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Ringen

Der „Bruder“ übernimmt den Pokal

Von Daniel Meuren
 - 12:02
Nicht überhoben: Matthias Maasch gewinnt mit seinem Heimatverein Wacker Burghausen den deutschen Meistertitel

In den vergangenen vier Jahren gab es eine Konstante im Ringen: Wenn es um den Titel des deutschen Mannschaftsmeisters ging, dann entschied stets Frank Stäbler, der einzige aktive deutsche Weltmeister, zu Gunsten seines Teams über die Pokalvergabe, gleich in welchem Team er gerungen hat. Frank Heinzelbecker, Trainer von Stäblers Vorjahresteam von Germania Weingarten, sagte deshalb einmal den schönen Satz: „Wo Stäbler ist, ist die Meisterschaft.“

Die Aussage wurde in diesem Jahr, in dem das deutsche Mannschaftsringen durch den Streit zwischen dem Deutschen Ringerbund samt seiner Bundesliga und den abtrünnigen und in der Deutschen Ringerliga organisierten fünf Klubs aus Weingarten, Nendingen, Ispringen, Schifferstadt und Eisleben auf den Kopf gestellt wurde, falsifiziert: Stäbler rang für den VfL Neckargartach und schied ausnahmsweise schon im Viertelfinale aus. Der 28 Jahre alte Griechisch-Römisch-Spezialist scheiterte, nachdem er Weingarten wegen einer drohenden Sperre durch den DRB für DRL-Ringer verlassen musste, mit seinem neuen Klub am SV Wacker Burghausen und wünschte dem Gegner schon damals alles Gute für den Titelgewinn.

In Burghausen ringt schließlich einer von Stäblers engsten Freunden: Matthias Maasch, langjähriger Trainingspartner und bei Duellen wie in den Viertelfinalkämpfen zwischen Burghausen und Neckargartach auch stets wehrhafter, wenn auch unterlegenger Gegner. Stäbler bezeichnet Maasch als „Bruder“. Und nun nahm der Bruder den Pokal in Empfang. Nach dem Sieg sagte Stäbler nun: „Niemandem gönne ich es mehr als ihm.“

So muss eine runde Geschichte enden: Natürlich war es Maasch sogar vorbehalten, die letzten nötigen Punkte zum Gewinn des deutschen Mannschaftsmeistertitels des SV Wacker Burghausen im Finale beim KSV Köllerbach zu erringen, das Burghausen am Ende nach einem 20:8-Hinkampfsieg und einer 12:14-Niederlage am Samstagabend für sich entschieden hat. Der Griechisch-Römisch-Spezialist in Reihen des SV Wacker Burghausen ist schließlich das Gesicht des Klubs, der am Samstagabend erstmals den Pokal in die kleine Stadt an der Grenze zu Österreichs holte. Der 31 Jahre alte Nationalmannschaftsringer blieb seinem Heimatverein immer treu, seit er vor einem Vierteljahrhundert mit dem Ringen angefangen hatte. Finanziell attraktivere Abwerbeversuche lehnte er immer wieder ab. „Es macht mich nun umso glücklicher, dass diese Heimatverbundenheit heute so belohnt wird“, sagte Maasch nach dem Kampf vor fast 2000 Zuschauern in der Völklinger Hermann-Neuberger-Sporthalle. „Es ist einfach noch mal was anderes, wenn man mit seinem eigenen Klub deutscher Mannschaftsmeister wird als wenn man irgendwo als Legionär dabei ist.“

Maasch ist in Burghausen zudem mehr als nur der Ringer, der wechselweise in den Klassen bis 71, 75 oder auch wie am Samstagabend beim 8:0-Sieg nach Punkten gegen Marc-Antonio von Tugginer in der Klasse bis 80 Kilogramm ringt. Maasch ist auch in die Planung des Klubs eingebunden, er fädelte dank seiner Nationalmannschaftsbeziehungen vor der Saison die Wechsel von deutschen und internationalen Spitzenringern ein, sodass der Bundesligarückkehrer Burghausen plötzlich zum Spitzenteam wurde. Maasch als Aushängeschild des Klubs sowie die weiteren Eigengewächse Andreas Maier und Eugen Ponomartschuk wiederum dürften maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Stadt Burghausen mit ihrer Tourismuswerbung zum maßgeblich Sponsor der Ringer in einem von Legionären aus Ringernationen wie Russland, der Türkei oder Ungarn geprägten Sport wurde. So war es dem Klub möglich, Weltklasseathleten wie Khahaber Khubetzty, Tamas Lörincz, Vladimir Egorov oder Magomedmurad Gadhziev zu verpflichten, die das gute deutsche Ensemble zum Meisterschaftsanwärter werden ließen.

So entwickelte sich ein Team, das in den Playoffs auf einem steinigen Weg zu einer richtigen Spitzenmannschaft wurde. In allen K.o.-Runden vom Achtelfinale bis zum Halbfinale standen die Bayern vor dem aus, immer wieder wuchsen einzelne Kämpfer über sich hinaus und drehten vor allem in der Runde der letzten vier gegen Mainz einen schon fast verlorenen Kampf zu ihren Gunsten. „Diese Erlebnisse haben uns zusammengeschweißt“, sagt Maasch. „Auch wenn Du auf der Matte ganz alleine bist, so ist es einfach gut, wenn Du weißt, wenn hinter die eine ganze Mannschaft steht.“

Die Würfel werden neu gemischt

Und dazu eben der Weltmeister Stäbler, der anders als in der Hauptdarstellerrolle in den Vorjahren den Finalkampf nur aus der Ferne beim Schneeschuhwandern verfolgte. „Er sagte mir vorher, dass er mir die Daumen drückt und mir ganz besonders gönnt, dass ich den Pokal quasi von ihm übernehme“, sagt Maasch.

Wie das im kommenden Jahr aussehen wird, steht derweil vollkommen in den Sternen. Die Würfel werden im Mannschaftsringen ganz neu gemischt. Dann gilt bei der Zusammenstellung einer Zehner-Mannschaft eine Punktewertung für jeden einzelnen Sportler, die den Einsatz von Ringern aus dem eigenen Nachwuchs belohnt, was den im Finale unterlegenen Köllerbachern entgegenkommen dürfte, die neben ihrem neuen Aushängeschild Etienne Kinsinger eine ganze Reihe an konkurrenzfähigen Eigengewächsen im Kader haben. Der DRB will damit die Nachwuchsförderung stärken und zugleich die Gehälter für Spitzenringer möglichst begrenzen, damit die Leistungsunterschiede in der Liga nicht so massiv sind wie in der vergangenen Saison, als Top-Teams wie Köllerbach, Mainz oder Burghausen meist keine Gegenwehr erhielten. Die Liga entfernt sich damit freilich noch etwas mehr von dem Niveau der einst stärksten Ringerliga der Welt.

Wie geht es weiter?

Eine Variable in der Entwicklung der Bundesliga ist auch die Deutsche Ringerliga, die bislang auf nur sehr wenige deutsche Ringer bauen kann, die keine Ambitionen mehr beim DRB haben und somit eine Sperre für DRB-Veranstaltungen in Kauf genommen haben. Die DRL, die an den kommenden beiden Wochenende ihre Finalkämpfe zwischen dem KSV Ispringen und dem Traditionsverein VfK Schifferstadt austrägt, war dadurch auf Ausländer angewiesen, die freilich ein im Schnitt deutlich höheres ringerisches Niveau auf die Matte brachten als in der Bundesliga. Das Publikumsinteresse sowie die Sponsorenunterstützung war dafür, dass beispielsweise das einst von Wilfried „der Kran“ Dietrich geprägte Schifferstadt teils fast ausschließlich mit Georgiern rang, bemerkenswert. Es wird sich weisen, ob nach einem wegweisenden Urteil bezüglich von Startverboten in einem ähnlich gelagerten Fall im Eisschnelllauf in der neuen Saison Spitzenringer aus der Bundesliga in die DRL abwandern werden. Für Maasch ist das aber beispielsweise kein Thema. „weder wir als Klub noch ich als Einzelsportler ziehe das in Erwägung“, sagte er.

Bei allen Streiterein zwischen DRB und DRL war es für das Ringen in den vergangenen Monaten freilich ein positiver Nebeneffekt, das in der Summe aus 21 Bundesliga- und fünf DRL-Vereinen an 26 Standorten Erstligaringen angeboten wurde, was den Zuschauerzahlen gerade bei kleiner Klubs zugute kam, die in Derbys auf Augenhöhe viele spannende Kämpfe boten. Entsprechend zufrieden zeigte sich DRB-Präsident Manfred Werner nach dem Finale am Samstagabend. „Wir haben eine gute Liga mit einer gesunden Mischung aus deutschen und internationalen Ringern“, sagte er, der die DRL als reine Liga ausländischer Ringer kritisiert.

Matthias Maasch sieht die Sache als Sportler etwas differenzierter. „Ich glaube, dass das vergangene Jahr dem Mannschaftsringen gut getan hat. Es ist aber auch keine Frage, dass die DRL ringerisch überzeugt hat. Aber es müssen endlich alle an einen Tisch, damit wieder alle an einem Strang ziehen.“ Die Art und Weise, wie Burghausen dank Mannschaftsgeist den Titel errang, könnte dabei vorbildhaft sein.


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„Abkochen“ mit Ringer Stäbler
Der Kampf vor dem Kampf
Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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