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Ringen

Spannung ist auch Qualität

Von Daniel Meuren, Mainz
Aktualisiert am 09.09.2018
 - 16:51
Wo geht es hin mit dem ringen? Der Mainzer Ercihan Albayrak (oben) und der Nackenheimer Dario Schmidhuber wissen es scheinbar auch noch nicht.
Der Ringkampf zwischen Mainz 88 und Alemannia Nackenheim zum Bundesligaauftakt endet 15:11. Der Sieger steht dennoch nicht fest. Sportler und Zuschauer müssen sich an den neuen Modus noch gewöhnen.

Etka Sever wusste nach dem Bundesligakampf zwischen seinem ASV Mainz 88 und Alemannia Nackenheim nicht so recht, wie er die Lage im deutschen Ringen einschätzen soll. Das lag in keiner Weise an der kuriosen Tatsache, dass gut 700 Zuschauer soeben das Ende des Auftaktkampfs der neuen Saison erlebt hatten, ohne sicher zu sein, wer das Derby der nur gut zehn Kilometer voneinander entfernt trainierenden beiden rheinhessischen Rivalen gewonnen hat. Das 15:11 der Mainzer ist nämlich das Resultat von neun Kämpfen, der wegen der U23-WM in Russland verhinderte Niklas Dorn hat aufgrund des Reglements sein Recht auf einen Nachholkampf zuvor eingefordert. In den kommenden zwei Wochen stehen bei dem Duell im Trainingsraum der 88er nochmals vier Punkte auf dem Spiel, ein Unentschieden ist also noch möglich.

Sever irritierte aber etwas anderes: „Als ich vor einigen Jahren anfing, da waren da nur Granaten in der Bundesliga, reihenweise Weltklasseringer, Niveau ohne Ende“, sagte er. „Heute habe ich ganz viele Ringer beim Gegner nicht mal gekannt.“ Der U23-Europameister, eines der vielen deutschen Griechisch-Römisch-Talente, sprach an, was im deutschen Ringen derzeit diskutiert wird. Der Deutsche Ringerbund hat die Bundesliga in den vergangenen Jahren schrittweise reformiert, nachdem die Liga immer weiter geschrumpft war, da sich kaum noch Vereine eine wettbewerbsfähige Mannschaft leisten konnten. Zudem gründeten fünf Spitzenklubs die Deutsche Ringerliga, die bislang ohne Ausländerbeschränkung zwar ringerisches Spitzenniveau bietet, wegen drohender Verbandssanktionen aber kaum einheimische Ringer gewinnen konnte.

Die Bundesliga ist derweil mit dem Ziel der Förderung des deutschen Nachwuchses auf 24 Teams aufgebläht worden und hat den Ruf der „stärksten Liga der Welt“ preisgegeben. Der DRB hat nun eine neue Faustformel eingeführt, nach der die zehn Ringer einer Mannschaft aufgestellt werden müssen. 28 Punkte darf ein Kader „wiegen“.

Ringen im Selbstversuch
Am Boden und in der Luft
© Wonge Bergmann, FAZ.NET

Für einen ausländischen Medaillengewinner wie den Mainzer Polen Tadeusz Michalik muss man dabei acht Punkte investieren, während der deutsche Olympiadritte Denis Kudla seinen Nackenheimer Verein nur vier Punkte kostet. Eigengewächse der Vereine bringen sogar zwei Minuspunkte ein, die den Spielraum bei der Verpflichtung von ausländischen Stars erhöhen. „Wir haben viele Rechenübungen angestellt, seit die Regelung verabschiedet wurde. Das ist eine neue Erweiterung des Mattenschach“, sagt Baris Baglan, der zweite Vorsitzende von Mainz 88. Die Zielsetzung der Maßnahme ist klar: Durch die Punkteregelung soll das ausufernde Wettrüsten mit ausländische Spitzenringern begrenzt werden. „Wir wollen das Leistungsniveau in der Liga angleichen, eine Chancengleichheit anstreben“, sagt der für den Ligabetrieb zuständige DRB-Vizepräsident Ralf Diener in einem Interview mit dem Mainzer Saisonheft „Blau passiv“.

Spannender als im Vorjahr

Baglan kann dem Ansatz einiges abgewinnen, auch wenn er eingesteht, dass in der Breite eine gewisse Qualität verloren geht. Die Mainzer Halbfinalmannschaft aus dem Vorjahr würde nun 42 Punkte auf die Matte bringen, das 28er-Limit lässt sich nur durch Verzicht auf Weltklasseringer einhalten. „Wir mussten uns von Publikumslieblingen trennen wie Balint Korpasi oder Mark Madsen“, sagt Baglan. „Aber wir haben auch das Gefühl, eine sehr starke Truppe beisammen zu bekommen.“ Für die Zuschauer war es zum Saisonauftakt zumindest spannender als im vergangenen Jahr, als die 88er in den Derbys zu überlegen waren und die jeweils vier aufgebotenen Weltklasseringer ohne angemessenen Widerstand erst gar nicht zu Höchstleistung gefordert wurden.

Das Spektrum reichte nun vom hochklassigen, letztlich von Kudla 4:3 gewonnenen Kampf gegen dessen früheren Schifferstädter Mannschaftskameraden und Klassenkameraden Sever bis hin zu einem nur 41 Sekunden dauernden Duell der Nachwuchsringer Dzhan Bekir und Bekir Demir. „Sicher ist jetzt das Topniveau niedriger in der Liga“, sagt auch 88er-Trainer David Bichinashvili. „Aber auch Spannung ist für die Zuschauer Qualität.“ Etka Sever muss sich an diese Sichtweise noch gewöhnen.

„Abkochen“ mit Ringer Stäbler
Der Kampf vor dem Kampf
Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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