Golfprofi Jon Rahm

Schlagfertig zum ersten Major-Sieg

Von Wolfgang Scheffler
21.06.2021
, 08:16
Alles ist perfekt: Jon Rahm mit US-Open-Pokal, Frau Kelley Cahill und Sohn Kepa Cahill Rahm.
Jon Rahm ist als Topspieler im Golf anerkannt. Nur ein Sieg bei einem Major fehlte ihm – bis jetzt. Der Triumph gelingt ihm auf einem Platz und an einem Tag, die für Rahm ganz besonders sind.

„Ich glaube ganz fest an Karma“, sagt Jon Rahm, „und deshalb bin ich nach dem, was vor ein paar Wochen passierte, ganz positiv geblieben, weil ich wusste, Großes wird kommen.“ Am Sonntag passierte es dann: Der 26 Jahre alte Spanier gewann auf dem South Course von Torrey Pines in San Diego sein erstes Major, siegte als erster spanischer Golfprofi bei den US Open, dem schwersten der vier Majors.

Das indische spirituelle Konzept, nach dem jede Handlung unweigerlich eine Folge hat, ging in diesem Fall auf, dem Tiefpunkt folgte ein glanzvoller Höhepunkt. Vor zwei Wochen wurde der Baske aus Barrika, ein Kraftpaket mit extrem kurzen Ausholbewegungen, noch von Fans und Medien bedauert. Er hatte beim Memorial Tournament in Dublin (Ohio) nach drei Tagen den Riesenvorsprung von sechs Schlägen erspielt und schien auf dem besten Weg, seinen im Vorjahr gewonnenen Titel erfolgreich verteidigen zu können.

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Doch am Samstag erfuhr Rahm unmittelbar nach seiner Runde, dass sein PCR-Test am Morgen positiv ausgefallen war. Obwohl er keinerlei Symptome von Covid-19 zeigte, musste er sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Das Mitleid mit dem Pechvogel wurde zwar etwas gedämpft, als bekannt wurde, dass er bewusst auf eine Impfung verzichtet hatte. Doch Rahm hatte Glück, dass er nach zwei negativen Tests in der Woche vor der 121. US Open die Selbstisolation ein paar Tage früher beenden durfte. So konnte er auch seine Eltern Angela und Edorta Rahm treffen, die aus Spanien angereist waren, um Kepa, den zehn Wochen alten Sohn des jungen Ehepaares, in die Arme zu schließen.

Der Weltranglistendritte reiste dann frühzeitig mit der ganzen Familie von seinem Wohnort Scottsdale (Arizona) nach Südkalifornien, um sich auf das Turnier vorzubereiten. Nach seiner Glanzvorstellung in Ohio galt er als einer der Topfavoriten – und das noch aus einem anderen Grund. Denn mit Torrey Pines und San Diego verbindet Rahm eine ganz besondere Beziehung: Auf diesem Platz hatte er 2017 sein erstes Turnier auf der PGA Tour spektakulär gewonnen – mit einem Eagle aus 15 Metern auf dem 18. Grün.

„Wie ein Märchen mit Happy-End“

Und auf den Klippen an der südkalifornischen Küste überraschte er sein College-Sweetheart Kelly Cahill 2018 mit einem Heiratsantrag. „San Diego erinnert mich an mein Zuhause. Es ist nicht exakt dasselbe, aber die Küste, das Wetter, die Temperatur, alles erinnert mich an meine Jugend. Jedes Mal, wenn wir hierher kommen, sind wir nur glücklich“, erzählte Rahm, der für seinen Sieg 2,25 Millionen Dollar (1,89 Millionen Euro) erhielt.

„Es fühlte sich an wie ein Märchen mit einem Happy-End“, beschrieb Rahm das Spiel am Schlusstag. Er war mit drei Schlägen Rückstand auf die Schlussrunde gegangen, begann mit zwei Birdies auf den ersten beiden Löchern furios, aber danach übernahmen andere das Kommando. Bryson DeChambeaus Ball landete am achten Loch zwei Zentimeter vor dem Lochrand, ein Beinahe-Ass. Doch mit dem Birdie übernahm sich der amerikanische Titelverteidiger die alleinige Führung.

Hinter ihm lauerten mit dem Nordiren Rory McIlroy und dem zweimaligen US-Open-Champion Brooks Koepka weitere Schwergewichte. Doch alle brachen auf den zweiten neun Löchern ein. Am schlimmsten erwischte es den „Hulk“, der für die zweite Halbrunde 44 Schläge (8 über Par) benötigte. Er fiel nach einer Schlussrunde von 77 Schlägen auf den 26. Platz zurück, den er sich unter anderem mit dem Rheinländer Martin Kaymer teilte. Auch andere Stars und Major-Sieger wie Koepka und der Nordire Rory McIlory verspielten durch unerwartete Patzer ihre günstige Ausgangsposition.

So blieben am Ende zwei übrig, die den Sieg unter sich ausmachten: Rahm und Louis Oosthuizen, der als einer der drei Spitzenreiter auf die letzten 18 Löcher gegangen war. Der 38 Jahre Südafrikaner führte, bis Rahm mit spektakulären Birdies und mit schweren Bergab-Putts am 17. Loch aus acht, am 18. Loch aus fünf Metern das Blatt zu seinen Gunsten wendete. Mit 67 Schlägen egalisierte Rahm die besten Runden des Turniers.

Das reichte zum Sieg, weil der drei Gruppen hinter ihm spielende Oosthuizen am 17. Loch seinen Ball in den Canyon am Rande der Spielbahn schlug und mit einem Bogey plötzlich zwei Schläge Rückstand aufwies. Mit einem Birdie am 18. Loch sicherte er sich mit einer Schlussrunde von 71 Schlägen noch vor dem Amerikaner Harris English den zweiten Platz. Kein Trost. Oosthuizen belegte nun zum sechsten Mal bei einem Major den zweiten Platz. Er ist einer von neun Profis, die den modernen „Silver Slam“ vollendeten, zweite Plätze bei allen vier Majors.

PGA-Champion Phil Mickelson, der sentimentale Favorit, landete zwar abgeschlagen auf dem 62. Platz – hatte aber dennoch allen Grund zur Freude. Er war eigens auf den Platz zurückgekehrt, um den neuen Champion als einer der ersten in die Arme zu schließen. Denn „Lefty“ hatte den jungen Spanier schon in seiner Collegezeit als Mentor betreut und vorhergesagt, dass Rahm eines Tages zur Nummer eins aufsteigen würde. Das schaffte Rahm mit dem Erfolg in Torrey Pines nach 2020 nun zum zweiten Mal. „Er spielt großartig und mit viel Herz. Ich glaube, er wird noch viel besser“, sagte Mickelson und fügte an: „Ich bin 51 und froh, dass ich mich damit nicht mehr auseinandersetzen muss.“

Quelle: F.A.Z.
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