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Mo Farahs Mittelchen

Gedächtnislücken und eine Lüge

Von Michael Reinsch
 - 17:41
Hat er etwas zu verbergen? Mo Farah hält sich mit Kritik am gesperrten Trainer Alberto Salazar bis heute zurück.

Erstaunliche Gedächtnislücken und eine Lüge von Mo Farah sind in den vergangenen Tagen ans Licht gekommen. Dies werfe Fragen nach seiner Glaubwürdigkeit auf, kommentiert der „Guardian“, und die „Daily Mail“ schreibt, der Olympia-Held Sir Mo Farah wirke wie ein Mann, der etwas zu verbergen habe. Die BBC-Sendung Panorama zitierte am Montagabend aus einem Protokoll der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada, wie der viermalige Olympiasieger und sechsmalige Weltmeister drei Mal gefragt wird, ob ihm vor seinem Marathon-Debüt in seiner Heimatstadt London 2014 L-Carintin verabreicht worden sei. Farah bestreitet dies drei Mal.

Wenige Minuten nach Ende der Befragung kehrt der Läufer zurück und bestätigt nun, das Mittel genommen zu haben. In der Zwischenzeit hatte er mit Barry Fudge gesprochen, dem Leiter der Ausdauer-Sparte im britischen Leichtathletikverband, der gegenüber den Anti-Doping-Ermittlern nicht nur die Carnitin-Gabe zugegeben hatte, sondern auch, dass er in die Schweiz geflogen war, um die Substanz zu beschaffen. „Ich wollte das nur klarstellen“, gibt Farah zu Protokoll, „tut mir leid, Jungs, und ich habe es damals genommen und ich dachte, ich hätte es nicht. . .“

Die Befragung war Teil der Ermittlungen, die zur vierjährigen Sperre von Farahs einstigem Trainer Alberto Salazar und der Auflösung der Laufgruppe Nike Oregon Project führten, der auch die deutsche Läuferin Konstanze Klosterhalfen angehörte. Salazar will gegen seinen Ausschluss vom Sport vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) klagen. L-Carnitin gilt zwar als leistungssteigernd, bis zur Gabe von 50 Milliliter innerhalb von sechs Stunden aber nicht als Doping. In der Anhörung vor einem Ausschuss des britischen Unterhauses 2017 gab der Arzt Rob Chakraverty zu Protokoll, dass er Farah seinerzeit 13,5 Milliliter L-Carnitin injiziert habe. Er habe allerdings versäumt, dies zu protokollieren. Inzwischen haben die Beteiligten eingeräumt, dass Farah vor dem London-Marathon 2014 vier Injektionen erhielt.

Bereits am Samstag gab Farah in der „Times“ zu, über seine Bekanntschaft mit dem des Dopings verdächtigen somalischen Trainer Jama Aden gelogen zu haben. Auf einer Pressekonferenz bei den Olympischen Spielen von Rio 2016 hatte er ein Foto von Aden und ihm damit abgetan, dass er oft mit Fans für Selfies posiere; er kenne Aden nicht. Nun lud er kurzfristig einen Reporter in sein Trainingslager in Äthiopien ein, um zu versichern, dass er mit den Machenschaften von Salazar nichts zu tun habe. Über den Coach verlor er dabei kein böses Wort, wohl aber über die Kronzeugen Kara Goucher und Steve Magness.

Mit Jama Aden sei er, räumte Farah dabei ein, schon weil sie beide aus Somalia stammten, seit Jahren bekannt gewesen. Gegen Aden ermitteln die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und die spanische Polizei, seit bei der Razzia eines von ihm organisierten Trainingslagers bei Barcelona 2016 Doping-Mittel gefunden wurden. Der britische Leichtathletik-Verband beschäftigte Aden in einem Trainingslager mit Farah. Als Panorama 2015 gemeinsam mit der Website ProPublica.org berichtete, dass Salazar mit Testosteron und Thyroxin sowie anderen im Sport verbotenen Substanzen experimentiere, begann die Usada zu ermitteln.

Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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