Probleme in Corona-Krise

Handball-Bundesliga geht auf Nummer sicher

Von Frank Heike, Hamburg
23.11.2021
, 12:39
In Berlin konnte der Primus SC Magdeburg noch antreten.
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Kurzfristige Spielabsagen sorgen für Verdruss bei den Klubs. Den Beteiligten ist klar, dass vermehrte Corona-Fälle neue Regeln erfordern. Die Liga setzt auf PCR-Testungen und strengere Impfregularien.
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Spielabsage am Vormittag des Spieltages: Dafür erntete der Chef der Handball-Bundesliga (HBL), Frank Bohmann, keine Jubelstürme. 4200 Karten hatte die TSV Hannover-Burgdorf verkauft. 500 Mahlzeiten für die wichtigen Gäste waren gekocht. Die Angestellten des Catering-Dienstes hatten sich auf den Weg zur Arbeit gemacht – und dann sagte die HBL das Spiel der TSV gegen die SG Flensburg-Handewitt ab. Es hätte am vergangenen Samstag um 20.30 Uhr stattfinden sollen.

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Corona-Fälle im Team der SG verhinderten die Austragung. Erst war es Simon Hald, am Ende beklagten fünf Personen aus Team und Stab Impfdurchbrüche. Flensburg war schon in Hannover, reiste zur Mittagszeit zurück. Die Verantwortlichen der TSV um Geschäftsführer Eike Korsen waren von der Kurzfristigkeit wenig begeistert. Am gleichen Wochenende fiel nach sechs Corona-Fällen auch bei Tabellenführer SC Magdeburg das Spiel aus; nichts wurde daraus, das Punktekonto mit einem Sieg gegen TuS N-Lübbecke aufzustocken. Die Pandemie ist zurück in der Handball-Bundesliga.

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Dabei entschied diese gegen die eigenen Statuten. Sie besagen, dass Partien nur abgesagt werden, wenn die Hälfte der Profis durch Quarantäne oder wegen fehlender medizinischer Freigabe ausfallen. Flensburg und Magdeburg hätten mehr Profis zur Verfügung gehabt – trotzdem wurde abgesagt. Aus Vorsicht, wie Bohmann erläutert: „Ich verstehe die Unzufriedenheit der Hannoveraner. Aber es war anzunehmen, dass sich weitere Spieler trotz Impfung durch Kontakt mit den Teamkollegen angesteckt haben. Aufgrund dieser diffusen Lage haben wir entschieden, diese Partie mit Rücksicht auf die Gesundheit aller beteiligten Spieler und Beteiligten abzusagen. Die Gesundheit steht über allem, und wir sind auf Nummer sicher gegangen.“

Regelmäßige PCR-Testung

Als Unternehmer fände er solche kurzfristigen Entscheidungen „entsetzlich“, als Teil der Gesellschaft und der Solidargemeinschaft der Bundesliga müsse die HBL aber unbequeme Entscheidungen treffen. Zukünftig soll gelten, dass Mannschaften antreten müssen, wenn es bei Impfdurchbrüchen in den Mannschaftskadern keine steigenden Tendenzen gibt. Dann muss ein Team tatsächlich spielen, auch wenn nur die Hälfte des Kaders spielfähig ist – das galt zuletzt für den Zweitliga-Klub Dresden/Elbflorenz. Dort hatte es Impfdurchbrüche gegeben, die in der Zahl aber nicht mehr stiegen.

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In Flensburg und Magdeburg war es so, dass in den Tagen nach dem ersten positiven Test weitere folgten und weitere Ansteckungen eine hohe Wahrscheinlichkeit hatten. Auch wird geprüft, ob in der HBL die regelmäßige PCR-Testung wiedereingeführt wird, um stichhaltigere Ergebnisse zu bekommen. Dass das für wenig Begeisterung sorgen wird, weil es teurer und aufwendig ist, weiß Bohmann auch.

Er sagt: „Es helfen insbesondere die Einhaltung der AHA-Regeln und das Boostern.“ 99 Prozent der Spieler und Spielbeteiligten in der Handball-Bundesliga sind geimpft oder genesen. Viele der Impfdurchbrüche sind offenbar bei Profis passiert, die vor längerer Zeit mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft worden sind. Spätestens ab der Rückrunde soll eingeführt werden, dass, wer vor über einem halben Jahr geimpft wurde oder genesen ist, als ungeimpft und ungenesen gilt.

Drohende Spielausfälle sorgen Bohmann zum einen. Maßnahmen, die das Publikum betreffen, zum anderen. Denn bei einer Hospitalisierung über 9 kann es auch wieder Zuschauerausschlüsse geben. Handball in leeren Arenen, mit bekannten wirtschaftlichen Folgen? Bohmann sagt: „Wir müssen uns in unseren Szenarien damit beschäftigen. Viele Standorte haben noch damit zu kämpfen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht wieder in dem Umfang zurückkehren wie vor der Pandemie.

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Gerade jetzt, wo sich ein positiver Trend bemerkbar macht, werden wir durch das dynamische Pandemiegeschehen ausgebremst.“ Bohmann hofft, dass die Hallen unter 2 G offen bleiben, bis die vierte Welle wieder abebbt.

Quelle: F.A.Z.
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