Platzreife im Golf

Die Lizenz zum Wagenschieben

Von Michael Eder
20.07.2021
, 10:59
Nur wer die Platzreife hat, darf in Deutschland Golf spielen auf dem Platz.
Golf! Was für ein Sport! Ein Wahnsinnsding, jeder Schlag ein Mirakel, eine enorme Herausforderung, quasi Psychosport. Wäre da nicht die Platzreife. Eine Glosse.

Das Alter, so viel ist bekannt, hält Zipperlein bereit. Arthrose, Rücken, Hüfte, Knie, um nur einiges zu nennen. Und Golf natürlich. Ich weiß, ich weiß, ein Wahnsinnsding, jeder Schlag ein Mirakel, enorme Herausforderung, quasi Psychosport. Nun, ich war bereit für diese neue Bewegungsform, die man so leicht unterschätzt, wenn man die Damen und Herren ihre Wägelchen vor sich her schieben sieht.

Mit meiner Frau und einer ihrer Freundinnen im Golfclub einen Gruppenkurs gebucht zur Erlangung der Platzreife. Platzreife, das zur Erklärung, falls Sie Golf-Laie sind, berechtigt den Platzreifen, in Deutschland auf einem Golfplatz Golf zu spielen. Jetzt werden Sie als Laie fragen: Ja, warum darf das denn nicht jeder? Ein Wägelchen durch die Landschaft schieben und ein paar Bälle schlagen, dafür braucht es doch keinen Olympiasieg in Feinmotorik. Dachte ich auch, aber so einfach ist das nicht.

Wir also zum Gruppenkurs. Driving Range. Bälle dreschen. Unser Golftrainer importiert aus Schottland, da haben ja nicht nur die Whiskys ein ganz anderes Niveau, auch die Golflehrer. Unser schottischer Pro war, man kann das verstehen, nicht über die Maßen amused, schon wieder ein paar ausrangierte Tennisspieler in die Kunst seines fantastischen Sports einzuweihen. Er redete nicht viel, und was er redete, verstand man schlecht. Was man verstand, war „Bonker“, und es dauerte den halben Kurs, bis wir kapierten, dass er damit Bunker meinte und dass Bunker diese Sandinseln sind, in die man den Ball schlägt, wenn man ihn mal trifft.

Wir haben uns Mühe gegeben, aber natürlich gab es, aller Anfang ist schwer, auch ein paar Unzulänglichkeiten. Die Freundin zum Beispiel hatte ein Pro­blem mit einem Baum, der am Rande einer Spielbahn stand. Ihr Ball war nicht weit von ihm zum Erliegen gekommen, der nächste Schlag sollte geradewegs in Richtung Finale fliegen, aber durch ein ballistisches Wunder traf die Freundin exakt diesen Baum, obwohl sie wo ganz anders hinzielte. Der Ball prallte ab und landete deutlich, sehr deutlich hinter der abschlagenden Freundin.

Ein Superschlag, keine Frage. Trotz Raumverlust. Der schottische Pro schien darob allerdings den letzten Rest von Lust zu verlieren und verweigerte am Ende der ganzen Gruppe die Platzreife. Wir sahen das als Affront, wissen wir doch, dass mehrere Verwandte bei einem Wochenende in Bayern einen ähnlichen Kurs belegten und problemlos die Lizenz zum Wagenschieben bekamen. Was soll’s, auch wir nehmen was mit von unserem Ausflug in diese wunderbare Sportart: dieses schöne neue Wort im Dreiklang: Banker, Bunker, Bonker.

Quelle: F.A.S.
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