Masterplan für Wachstum

Das „goldene Jahrzehnt“ des Handballs

EIN KOMMENTAR Von Frank Heike
Aktualisiert am 05.02.2020
 - 11:46
Rasantes Spiel vor vollen Rängen: Handball boomt.
Europas Handball möchte hoch hinaus. Der Treibstoff des Wachstums ist, natürlich, Geld. Aber es geht um mehr. Wenn nicht alles täuscht, macht der Handball gerade ein paar entscheidende Dinge richtig.

Das Lächeln wollte gar nicht mehr verschwinden bei Michael Wiederer. Noch in Stockholm hatte der Präsident der Europäischen Handball-Föderation (EHF) am Final-Wochenende der Europameisterschaft Ende Januar von Zuwachsraten in allen Bereichen gesprochen. Ausverkaufte Sponsorenpakete, mehr Teilnehmer, mehr Hallen, mehr Zuschauer, dazu ein teilweise sehr hohes Interesse des Fernsehpublikums, beispielsweise in Kroatien.

Auch ein paar Tage später auf der Sportbusiness-Messe in Düsseldorf war Wiederer ein gefragter Mann. Es sind nicht nur Kernziffern des Wachstums, die er präsentieren kann. Gemeinsam mit den Mitgliedsverbänden hat die EHF einen „European Handball Masterplan“ entworfen. Darin geht es neben der Wirtschaftskraft des Handballs, der Vernetzung und einem einheitlichen Erscheinungsbild bei kommenden Turnieren erfreulicherweise auch um Fanbelange und das weitere Gedeihen des Handballs an der Basis.

Treibstoff dieses „goldenen Jahrzehnts des europäischen Handballs“ ist, natürlich, viel Geld. Der in Köln im Mai 2018 abgeschlossene Zehnjahresvertrag über Marketing- und Medienrechte mit den Vermarktern Infront und DAZN spült eine halbe Milliarde Euro, verteilt auf zehn Jahre, in die Kassen der EHF. Enorm geholfen hat der EHF der Fernsehvertrag des Deutschen Handballbundes mit den öffentlich-rechtlichen Sendern – bis mindestens 2024 übertragen ARD und ZDF in bewährter Weise, wenn jedes Jahr im Januar ein Handball-Großturnier ausgetragen wird – die Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft vorausgesetzt. Der deutsche Markt ist für die EHF der mit Abstand wichtigste.

Die EHF ist sich bewusst, welch gutes Produkt sie in Händen hält. So wird die Champions League, ihr wichtigstes Klubturnier, weiterhin im Bezahlfernsehen laufen. Ob das von der neuen Saison an bei Sky oder DAZN sein wird, interessiert erst einmal nur Insider, denn für den „normalen“ Zuschauer wird es hier wie da mit Kosten verbunden sein. Doch die EHF hat schon klargemacht, dass sie sich mehr Verbreitung wünscht; vielleicht wird es die Champions League bald von Fall zu Fall auch bei ARD und ZDF zu sehen geben. Eine Stufe drunter, beim EHF-Pokal, der von der nächsten Spielzeit an Europa League heißen wird, soll vieles besser, professioneller werden. Bisher findet die kleine europäische Spielrunde nur Anhänger unter den ganz hartgesottenen Handballfans.

Doch mit mehr Preisgeld soll die Europa League wie der große Bruder Champions League ordentlich aufgewertet werden. Aktuell erhält der Sieger der Königsklasse eine knappe halbe Million Euro an Prämien. Der Titelträger im Mai 2021 wird das Doppelte bekommen. Die Europa League soll nicht weiter ein Zuschussgeschäft sein. Die bekanntlich hochbelasteten Spieler werden finanziell zu Profiteuren der Entwicklung. Und während die Verbände an ihrem jährlichen Großturnier keinesfalls rütteln wollen, wird es in der Champions League durch ein verkleinertes Feld tatsächlich weniger Spiele geben von der Saison 2020/21 an: Wenn nicht alles täuscht, macht der europäische Handball derzeit ein paar entscheidende Dinge richtig.

Quelle: F.A.Z.
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