Karriereende von Pau Gasol

Virtuoses Vorbild

Von Jannik Müller
06.10.2021
, 19:00
Tränenreicher Abschied: Pau Gasol mit seiner Tochter in Barcelona
Medizin studieren, ein Mittel gegen AIDS finden: Das war eigentlich der Plan von Pau Gasol. Stattdessen ging es in die NBA – nun hört der spanische Basketballstar auf.
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Eigentlich wollte er Medizin studieren – und ein Mittel gegen AIDS finden. Doch als er schon im Alter von 20 Jahren den FC Barcelona zur spanischen Meisterschaft führte, war schnell klar, dass der junge Schlacks dem europäischen Basketball schon bald entwachsen würde. Statt in die Hörsäle der Medizinfakultät der Universitat de Barcelona ging es in die nordamerikanische Profiliga NBA.

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Fast exakt 20 Jahre nach seinem Debüt für die Memphis Grizzlies hat Pau Gasol nun seine Karriere beendet. Mit 41 Jahren, nach zwei NBA-Titeln, drei Olympiamedaillen, einem WM- und drei EM-Titeln ist Schluss.

Blaupause für modernes Center-Spiel

„Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen“, sagte Gasol im Li­ceu-Theater in Barcelona, einem Ort, der passender kaum gewählt hätte sein können für seine Abschiedsworte. Nicht nur, weil er selbst ein kultureller Feingeist ist, sondern auch, weil er auf dem Feld ein Virtuose war. 2,16 Meter groß und dennoch ausgestattet mit einer Beweglichkeit, einer Fußarbeit und einem Spielwitz, wie man es von Spielern seiner Maße im Basketball lange nicht kannte.

Von allem etwas: Pau Gasol
Von allem etwas: Pau Gasol Bild: dpa

Deren Hauptaufgabe bestand in der NBA der 1990er-Jahre noch darin, am gegnerischen Ring zu punkten oder den eigenen zu verteidigen. Dann kamen die Europäer. Erst Nowitzki, der erste „Big Man“, der das Spiel durch seinen Distanzwurf dominieren konnte. Und dann Gasol, der so ziemlich von allem etwas konnte, was man in den USA den Großen lange nicht zutraute: dribbeln, werfen, passen. Er war die Blaupause für modernes Center-Spiel im Basketball.

In der spanischen Nationalmannschaft war Gasol der Anführer einer goldenen Generation, die Titel um Titel gewann. In der NBA errang er seine größten Erfolge an der Seite von Kobe Bryant, verhalf ihm und den Los Angeles Lakers zu zwei Titeln. Und so würdigte Gasol seinen „großen Bruder“, im Januar 2020 tragisch verstorben, unter Tränen bei seiner Abschiedsrede: „Es wäre schön, wenn er jetzt hier wäre.“

Nachdem sich Gasol seinen letzten Basketball-Traum erfüllt hatte und mit Barcelona abermals die spanische Meisterschaft gewann, tritt er ab: „Ich wollte bis zum Ende meiner Karriere spielen und den Sport genießen und nicht auf Krücken gehen.“ Es geht einer der besten europäischen Basketballer der Geschichte und ein Gentleman des Sports. Einer, der Kinder in Krankenhäusern besuchte, bevor es in der NBA zum PR-Termin wurde. Einer, für den trotz all des Erfolges Basketball nie alles war. Vielleicht geht es ja jetzt doch noch zurück in den Hörsaal.

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Quelle: F.A.Z.
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