Ruder-Debakel bei EM

Oliver Zeidler bricht ein und kritisiert

Von Elisabeth Schlammerl, München
14.08.2022
, 18:29
Keine Medaille für Oliver Zeidler bei den Europameisterschaften in München.
Oliver Zeidler rudert bei der EM in München lediglich auf den vierten Platz. Danach reicht die Kraft noch, um abermals gegen den deutschen Ruderverband auszuteilen. Die Fronten scheinen verhärtet.
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Es lief lange nach Plan bei Oliver Zeidler. Nach 1250 Meter zog er vorbei an der Konkurrenz und ruderte als Erster Richtung Ziel. Es sah nach Gold aus, dem einzigen Titel bei den European Championships für den Deutschen Ruderverband. Dann erwischte ihn eine Böe und, statt Kräfte zu sparen, musste er dagegenhalten. „Das hat mir das Genick gebrochen.“

Auf der rechten Seite kam der Niederländer Melvin Twelaar mit kräftigen Schlägen immer näher heran und überholte Zeidler schließlich. „Irgendwann“, sagte er, „sind mir die Arme blau geworden“, und er rutschte schließlich auf den letzten Metern sogar noch aus den Medaillenrängen. Damit war der dritte Platz von Alexandra Föster aus Meschede im Frauen-Einer auf der Olympiaregattastrecke von München-Oberschleißheim das einzige Edelmetall in den olympischen Bootsklassen für den DRV.

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Viel Arbeit voraus

Zeidlers Finale war der letzte Ruder-Wettbewerb der Titelkämpfe – und es hätte der Höhepunkte werden sollen, ein goldener – 50 Jahre nach dem Olympiasieg seines Großvaters Johann Färber an gleicher Stelle. Es wäre eine schöne Geschichte gewesen und hätte zudem seiner Kritik zu Beginn der European Championships Nachdruck verliehen. Seiner Kritik am Fördersystem in Deutschland im Allgemeinen und im Speziellen an dem des Ruderverbands sowie an Sportdirektor Mario Woldt.

Dass damit der Druck noch ein wenig größer wurde, als der wegen des Ehrgeizes, es dem Großvater nachzumachen, ohnehin schon war, nahm er in Kauf – und scheiterte. „Neben der Physis muss eben auch der Kopf mitspielen“, sagte Brigitte Bielig, Cheftrainerin im Deutschen Ruderverband. Aber Zeidler werde das „schon überstehen“ und bei der WM in Racice Ende September wieder in Topform sein. Der Titelverteidiger weiß jedenfalls, woran er arbeiten muss. Weniger am Kopf, mehr an Physis auf den letzten 200 Metern, meint er.

Wird von einer Böe erwischt: Oliver Zeidlers (Mitte) Strategie geht am Ende nicht auf.
Wird von einer Böe erwischt: Oliver Zeidlers (Mitte) Strategie geht am Ende nicht auf. Bild: Reuters

Eine knappe Stunde nach dem Rennen wirkte der 26-Jährige von der Frankfurter RG Germania noch immer mitgenommen. Aber die Kräfte reichten, um noch einmal verbal nachzulegen. Gespräche hatte es in den EM-Tagen nicht gegeben zwischen Woldt und Bielig auf der einen Seite und Zeidler auf der anderen. Aber es wurde genügend übereinander geredet, sodass der Weltmeister wusste, dass die beiden grundlegend anderer Meinung seien.

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Ihm vorzuwerfen, er könne das nicht beurteilen, „zeigt, dass die Leitungsposition im Sport überhaupt keine Ahnung hat“, sagte Zeidler in der ARD. Es verdeutliche „das Kommunikationsproblem“ und das „fehlende Vertrauensverhältnis“ zwischen Sportführung und den Athleten.

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Zeidlers Kritik

Die Fronten scheinen verhärtet. Allerdings zeigt ausgerechnet der Präsident Verständnis für Zeidler und will nun im Anschluss an die EM versuchen, den Konflikt zu moderieren, „um gemeinsame Lösungen zu finden“, sagt Moritz Petri. Denn es sei bei der Kritik „ganz viel Wahres dran“. Zeidler habe ihm „in vielen Punkten aus der Seele gesprochen“, nur nicht bei der Beurteilung von Woldt.

Eine Ablösung des Sportdirektors führe nicht zwangsläufig zu einem anderen, besseren Ergebnisbild: Petri hat nach Zeidlers Kritik mit dem Athletenvertreter im Präsidium, Richard Schmidt, gesprochen. Der ehemalige Ruderer saß im erfolgreichen Achterboot der vergangenen Jahre, gewann in London Olympia-Gold und bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro und Tokio jeweils Silber und bestätigte offenbar, dass es Unzufriedenheit im Kreise der Athleten und Athletinnen gebe.

Keine Sonderregelung

Dabei geht es in erster Linie um die Zentralisierung des Leistungssportes. 2018 war diese beschlossen, wegen der Corona-Pandemie aber erst einmal ausgesetzt worden. In diesem Jahr wurde das Projekt, das sowohl für Woldt als auch für Bielig nicht verhandelbar ist, vorangetrieben. Das aber sorgte für Unmut.

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Ab 2023 müsste alles dem Rudersport untergeordnet werden, sagte Bielig. Studium, Privates und eben auch das persönliche Wohlbefinden. „Eine Sonderregelung wird es nicht geben“, ließ die Cheftrainerin wissen. Ausnahmen gibt es nur für die Einer-Ruderer, also Zeidler und Föster.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Trainingsgruppe Zeidler und die sportliche Verbandsführung aneinandergeraten. Die Verantwortlichen werfen Heino Zeidler, der seinen Sohn Oliver trainiert, vor, er koche zu sehr sein eigenes Süppchen, teile seine Methoden und Erkenntnisse nicht. Allerdings ist Zeidler auch kein offizieller DRV-Trainer, sondern bekommt bisher lediglich ein kleines Honorar, das seine Gehaltseinbußen kompensiert. Der Polizist hat seine Arbeitszeit reduziert, um mehr Zeit für das Training mit seinem Sohn zu haben.

In diesem Zusammenhang soll immer mal wieder gedroht worden sein, dass damit bald Schluss sei. Woldt dementierte dies im Gespräch. „Oliver hat hier sein Umfeld, das ihm ermöglicht, seine Leistung abzurufen. Wir gehen da mit.“ Und auch Bielig bekräftigte, dass das so bleiben solle. Sie schlug am Ende versöhnliche Töne an. „Wir werden das Gespräch suchen und auch einen guten Weg finden“, ist sie sicher. Zeidler sieht das im Moment noch ein bisschen anders.

Quelle: F.A.Z.
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