Marathon unter zwei Stunden?

Bekele: „Nike hat mich nie gefragt“

Von Michael Reinsch
23.04.2017
, 10:30
Kenenisa Bekele: Der 34 Jahre alte Äthiopier ist dreimaliger Olympiasieger
Ein Konkurrent wird auf einer Autorennstrecke versuchen, erstmals einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen. Im Interview sagt Kenenisa Bekele, warum er nicht dabei ist – und was er vom London-Marathon erwartet.

Sie wollen beim London-Marathon am Sonntag Ihre Bestzeit verbessern. Das kann nur bedeuten, dass Sie den Weltrekord von 2:02:57 Stunden brechen wollen. Oder?

Das wird nicht einfach. Wenn ich mich gut fühle, warum nicht? Aber das Wichtigste ist, das Rennen zu gewinnen.

Nehmen wir Zeiten zu wichtig?

Vor allem geht es darum, uns gegenseitig herauszufordern. Aber die Zeiten sind sehr wichtig. Wenn ich 2:10 Stunden laufen würde, wäre ich nicht wirklich glücklich. Wenn ich in 2:04 oder 2:03 siege, fühlt sich das anders an. Vor einem Jahr hatte ich mehr als drei Minuten Rückstand auf den Sieger.

… auf Eliud Kipchoge und seine Zeit von 2:03:05 Stunden. Er blieb nur acht Sekunden über dem Weltrekord. Und wurde in Rio Olympiasieger, während der äthiopische Verband Sie nicht nominierte. Ärgert Sie das, treibt Sie das an?

Meine Motivation ist älter und tiefer, ich ziehe sie nicht aus den verpassten Spielen.

Weil Sie nicht in Rio laufen durften, sind Sie im September in Berlin gestartet und haben die zweitbeste Marathonzeit der Welt von Eliud Kipchoge um zwei Sekunden unterboten. Sie waren sechs Sekunden vom Weltrekord entfernt. In Dubai wollten Sie die Bestzeit im Januar unterbieten, mussten aber aufgeben. Was war los?

Es war unglaublich eng am Start. Und weil drei verschiedene Leute Startschüsse abgaben, dachte ich als Bahnläufer, dass die drei Schüsse den Abbruch des Rennens wegen Fehlstarts signalisierten. Von hinten drängten tausend Läufer, und ich konnte nicht nach vorne weg. Da bin ich gestürzt. Davon tat mir dann die Hüfte weh, die Verletzung, die mich schon ein Jahr gekostet hatte. Ich konnte nicht weiterlaufen.

Eliud Kipchoge wird in zwei Wochen auf der Autorennstrecke von Monza bei einer Veranstaltung von Nike versuchen, die 42,195 Kilometer in weniger als zwei Stunden zu laufen. Warum nicht Sie?

Nike hat mich nie gefragt. Als sie mit breaking2 anfingen, war ich schon lange im Team von Professor Yannis Pitsiladis für sub2. Ich weiß nur, dass er versucht hat, mit Nike und anderen Sponsoren zu kooperieren. Nun sind das zwei Projekte. Vielleicht hat Nike mich nicht eingeladen, weil ich mich schon für ihn entschieden hatte und sie sich als Konkurrenten verstehen.

Nike ist auch Ihr Sponsor. Sie gelten als der einzige Läufer neben Kipchoge, der die zwei Stunden unterbieten könnte. Unter den Bedingungen, wie sie für Kipchoge geschaffen werden – keine Konkurrenz, ständig frische Tempomacher, ein Kurs praktisch ohne Kurven – würden Sie es so nicht auch einmal versuchen wollen?

Selbstverständlich. Aber erst mal müssen wir schauen, was Nike gelingt. Wenn Eliud gelaufen ist, werde ich meine Pläne danach ausrichten. Wir werden eine Chance für mich schaffen.

Würden Sie mit Kipchoge zusammenarbeiten bei einem solchen Versuch?

Im Moment nicht. Vielleicht in der Zukunft.

Stimmt es, dass Sie und er sich im Herbst auf der Weltrekordstrecke von Berlin messen wollen?

So weit reichen meine Pläne noch nicht. Vielleicht.

Ihre lang anhaltende Verletzung: Stammt sie von der Umstellung von der Bahn auf die Straße?

Nein, ich hatte sie schon, als ich noch auf der Bahn lief. Die Wade tat weh, weil ich in der Hüfte nicht ausbalanciert war. Jetzt habe ich keine Beschwerden mehr. Ich hoffe, dass ich in Zukunft erfolgreicher sein werde.

Mussten Sie das Laufen auf der Straße neu lernen?

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© AFP, afp

Nicht wirklich. Aber auf der Bahn läuft man auf dem Vorderfuß, Marathon mit dem ganzen. Durch den anderen Stil benutzt man auch andere Schuhe. Man muss das üben, das braucht Zeit.

Was war die größte Herausforderung bei der Umstellung?

Die Distanz ist größer, aber die Geschwindigkeit ist fast so hoch wie bei den 10.000 Metern auf der Bahn. Auf der Bahn schnell zu laufen ist schon nicht leicht. Auf der Straße ist es noch herausfordernder.

Die Fragen stellte Michael Reinsch.

Bekele verpasst Top-Zeit in London

Das wichtigste sei, das Rennen zu gewinnen, hatte Bekele vor dem London-Marathon gesagt. Nun hat der Äthiopier weder dieses Ziel erreicht, noch ist er eine Top-Zeit gelaufen. Der 34-Jährige lief die 42,195 Kilometer in 2:05:57 Stunden und verpasste damit um fast drei Minuten seine Zeit aus Berlin im September 2016 (2:03:03). Damals war Bekele nur sechs Sekunden langsamer als Weltrekord. In London gewann der Kenianer Daniel Wanjiru in 2:05:49 Stunden. Für den 24 Jahre alten Läufer ist es nach dem Amsterdam-Marathon 2016 der zweite Erfolg bei einem internationalen Spitzenevent. (frez.)

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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