Klettern vor Olympia

„Es herrscht blankes Chaos“

26.11.2019
, 14:02
Bei den Olympischen Spielen in Tokio ist Klettern erstmals als Disziplin vertreten. Zwei Deutsche haben noch Chancen auf einen Startplatz. Doch den Sport plagen derzeit große Probleme.

Deutschlands Spitzenkletterer Jan Hojer und Yannick Flohé kämpfen um einen Startplatz bei Olympia in Tokio 2020 – doch der anstehende Qualifikations-Showdown in Toulouse wird von sportpolitischen Streitigkeiten überschattet. Von Donnerstag an tritt das Duo gegen 20 internationale Konkurrenten an, es geht um den zweiten und letztmöglichen deutschen Startplatz für die Sommerspiele in Tokio.

Angesichts eines Wirrwarrs um unklare Quali-Kriterien, kurzfristige Regeländerungen und sogar einer Beschwerde beim Sportgerichtshof Cas rückte der Sport zuletzt etwas in den Hintergrund. Womöglich droht im schlimmsten Fall sogar, dass der Ausgang des Wettkampfs noch angefochten werden kann. „Hoffen wir, dass alles gut geht“, sagte Bundestrainer Urs Stöcker der Deutschen Presse-Agentur, berichtete aber zugleich von der Lage hinter den Kulissen: „Mittlerweile herrscht blankes Chaos.“

„Das ist echt hart für alle“

Zwei Themen beschäftigen den Weltverband IFSC: Zum einen beharrt die Topnation Japan auf einem Sonderweg bei der Auswahl ihrer Athleten. Pro Land dürfen in Tokio nur zwei Männer und zwei Frauen antreten. Die Japaner haben ihre jeweils ersten Startplätze Tomoa Narasaki und Akiyo Noguchi gegeben, dem Weltmeister und der Weltmeisterschaftszweiten in der relevanten Disziplin „Olympic Combined“. Die zweiten Nominierungen wollen die Asiaten eigentlich erst im Frühjahr 2020 intern zuordnen.

Die IFSC meldete aber, dass aus dem japanischen Team der zweitbeste Mann und die zweitbeste Frau der WM auch schon für Olympia fix seien. Das Kontingent wäre erschöpft. Dagegen rief der japanische Verband den Cas an – eine Entscheidung steht aus. „Es ist sehr bedauerlich, dass so etwas passiert ist“, sagte Verbandschef Kuniaki Yagihara.

Der zweite Disput entbrannte um die Frage, wie viele Teilnehmer pro Nation beim Quali-Turnier in Toulouse antreten dürfen. Ursprünglich standen zwei in den Regeln. Dagegen intervenierte das Internationale Olympische Komitee, dem Vernehmen nach auf Drängen der Franzosen. Die IFSC strich die Länderbeschränkung und erhöhte das Teilnehmerfeld von 20 auf 22 – und das eine Woche vor dem Wettkampf. „Das ist echt hart für alle“, sagte Athletensprecher Sean McColl (Kanada) der Plattform „ukclimbing.org“. Dass nun sechs Japaner antreten, die womöglich ohnehin keine Olympia-Chance haben, macht den Fall nur noch absurder.

Der Trubel soll die Deutschen nicht ablenken. Der Kölner Hojer (27) setzt auf Erfahrung, Flohé aus Aachen (20) auf seine Form in dem Jahr, die ihn bei der Weltmeisterschaft im August Bronze in der Disziplin Bouldern beschert hatte. „Beide sind fit und fast in allen Disziplinen gleich stark“, berichtete Bundestrainer Stöcker, der bei der WM bereits die Olympia-Qualifikation von Alexander Megos bejubelt hatte.

Im Wettkampf-Format „Olympic Combined“ werden die Disziplinen Lead, also Schwierigkeitsklettern mit Seilsicherung, Bouldern, dem Meistern von komplizierten Grifffolgen in Absprunghöhe, und Speedklettern ausgetragen und für die Endwertung kombiniert. Die jeweils besten sechs Athleten in Toulouse qualifizieren sich direkt für Tokio 2020. Bei den Frauen hat es keine Deutsche nach Toulouse geschafft.

Quelle: dpa
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