Sorgen um den Superstar

Was wäre der Golfsport ohne Tiger Woods?

Von Wolfgang Scheffler
01.03.2021
, 08:27
Ein Bild, das der Vergangenheit angehört? Tiger Woods beim Golfschwung
Wird der Golf-Star nach seinem schweren Unfall noch einmal auf den Platz zurückkehren? Viele Stars von heute spüren sein Fehlen. Woods selbst meldet sich mit dankbaren Worten.

Golf ohne Tiger Woods – es ist, so schwer es auch fällt, ein Gedanke, an den sich Sportfreunde in aller Welt vielleicht gewöhnen müssen. Der schwere Verkehrsunfall südlich von Los Angeles am vergangenen Dienstag, bei dem sich der 45 Jahre alte Superstar mehrfach überschlug und sich schwere Verletzungen am rechten Bein und Fuß zuzog, lässt viele von den Medien befragte Ärzte zweifeln, ob der Superstar überhaupt noch einmal Golf spiele könne. Denn bisher wurden im ärztlichen Bulletin nur die Verletzungen am rechten Bein erwähnt. Wie aber hat sein ramponierter Rücken, an dem Woods kurz vor Weihnachten zum fünften Mal operiert worden war, diesen Crash überstanden?

Woods hat in seiner Karriere viele Rückschläge weggesteckt, den Rummel um seine außerehelichen Affären 2009, drei Operationen an seinem linken Knie, die vielen Eingriffe an seinem Rücken. Im vergangenen Jahr nahm Woods nur an neun Turnieren teil, ein neunter Platz im Januar blieb sein bestes Resultat. Immer blieb Woods weit von den Leistungen, die er bei seinem fünften Masters-Sieg im April 2019, dem 15. Major-Sieg seiner Karriere, gezeigt hatte, weit entfernt.

Ein paar Monate nach diesem Coup feierte er noch den 82. Sieg auf der PGA Tour, egalisierte den Rekord von Sam Snead. Aber an diesen Erfolg konnte er nicht anknüpfen. Im November glänzte er als einfühlsamer Vater damit, wie sehr er seinem elfjährigen Sohn Charlie bei der PNC Championship im November den Vortritt bei dieser Live-Übertragung ließ. In der Weltrangliste wird Woods derzeit nur auf Rang 50 geführt – und dennoch ist und bleibt er die größte Zugnummer im Golf. Am Sonntag bei der Fernsehübertragung des Genesis Invitational löcherte der Kommentator Woods, der als Gastgeber des Turniers diente, mit der Frage, wann er denn wieder spiele.

Nach dem Unfall von Tiger Woods wird der Wagen geborgen.
Nach dem Unfall von Tiger Woods wird der Wagen geborgen. Bild: AP

Denn Golf ohne Woods fühlt sich anders an, das spüren selbst die Stars von heute. Der Spanier Jon Rahm, laut Weltrangliste die Nummer zwei, sagt: „Er ist so beliebt. Wenn er mitspielt, ist die Atmosphäre eine ganz andere. Selbst wenn die Top 20 der Welt dabei sind, macht es einen Unterschied, ob Tiger mitspielt oder nicht.“

Deshalb kam natürlich die Frage, schafft Woods noch einmal eine Rückkehr auf die Tour. Rory McIlroy, der wie Woods mit Star-Appeal die Fans mobilisiert, reagierte auf die Frage, ob er an ein weiteres Comeback seines Freundes glaube, fast ein wenig säuerlich: „Er ist nicht Supermann. Wir sollten alle dankbar sein, dass er noch lebt, dass seine Kinder nicht ihren Vater verloren haben.“

Der Nordire, derzeit nur Achter der Weltrangliste, spielte wie die versammelte Weltklasse am Wochenende bei der WGC Workday Championship in Bradenton (Florida) mit. Doch dieses Kräftemessen der Elite wird von den Sorgen um das Wohlergehen des langjährigen Primus überstrahlt. „Es ist sehr still hier. Wir alle sind bedrückt“, sagte Xander Schauffele, der Vierte der Weltrangliste: „Viele von uns haben nur wegen Tiger mit Golf begonnen.“

McIlroy sieht schon neue Möglichkeiten für sein Kindheitsidol, das zu seinem Freund wurde. „Vielleicht sehen wir das Genie nicht mehr mit dem Schläger in der Hand. Aber er kann das Spiel noch auf viele andere Arten beeinflussen.“ Woods als „Elder Statesman“ des Golfs? Nicht nur McIlroy hofft, dass Woods noch einmal das scheinbar Unmögliche schafft.

Woods selbst meldete sich am Sonntag erstmals nach seinem schweren Autounfall via Twitter und dankte für die Unterstützung. „Es ist schwer zu erklären, wie berührend es heute war, als ich den Fernseher eingeschaltet und all diese roten Shirts gesehen habe. An alle Golfer und alle Fans: Ihr helft mir wirklich durch diese schwere Zeit“, schrieb er.

Bei Golfturnieren hatten am Sonntag zahlreiche Spieler ein rotes Shirt und eine schwarze Hose getragen das Outfit, das Woods stets für den letzten Tag eines Wettkampfs wählt.

Morikawa gewinnt Turnier in Bradenton

PGA-Championship-Gewinner Collin Morikawa hat das erste Turnier der prestigeträchtigen World-Golf-Championships-Serie in diesem Jahr gewonnen. Der 24 Jahre alte Amerikaner siegte am Sonntag in Bradenton im Bundesstaat Florida mit 270 Schlägen und damit drei Schlägen Vorsprung. Auf dem geteilten zweiten Rang lagen nach den vier Runden die beiden Amerikaner Brooks Koepka und Billy Horschel sowie der Norweger Viktor Hovland.

Die WGC-Serie besteht aus vier hoch dotierten Veranstaltungen und ist vom Prestige direkt hinter den vier Majors anzusiedeln. Morikawa ist nach Tiger Woods der erste Golfer, der vor seinem 25. Geburtstag sowohl eines der Major-Turniere wie auch eines der WGC-Turniere gewinnen konnte. (ad./dpa)

Quelle: F.A.S.
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