Marathon-Star Eliud Kipchoge

Ohne Bäume geht’s nicht

EIN KOMMENTAR Von Michael Reinsch
09.09.2021
, 14:17
Kipchoges Zieleinlauf bei den Olympischen Spielen.
Weltrekordhalter im Marathon, zweifacher Olympiasieger, mehrfacher Weltmeister: Eliud Kipchoge hat schon viel erreicht. Welches Ziel soll sich dieser Mann noch setzen? Er hat eines gefunden.

Ali, Pele, Usain – für die größten Sportler der Welt reicht der Vorname. Fast jeder verbindet etwas mit ihnen, viele sind mit den Champions emotional verbunden – durch die Erinnerung an eine spektakuläre Aktion, an einen unvergesslichen Sommer, eine unerreichbar scheinende Zeit. Das gilt auch für Eliud, den erfolgreichsten Marathonläufer der Welt, den schnellsten der Geschichte. Er hat den Vorteil, dass seine glorreichen Momente nicht allein die fünfzehn Runden eines Boxkampfes (oder weniger) umfassen, die neunzig Minuten eines Fußballspiels, die zehn Sekunden (oder weniger) eines Sprints, sondern die rund zwei Stunden eines Marathons. Reicht das?

Eliud Kipchoge ist fünfzehn dieser Langläufe gelaufen, dreizehn hat er gewonnen. Er hält den Weltrekord, ist zwei Mal Olympiasieger, war Weltmeister über 5000 Meter und im Cross, und im zweiten Anlauf ist es ihm sogar gelungen, die Marathondistanz von 42.195 Meter auf einem kleinen Rundkurs in einem Pulk von Tempomachern in weniger als zwei Stunden zu laufen. Er nennt dieses erfolgreiche Experiment, weil es sein Bewusstsein veränderte und das der Laufwelt schon gar, seine persönliche Mondlandung. Welches Ziel soll sich dieser Mann noch setzen?

Investition in die Zukunft

Er hat eines gefunden: Eliud wird die Welt retten. Im vergangenen Jahr versorgte er, als wegen der Pandemie keine Laufwettbewerbe stattfanden, Not leidende kenianische Läuferinnen und Läufer mit Lebensmittelpaketen. Er kauft fünfzig Hektar Wald, um ihn zu schützen. Er forderte seine Landsleute auf, an ihren Geburtstagen Bäume zu pflanzen, um für saubere Luft zu sorgen. Und er begann den Bau einer Bibliothek an der Grundschule seiner Geburtsstadt Kapsisiywa in der Nandi-Region von Kenia. Dann verschwand er für Monate im Trainingslager und bereitete sich vor auf Olympia.

Am Mittwoch nun kündigte er an, der Doppel-Olympiasieger im Marathon, die Pläne seiner Stiftung auf einen neuen Maßstab zu vergrößern. Jede Grundschule Kenias soll eine Bibliothek bekommen, damit jedes Kind die Chance erhält, Bücher zu lesen. Eliud investiert nicht in das Geschäftsmodell Schule, mit dem viele Reiche in Kenia ihre Zukunft sichern.

Er investiert in die Zukunft und wird Stipendien für Kinder vergeben, deren Familien das Schulgeld nicht aufbringen. Und er wird seinen Ruhm in der weiten Welt des Laufens nutzen, um für den Schutz von Bäumen und Wäldern zu werben, er wird dazu einladen, so schnell und so viele Setzlinge wie möglich zu pflanzen. Laufen solle auf der ganzen Welt Lebensart werden, hat er sich vorgenommen. Wer draußen trainiert mit langem Atem, weiß um den Wert von Sauerstoff und sauberer Luft.

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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