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Flensburgs Trainer Machulla

„Dann verlierst du ein Stück Kultur“

Von Frank Heike, Flensburg
01.10.2022
, 14:35
Flensburgs Trainer Maik Machulla muss Lösungen finden Bild: Imago
Die SG Flensburg-Handewitt besinnt sich auf die eigene Vereinskultur. Das Abrutschen ist analysiert. Die Verletzungen aufgearbeitet. Doch der nächste schmerzhafte Umbruch steht bevor.

Wer sich mit Maik Machulla über die Gegenwart und die Zukunft der SG Flensburg-Handewitt unterhält, bekommt vom Trainer zwei Gefühlslagen präsentiert: Vorfreude und Sorge. „Als wir vergangene Saison nach dem Sieg in Berlin am letzten Spieltag im Bus saßen, haben Johannes Golla und ich uns angeschaut und gesagt: Cool, dass es bald wieder losgeht.“ Machulla lacht. Denn die Spielzeit 2021/22 war aus Flensburger Sicht eine zum Vergessen.

Der Abschluss in der Hauptstadt war nur ein Trostpflaster: Verletzungen von Anfang an. Ärger um Star Jim Gottfridsson. Miese Stimmung. Entfremdung von den Fans. Schmerzhafte Abgänge. Platz vier: die schlechteste Saison unter Machulla, der mit Flensburg 2018 und 2019 Meister wurde und den dritten Titel 2021 in letzter Sekunde verpasste.

Guter Saisoneinstieg

Nun sitzt Machulla, 45, vor dem Presseraum der Flens-Arena und schaut auf sein sechstes Jahr als Verantwortlicher des Handball-Bundesliga-Klubs. „Es ist ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen“, sagt er, „ich freue mich jeden Tag, in der Halle zu sein.“ Der Einstieg in die neue Spielzeit gefällt ihm, natürlich mit Ausnahme der Niederlage am vergangenen Samstag bei den Rhein-Neckar Löwen.

Am Dienstag spazierte die SG im Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde für die European League schonmal zum 39:25 in der polnischen Stadt Kwidzyn. Machulla ließ Spieler der zweiten Reihe ran. Was an sich eine Nachricht ist. Doch dann ist er schnell bei den Sorgen: „Ich habe gedacht, wir hätten Ruhe im Kader bis 2028. Dann sind Dinge passiert, die keiner voraussehen konnte. Und jetzt haben wir nächstes Jahr den nächsten Umbruch.“

Flensburg stand immer für zwei Dinge. Eine klare Idee vom Handball, der gespielt werden sollte – mit einer weitgehend gleichbleibenden Gruppe von hauptsächlich skandinavischen Profis. Bestandteil eins musste über Bord geworfen werden: „Wir hatten acht, neun spielfähige Akteure, wie sollen wir da Tempohandball spielen?“ Von der schnellsten Mannschaft mit den meisten Gegenstoßtoren stürzte die SG in dieser Kategorie ab.

Die Dauerbrenner Golla, Gottfridsson, Mensah schleppten sich durch das Frühjahr. Keine Konkurrenz im Training, eine Mannschaft, die sich selbst aufstellte – und ein Trainer, der auch dann nicht wechselt, wenn es möglich gewesen wäre. Machulla hat sich angreifbar gemacht, weil es ihm wieder misslang, den vollen Kader zum Laufen zu bringen. „Ich bin ein Trainer, der nicht viel wechselt, da muss ich mich auch verbessern“, sagt Machulla, verweist aber darauf, dass sich die Bankdrücker im Training anbieten müssen.

Statisch, unansehnlich, nicht immer voll bei der Sache, wühlte sich sein Team durch die Endphase der Saison, musste auch deshalb 18 Minuspunkte hinnehmen und verpasste die Champions League. Das Abrutschen ist analysiert. Die Verletzungen aufgearbeitet. Alle Fäden laufen nun beim hauptamt­lichen Athletiktrainer Michael Döring zusammen. Das gesamte „Medical Team“ hat die SG vergrößert, die Kommunikation verbessert. Teil zwei von Machullas Sorgen: Simon Hald, Magnus Röd und Göran Sögard kehren der SG 2023 den Rücken.

Entwickelt in Flensburg. Im besten Alter abgeworben von Aalborg und Kolstad. Nicht zu verhindern, denn dort sind die Spieler zu Hause und werden besser bezahlt. Trotzdem ärgerlich. Auch mit Gottfridssons Abgang in einem Jahr wird gerechnet. Der EM-MVP sieht nach bald zehn Jahren in Flensburg anderswo bessere Chancen, die Champions League zu gewinnen.

Verlust an Kultur

Aber das ist nicht alles. Machulla sagt: „Wenn solche Spieler gehen, verlierst du ein Stück Kultur. Tobias Karlsson, Rasmus Lauge, Hampus Wanne, Lasse Svan. Das waren Anführer, die den anderen Orientierung gegeben haben. Jetzt muss ich viel mehr für Orientierung sorgen. Das kostet Kraft.“ Die Vereinskultur kann man nicht an die Tafel schreiben. Sie muss wachsen. Gemeinsam mit Kapitän Golla, Torwart Kevin Möller und, solange er noch da ist, mit Gottfridsson wird Machulla die Identität der SG vorleben.

Dazu gehört auch, wieder näher an die Fans zu rücken. Zu Hause nach den Spielen an den Tribünen, auswärts auf einen Schnack am Bus. „Sie geben uns so viel, aber wir konnten wegen Corona nichts zurückgeben“, klagt Machulla. Überhaupt muss vieles besser werden, um den Ansturm aus Berlin und Magdeburg, den Gegner im Heimspiel an diesem Samstag (18.30 Uhr bei Sky), abzuwehren, um Kiels Konkurrent Nummer eins zu bleiben – selbstverständlich ist das in Handball-Deutschlands nördlichster Randlage nämlich keineswegs.

Quelle: F.A.Z.
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