Darts-WM

Der deutsche Pfeil

Von Daniel Meuren
23.12.2015
, 11:34
In London und auf den Fernsehgeräten fliegen wieder die Pfeile durch die Gegend. Darts-Profi Max Hopp hofft bei der WM beginnend mit seinem Auftaktspiel am Mittwoch auf den Durchbruch. Dem Geschäft der Organisatoren käme ein deutscher Held entgegen.

Wenn es ums Gewicht geht, sprechen Darts-Spieler meist über Grammzahlen. In diesen Tagen diskutiert bei der PDC-Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace die gesamte Gemeinde, wie es möglich ist, dass der Rekordweltmeister Phil Taylor seinen 17. Sieg mit nur noch 22 Gramm leichten Pfeilen erringen will, nachdem er zuletzt noch 26 Gramm auf die 2,37 Meter entfernte Scheibe geworfen hatte. Vier Gramm sind eine Welt.

Max Hopp fällt derweil wegen gut 25 Kilogramm auf. Die hat der 19 Jahre alte Deutsche, Spitzname Maximiser, in den vergangenen anderthalb Jahren zunächst abgenommen, um anschließend einen recht austrainierten Körper zu pflegen mit gesunder Ernährung und fast täglichem Fitnessprogramm in Studi und auf der Laufstrecke.

Mens sana in corpore sano

Das ist ungewöhnlich in einem Sport, wo die Protagonisten fast durch die Bank übergewichtig ans „Oche“, die Wurflinie treten. „Für mich war ausschlaggebend, dass ich fit sein muss, um mich konzentrieren zu können. Ich habe gemerkt, dass ich Sportler bin und das für mein Wohlbefinden brauche“, sagte Hopp bereits vor geraumer Zeit in einem Gespräch mit FAZ.NET.

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© FAZ.NET - Daniel Meuren, FAZ.NET - Daniel Meuren

Die überflüssigen Pfunde hatte er zuvor zugelegt, weil er wegen einer Verletzung mit dem Handball aufhören musste. Hopp will nun mit seinem Werdegang beweisen, dass auch klassische Sporttugenden wie Fitness und gesunder Lebenswandel im Dart leistungsfördernd sind. Er hofft also auf den beim Pfeilewerfen für die Konzentration so wichtigen gesunden Geist im gesunden Körper.

In diesem Jahr ist ihm das recht gut gelungen, er errang Achtungserfolge gegen die meist zwei- bis dreimal so alte Konkurrenz, zudem hat er Ende November die Junioren-WM gewonnen. Es war der erste Sieg eines deutschen Spielers bei einem offiziellen Turnier der Professional Darts Corporation (PDC), der attraktiveren und lukrativeren zweier internationaler Profispielerorganisationen. Hopp spielte somit in diesem Jahr bis zum WM-Start, der weitere Einnahmen garantiert, immerhin über 20.000 Pfund ein.

Gut fürs Geschäft

Der nun bei Plauen wohnhafte, aber aus dem hessischen Idstein stammende Pfeilewerfer hat in diesem Jahr zudem erstmals einen Nine-Darter geworfen, also die 501 Punkte eines Legs mit der Minimalzahl von neun Würfen runtergespielt. All das erhöht die Erwartungen, dass Hopp endlich als erstem deutschen Spieler der Durchbruch gelingen möge. Bislang ist es noch keinem deutschen Spieler gelungen, abseits einzelner überraschender Siege gegen Spitzenspieler auch nur einen echten Überraschungscoup in der von Engländern und Niederländern dominierten Sportart zu landen.

Dank seiner Sponsoren kann sich Hopp immerhin sein Leben als Profi leisten und recht entspannt so konzentriert wie noch kein Landsmann vor ihm aufs Fortkommen in der Branche hinarbeiten. Dafür hat er ein paar Jahre eingeplant, bis dann große Erfolge oder doch der Ausstieg ins normale Leben folgen müssen.

Das wäre nicht nur für ihn erfreulich, sondern auch für das Geschäft von Barry Hearn, der als Investor und Chef der PDC die populärere und lukrativere zweier konkurrierender Weltmeisterschaften ausrichtet. „Wenn Max unter die besten 16 der Welt kommt, wird das bei euch passieren, was Boris Becker mit Tennis geschafft hat“, behauptet Hearn, der bislang sein Geld fast ausschließlich in England und den Niederlanden verdient, wo der Sport noch viel mehr als in Deutschland ein Quotenhit im Fernsehen ist.

Sollte Hopp erfolgreich sein, wäre der deutsche Markt endgültig „angezapft“, nachdem der Spartensender Sport 1 schon jetzt ohne deutsches Aushängeschild gute Quoten mit Spitzenwerten weit über einer Million Zuschauern erzielt zwischen Weihnachten und dem Endspieltag Anfang Januar. Dann freilich wird Hopp, der nach den Erstrunden-Niederlagen seiner Landsmänner Jyhan Artut und René Eidams der einzige noch im Feld verbliebene Deutsche ist, kaum dabei sein. Denn schon im Eröffnungsspiel am Mittwochabend (ca. 20.30 Uhr live in Sport 1) gegen den Niederländer Benito van de Pas ist er Außenseiter. Sollte er van de Pas besiegen und nach Weihnachten zwei weitere Duelle gewinnen, hätte er wohl die Chance zum großen Coup. Im Viertelfinale könnte nämlich Michael van Gerwen der Gegner sein. Der Niederländer hat in diesem Jahr fast alles gewonnen, was im Dart Bedeutung, also Gewicht, hat.

Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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