Wettkämpfe der Weltliga

Kein Volleyball für Frauen in Iran

Von Christoph Becker
29.06.2016
, 17:46
Weibliche Fans haben in Iran weiterhin nicht die Möglichkeit sich Spiele ihrer Volleyball-Nationalmannschaft anzusehen. Schon im Winter sprach der Weltverband von Missverständnissen – ist aber noch unfähig, Gleichberechtigung durchzusetzen.

Bei den Weltliga-Spielen, die der Internationale Volleyball-Verband (FIVB) am Wochenende in Teheran austragen lässt, werden interessierte Frauen wieder ausgeschlossen sein. Obwohl der iranische Volleyballverband zugesichert hatte, für die Partien des iranischen Nationalteams gegen Serbien am Freitag und Sonntag auch Karten an Frauen verkaufen zu wollen, hieß es auf der Website am Dienstag und Mittwoch jeweils, diese seien ausverkauft: „Auf Grund des beschränkten Platzes für Frauen wird es bis auf weiteres keine Gelegenheit für Frauen geben, Karten zu kaufen.“

Frauen ist es in der Islamischen Republik seit 2012 verboten, Spiele der Männer-Nationalmannschaft zu besuchen. Das Verbot, das ursprünglich und seit der Revolution 1979 im Fußball gilt, wurde von konservativen Kreisen in den vergangenen Jahren auf andere Sportarten erweitert. Im Volleyball wurde es durchgesetzt, als die Iraner binnen weniger Jahre zu einer der stärksten Mannschaften Asiens aufstiegen und der Sport zu einem der populärsten in Iran wurde.

Die nächsten „Missverständnisse“

Damit verstößt die FIVB abermals und zum zweiten Mal binnen eines halben Jahres bei einem ihrer Wettkämpfe in Iran gegen ihre eigene Nichtdiskriminierungsklausel, die eines der „fundamentalen Prinzipien“ der FIVB-Verfassung ist, und den Gleichberechtigungsanspruch der Olympischen Charta. Schon beim Auftritt der World Tour der Beach-Volleyballspieler auf der Insel Kisch im Persischen Golf im Februar waren Frauen ausgeschlossen gewesen, obwohl die FIVB im Vorfeld beteuert hatte, allen interessierten Frauen würde der Zutritt ermöglicht.

Im Anschluss an das Turnier hatten Funktionäre des Verbands mit Sitz in Lausanne behauptet, es sei lediglich zu „Missverständnissen“ gekommen und als Erfolg zu werten, dass einigen wenigen, handverlesenen Frauen der Zugang gestattet worden sei. FIVB-Generalsekretär Lima hatte gesagt, am Verbot sei offenbar nichts zu ändern, die Austragung von Spielen in Iran verschaffe Frauen immerhin die Gelegenheit zu protestieren. Intern war man zu einer deutlich anderen Bewertung gekommen: Das Turnier auf Kisch wird in Lausanne als „Fehlschlag“ bezeichnet.

Gleichwohl hatte sich der internationale Verband im Vorfeld der Weltliga-Spiele abermals auf Zusicherungen des iranischen Volleyballverbandes verlassen, ohne eine entsprechende Zusage aus der iranischen Politik oder von den für die Sicherheit verantwortlichen Organen zu haben. Noch vergangenen Freitag hieß es in einer E-Mail, die der F.A.Z. vorliegt, man gehe davon aus, dass zum Vorverkaufsstart am Dienstag „Tickets für Männer und Frauen verfügbar“ seien. Auf eine Anfrage dieser Zeitung, wie die FIVB auf die abermalige Diskriminierung reagieren werden, antwortete der Verband nicht.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte in einem Brief an FIVB-Präsident Ary Graça gefordert, im Vorfeld der Weltliga-Spiele auf eine Aufhebung der Verbannung der Zuschauerinnen zu drängen und mit Entzug von FIVB-Spielen zu drohen. HRW-Direktorin Minky Worden forderte den iranischen Präsidenten Hassan Rohani zum Einschreiten auf. Auch sie forderte von der FIVB, dem Iran den Entzug der Weltliga-Spiele anzudrohen. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte der Bonner Politikwissenschaftler Adnan Tabatabai, der Bundesministerien und Bundestag zu politischen Fragen des Iran berät, der Weltverband müsse politischen Kontakt suchen, etwa mit dem iranischen Sportministerium und der Gleichstellungsbeauftragten der Regierung.

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„Die Diskussion muss immer und immer wieder geführt werden, sie wird letztlich erfolgreich sein – und wenn es beim achten Mal ist. Letzten Endes werden die Frauen, die ins Stadion möchten, Erfolg haben, ihr Druck wird nicht nachlassen.“ Er empfehle, „nicht öffentlich, aber in Gesprächen effektive Signale“ zu senden: „Die Drohung mit dem Ausschluss der Nationalmannschaft wäre kontraproduktiv. Aber Spiele vor leeren Rängen oder außerhalb Irans sollte man durchaus in Aussicht stellen.“

Die iranischen Volleyballspieler hatten bei der Weltmeisterschaft 2014 Platz sechs belegt und werden in Rio de Janeiro im August erstmals an Olympischen Spielen teilnehmen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Becker, Christoph
Christoph Becker
Sportredakteur.
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