglaublich ruhig, vermutlich weil er einen Schock erlitten hatte.“

Die Beamten hätten nach dem Unfall sofort nach Spuren gesucht, ob Alkohol oder Drogen an dem Unfall beteiligt gewesen seien, aber dafür keine Anhaltspunkte gefunden. Gonzales sagte, auf dieser Straße ertappe er oft Verkehrssünder, die mit mehr als 80 Meilen (129 Kilometer) in der Stunde, weit über dem Tempolimit von 45 Meilen (62 Kilometer) unterwegs seien. Warum Woods die Kontrolle über seinen Wagen verlor, konnte zunächst nicht geklärt werden. Es gab keine Bremsspuren. Die Offiziellen vermuteten, dass auch Woods an diesem „trouble spot“ zu schnell fuhr.

Der Unfall von Woods löste eine Welle von Mitgefühl und Genesungswünschen aus. Der Weltranglistendritte Justin Thomas kämpfte bei einer Pressekonferenz für das am Donnerstag beginnende WGC-Turnier in Orlando mit den Tränen: „Mir dreht sich der Magen um. Es schmerzt, wenn einer deiner engsten Freunde in einen Unfall verwickelt ist.“ Die hoffnungsvollste Botschaft kommt vom ehemaligen Präsidenten Barack Obama, einem begeisterten Hobbygolfer: „Wenn ich etwas über die letzten Jahre gelernt habe, dann, Tiger niemals abzuschreiben.“

Quelle: F.A.Z.
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