European Open in Winsen

Gewinner ist der Platz

Von Wolfgang Scheffler
07.06.2021
, 21:30
Golfspieler Marcus Armitage gewann die European Open in Winsen an der Luhe.
Der englische Golfprofi Marcus Armitage meistert die Klippen in Winsen besser als die großen Namen. Für ihn ist dieser Sieg die späte Wende einer Karriere, die von ständigem Auf und Ab geprägt ist.
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Der Sieg von Marcus Armitage bei der European Open in Winsen an der Luhe hat nicht nur den 33 Jahre alten Engländer gerührt. Als der Golfprofi aus Huddersfield am Montagnachmittag beim Siegesinterview seine Lebensgeschichte erzählte, kämpfte er ständig mit den Tränen: „Ich habe meine Mutter verloren, als ich 13 Jahre alt war. Seitdem habe ich von einem Sieg geträumt“, sagte Armitage.

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Am Montag wurde dieser Traum endlich wahr, dank einer glänzenden Abschlussrunde von 65 Schlägen, der mit Abstand besten des Tages auf dem Nord Course der Green Eagle Golf Courses. Armitage siegte mit insgesamt 208 Schlägen (8 unter Par) mit zwei Schlägen Vorsprung vor seinem Landsmann Matthew Southgate, dem Belgier Thomas Detry, dem Italiener Eduardo Molinari und dem Niederländer Darius van Driel, die alle insgesamt 210 Schläge benötigten.

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Auf dem sechsten Platz landete der Titelverteidiger Paul Casey (211 Schläge), als 21. der Weltrangliste einer der Favoriten. Der 43 Jahre alte Engländer überstand als einziger der wenigen großen Namen in diesem Turnier den Cut. Der Mexikaner Abraham Ancer, 17. der Hackordnung, war wie sein deutscher Mitspieler Martin Kaymer vorzeitig gescheitert.

Späte Wende in der Karriere

Das machte den Weg frei für Profis, die seit vielen Jahren vergeblich einem Sieg in der ersten europäische Liga nachjagen. Armitage, in der Weltrangliste nur auf Rang 190 geführt, war als Elfter 55 Minuten vor dem Schlussduo auf die Runde gegangen und musste nach seiner glänzenden Finalrunde lange bangen, ob es für seinen allerersten Sieg auf der European Tour reichen würde. Denn Southgate war ihm bis auf einen Schlag nahegekommen, doch dann forderte der extrem schwere Platz ein weiteres Opfer.

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Der Engländer bezeichnet sich, obwohl er im Ranking nur auf Rang 269 auftaucht, als einer der besten Driver in der Welt. Doch ausgerechnet am letzten Loch verzog er seinen Abschlag nach links in eines der vielen Wasserhindernisse auf diesem extrem langen Platz, bei dem allerdings am Schlusstag etliche Abschläge weiter nach vorne verlegt worden waren. Southgate kassierte ein Bogey, ein bitteres Ende bei seinem 177. sieglosen Auftritt auf der European Tour.

Für Armitage dagegen ist dieser mit 179.600 Euro dotierte Sieg die späte Wende einer Karriere, die von ständigem Auf und Ab geprägt ist. 2017 hatte er sich erstmals für die European Tour qualifiziert, die Spielberechtigung aber sofort wieder verloren und war auf die Challenge Tour zurückgekehrt. Erst über die European Tour Q School stieg er Ende 2020 wieder in die erste Liga auf.

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Sein englischer Trainer Robert Rock, der nebenher auch noch aktiv auf der Tour spielt, lieh ihm das Geld für den Flug nach Südafrika. Es lohnte sich: Armitage gelang mit dem dritten Platz bei der South African Open seine bisher beste Platzierung. Ein vierter Platz bei der Austrian Open und ein achter Rang in der vorigen Woche in Dänemark deuteten an, dass der ständig Kaugummi kauende Profi ganz vorne mitspielen kann – zumindest, wenn die besten Europäer nicht am Start sind.

Das kann man leider von den deutschen Profis derzeit nicht sagen. In Winsen belegte mit dem 31 Jahre alten Marcel Schneider der beste Deutsche den geteilten siebten Platz. Der Schwabe aus Bietigheim-Bissingen wechselte schon 2012 nach einer glanzvollen Amateurkarriere ins Profilager. Er hatte mit der Australian Amateur Championship das drittwichtigste Turnier gewonnen, war in der Amateur-Weltrangliste bis auf Rang sechs geklettert. Doch erst jetzt scheint er auf dem Weg zu sein, sich endlich seinen Arbeitsplatz auf der European Tour zu sichern. Durch den siebten Platz kletterte der 382. der Weltrangliste im Race to Dubai, der europäischen Geldrangliste, auf den 118. Rang. Damit ist er nur noch drei Plätze von einer Platzierung unter den Top 115 entfernt, die ihm für die nächste Saison die volle Spielberechtigung auf der European Tour sichern würde.

Neben Schneider gab es noch einen deutschen Gewinner: den Nord Course, mit 7167 Metern der längste und schwerste Platz in Deutschland. „Es war wie bei einem Major“, beschrieb Casey den Platz mit den vielen Wasserhindernissen und dem hohen Rough am Rande der Spielbahn. Am ersten Tag, als der Wind das Spiel zusätzlich erschwerte, empfand Casey den Platz gar als schwieriger als den in Kiawah Island, wo er bei der PGA Championship den vierten Platz belegt hatte. „Trotzdem ist der Platz fair“, sagte Casey, „aber jeder Fehlschlag kann hier schlimme Folgen haben.“

Quelle: F.A.Z.
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