Skiläuferin als Leichtathetin

Johaug glänzt auch in Joggingschuhen

Von Achim Dreis
10.05.2021
, 14:20
Norwegens nordischer Skistar Therese Johaug schnürt mal wieder die Laufschuhe und verpasst nur knapp die Olympianorm über 10.000 Meter. Für 2022 erwägt sie einen Doppelstart in Winter und Sommer.

Selbst eine Dauersiegerin wie Therese Johaug muss nicht unbedingt gewinnen, um zufrieden mit ihrem Arbeitstag zu sein. „Sehr zufrieden“ sogar, wie die zwölfmalige Langlauf-Weltmeisterin am Samstag nach dem Rennen über 10.000 Meter in Oslo sagte, bei dem sie in 31:32,88 Minuten Zweite geworden war. In Laufschuhen wohlgemerkt, nicht auf Langlaufskiern. „Das war in erster Linie ein unglaublicher Spaß“, sagte die 32-Jährige nach dem Rennen im norwegischen Fernsehen.

Johaug unterbot dabei ihre eigene Bestzeit aus dem Vorjahr, als sie bei den „Impossible Games“ im Bislett-Stadion in 31:40,69 Minuten einen Solo-Lauf unter Pandemie-Bedingungen alleine gegen die Uhr bestritten hatte, um acht Sekunden. Das Ziel, die Olympia-Norm für die Sommerspiele 2021, verpasste sie allerdings um gut sieben Sekunden.

Sogleich versicherte der norwegische Langlauf-Star, sie habe einen Start in Tokio ohnehin nicht in Erwägung gezogen. „Mein Ziel sind die Winterspiele in Peking“. Dort will sie Gold gewinnen. Ein Einzel-Olympiasieg fehlt der überragenden Nordischen dieser Zeit, die alleine bei der Ski-WM 2021 in Oberstdorf viermal Weltmeisterin wurde, noch in ihrer Bilanz. Die Olympischen Spiele von Pyeongchang 2018 hatte sie wegen eines positiven Dopingtests verpasst, den sie auf den unsachgemäßen Gebrauch eines Lippenpflegestift zurückführte, der ein androgenes Steroid enthielt. 2014 war sie als Solistin zu Olympia-Silber und -Bronze gelaufen, schon 2010 holte sie einmal Gold mit der Staffel.

Den Run auf der Bahn habe sie „aus Motivationsgründen“ absolviert, sagte die Ausdauerathletin, und ihrem Strahlen nach zu urteilen, war dies gelungen. Schon 2019 war die als Läuferin einmal Landesmeisterin geworden, damals in 32:20,86 Minuten. Nun steigerte sie sich abermals, worauf sie „unheimlich stolz“ war, gleichwohl bekannte sie: „In der Rennmitte ist es ein bisschen zu schwer geworden.“

Mit ihrer Zeit vom Wochenende belegt Johaug in der Läufer-Weltrangliste immerhin den 24. Rang, in der europäischen Rangliste ist sie auf Platz sechs notiert. Angeführt wird das kontinentale Ranking nun von ihrer Landsfrau Karoline Grövdal, die den Qualifikationslauf von Oslo in starken 30:50,84 Minuten gewann. Zum Vergleich: Rabea Schöneborn wurde vergangene Woche in Mainz deutsche Meisterin mit einer Zeit von 32:55,96 Minuten.

„Ich bin sehr beeindruckt von Karoline“ erklärte Johaug, und ließ schon mal durchblicken, dass sie sich im nächsten Sommer, wenn sie im Februar ihre womöglich Olympische Medaillen-Lücke geschlossen hat, durchaus vorstellen kann, doch einmal bei einer Leichtathletik-Meisterschaft zu starten. Möglichkeiten gibt der Rennkalender ohne weiteres her: Im August 2022 soll die Europameisterschaft in München stattfinden, im Juli zudem die WM in Eugene: „Ich habe das Gefühl, dass ich das drauf habe“, meinte Johaug. Technisch müsse sie sich zwar noch verbessern, gab sich die Weltklasseathletin selbstkritisch, aber alles in allem empfinde sie die Aussichten eines Starts als „cool.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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