Golfstar Louis Oosthuizen

Der ewige Zweite gibt Rätsel auf

Von Wolfgang Scheffler
24.06.2021
, 11:30
Immer nur Zweiter zu werden macht keinen Spaß: Louis Oosthuizen
Louis Oosthuizen entwickelte sich im Lauf der Jahre im Golf zu einem der Publikumslieblinge. Bei den Majors landet er oft nur auf Platz zwei. Die Enttäuschung beim Südafrikaner ist groß.

Zumindest wenn man auf die Weltrangliste schaut, gilt Lodewicus Theodorus „Louis“ Oosthuizen als der große Favorit. Von Donnerstag bis Sonntag findet in Eichenried vor den Toren Münchens die BMW International Open statt – vor 400 geladenen Zuschauern. Mehr ließ der Landkreis Erding nicht zu. Als Zwölfter wird Oosthuizen, der 38 Jahre alte Südafrikaner, zwei Plätze höher eingestuft als der 23 Jahre alte Norweger Viktor Hovland. Beide liegen damit weit vor dem besten Deutschen, dem Rheinländer Martin Kaymer (99), der bei diesem Turnier der European Tour 2008 den bisher einzigen Heimsieg feierte.

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Alle drei gehörten aber zu den Spielern, die der Titelsponsor nach den US Open mit einem Charterflug von San Diego nach München einfliegen ließ. Doch im Gegensatz zu dem skandinavischen Supertalent oder Kaymer, den der irische Ryder-Cup-Kapitän Pádraig Harrington in Eichenried zu einem der vier Vizekapitäne berief, musste Oosthuizen vor dem Turnier nicht zu der obligatorischen Pressekonferenz erscheinen. Die Veranstalter wollten ihm wohl ersparen, dass er noch einmal erklären muss, warum er schon wieder bei einem Major nur auf dem zweiten Rang landete, nach der PGA Championship im Mai gar zum zweiten Mal in Serie.

Oosthuizen hat sich im Lauf der Jahre zu einem der Publikumslieblinge entwickelt. Die Fans bewundern, wie elegant der 38 Jahre alte Südafrikaner die Golfschläger schwingt, eine Bewegung wie aus dem Lehrbuch: mit scheinbar müheloser Power, ästhetisch, perfekt im Timing und im Rhythmus. Dazu ist der Profi mit Zweitwohnsitz in Florida in diesem Jahr auf der amerikanischen PGA Tour auch noch statistisch der beste Putter.

„Das ist frustrierend“

Dennoch gibt er Rätsel auf. Er hat zwar auf seiner Heimattour, der Sunshine Tour in Südafrika, fünfmal und auf der European Tour neunmal gewonnen. Aber warum kann ein Mann, der über diese Gaben verfügt, nach seinem Erfolg bei den British Open vor elf Jahren in St Andrews (Schottland) einfach kein zweites Major gewinnen? Warum ist er von den neun Spielern, die den „Silver Slam“ vollendeten, also zweite Plätze bei den wichtigsten Turnieren belegten, der einzige, der nur ein einziges Mal die Trophäe hochhielt?

„Ich bin wieder Zweiter. Das ist frustrierend, enttäuschend. Ich habe gut gespielt, aber nicht gut genug“, sagte Oosthuizen, der am Sonntag auf dem vorletzten Loch alle Siegchancen bei den US Open verspielt hatte. Nach spektakulären Birdies auf den beiden Schlusslöchern lag der Spanier Jon Rahm am Ende einen Schlag vor Oosthuizen. Wie schon bei der PGA Championship im Mai, als er hinter dem Amerikaner Phil Mickelson den geteilten zweiten Platz belegte, warfen den Südafrikaner unerwartete und für ihn ungewohnte Patzer zurück.

In Torrey Pines verzog er am 17. Loch, einem der leichtesten und kürzesten des South Courses, den Abschlag nach links in einen Canyon und verbuchte mit einem Strafschlag ein Bogey – obwohl rechts der Spielbahn jede Menge Platz vorhanden war. Auch wenige Wochen zuvor in Kiawah Island war sein Abschlag am 12. Loch in einem Hindernis gelandet, und der bis dahin so souverän wirkende Oosthuizen fiel durch das Doppelbogey zurück.

Seine Major-Bilanz weist nun schon den sechsten zweiten Platz aus. Von den derzeit aktiven Profis haben sich nur Tiger Woods (siebenmal) und Mickelson (elfmal) häufiger bei den Saisonhöhepunkten mit dem Platz des „Runner-up“ begnügen müssen. Aber Woods (15 Major-Siege) und Mickelson (6) haben dafür auch etliche Trophäen mit nach Hause genommen.

Und noch etwas erscheint unerklärlich: Oosthuizen kann einfach nicht in Amerika gewinnen. Der Sieg bei den British Open in St Andrews (Schottland) 2010, die sowohl zur European als auch zur PGA Tour zählen, ist bisher sein einziger Erfolg auf der wichtigsten Turnierserie der Welt. In diesem Jahr war er im Team mit seinem Landsmann Charl Schwartzel schon einmal nahe am ersten Erfolg in den Vereinigten Staaten. Aber die beiden unterlagen Ende April im Stechen in New Orleans bei der Zurich Classic den Australiern Marc Leishman und Cameron Smith. Oosthuizen war also wieder einmal Zweiter.

Quelle: F.A.Z.
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