Handball-Bundesliga

Kieler Party mit Gästen

Von Frank Heike, Kiel
19.09.2021
, 15:31
„Warum mache ich Handball“, fragte sich Niklas Landin? Jetzt weiß der Kieler Torwart es wieder.
9000 Fans und ein 33:23-Derbysieg über die SG Flensburg-Handewitt: Meister THW Kiel feiert das prestigeträchtige Nordderby in der Handball-Bundesliga nach allen Regeln der Kunst.

Es waren weniger seine Paraden, die Niklas Landin nach dem Spiel strahlen ließen. „Wir hatten anderthalb Jahre eine leere Halle. Da habe ich manchmal auf die Tribünen geguckt und gedacht: Warum mache ich Handball?“, sagte der Kieler Torwart. Am Sonntagmittag schufen 9000 Fans eine wunderbare Stimmung: „So eine volle Halle macht einfach alles aus“, sagte Landin.

Nach dem 2-G-Prinzip hatten die Verantwortlichen um Geschäftsführer Viktor Szilágyi die Arena gefüllt; das Publikum saß mit Maske auf den Rängen, und zumindest die THW-Fans hatten ihre Freude an dieser Machtdemonstration des Rekordmeisters: 33:23 gewann der THW am dritten Spieltag der Handball-Bundesliga gegen die SG Flensburg-Handewitt – am Ende gab es sogar noch einen Kempa-Trick.

Die ersatzgeschwächten Flens­burger fanden in diesem Klassiker aus Schleswig-Holstein selten in den Derby-Modus: „Die Tore fallen viel zu einfach“, sagte SG-Trainer Maik Machulla, „wir machen es Kiel am An­fang zu leicht.“ Im Laufe der zweiten Halbzeit hätten dem Team Kraft und Moral gefehlt: „Wir hatten nichts mehr entgegenzusetzen.“ Schwierige Wochen kämen auf seine Mannschaft zu, prognostizierte Machulla, der von seiner üblichen Zuversicht an diesem Sonntag einiges eingebüßt hatte. Schließlich wird keiner der vier verletzten Rückraumspieler in na­­her Zukunft zurückkehren.

Aber am Sonntag war es weniger die personelle Situation, die Coach Ma­chulla zusetzte – ihm hatten bei diesem Handball-Schlager zu viele Ei­genschaften in seiner Mannschaft gefehlt, die sie sonst regelmäßig ab­ruft. Auch die Flensburger Spieler gingen kritisch mit der eigenen Leistung um: „Das war in allen Bereichen zu wenig. Uns fehlte die Aggres­­si­vität in der Abwehr. Das war nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, sagte Nationalspieler Johannes Golla und schaute ähnlich sorgenvoll in die Zukunft wie sein Trainer: „Wir werden auch die ganzen nächsten Wochen nicht die komplette Mannschaft zusammenhaben. Das tut weh.“

Kiel jubelt bildbreit: Rune Dahmke
Kiel jubelt bildbreit: Rune Dahmke Bild: dpa

Der THW feierte derweil die erste große Saisonparty. Alle neutralen Handballfans, die wieder auf ein spannendes Meisterrennen hoffen, werden mit einer Kieler Frühform konfrontiert, die den THW zum klaren Favoriten stempelt: „Die letzten 15 Minuten meiner Mannschaft wa­ren fantastisch“, sagte Trainer Filip Jícha. Die SG Flensburg hatte sich mit nur noch vier Rückraumspielern bis auf drei Tore heran­gekämpft, hatte in der 38. Minute beim Stand von 17:20 sogar die Möglichkeit, auf zwei Tore heranzukommen – doch eine Kieler 6:0-Torfolge zog der SG den Zahn. Beim 26:17 für Kiel in der 45. Minute war das Nordderby entschieden. Schon die erste Halbzeit hatte der THW mit sehr beweglicher Ab­wehr dominiert. Und da auch in dieser Saison das direkte Duell bei Punktgleichheit entscheidet, hat der THW nicht nur momentan die besseren Karten, sollten die Flensburger den derzeitigen Drei-Punkte-Rückstand aufholen.

Trümpfe waren wieder einmal Torwart Landin und das variable An­griffsspiel. Der Däne steigerte sich nach schwachem Beginn beeindruckend und hielt Bälle von allen Positionen. Tempo und Druck waren das Erfolgsrezept gegen den kleinen Flensburger Kader: „Wir haben einfach weitergemacht und wussten, dass sie müde werden“, sagte Rückraumspieler Harald Reinkind. „Der große Unterschied war, dass wir Druck machen konnten, sie nicht“, sagte Landin, „sie konnten nicht je­des Mal mit 100 Prozent in die Zweikämpfe gehen. Es war klar, dass sie die Kraft verlieren würden.“

Jícha hingegen nutzte die Möglichkeiten, die ihm sein breiter Kader ließ, gab Sander Sagosen und Domagoj Duvnjak Pausen in dem Wissen, dass es die etablierten Profis von der Bank ähnlich gut machen würden.

Quelle: F.A.Z.
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