Rückkehr in der NFL

Das spektakuläre Comeback des Cam Newton

Von Jan Ehrhardt
15.11.2021
, 15:55
Der „Superman“ ist wieder da: Cam Newton
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Nach 793 Tagen spielt Cam Newton, der einst wertvollste Spieler der NFL, wieder im Trikot der Carolina Panthers – und kehrt mit einem Knall aus der Belanglosigkeit zurück.
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Erster Auftritt, nach 793 Tagen. Cam Newton bekommt den Ball, macht zwei Schritte nach vorne, dreht nach rechts ab, lässt drei Gegenspieler stehen. Touchdown! Zweiter Auftritt, zweieinhalb Minuten später. Newton bekommt den Ball, lässt sich nach rechts fallen, läuft vier, fünf Schritte, wirft, ein Mitspieler fängt. Touchdown!

„I’m back! I’m baaack!“, schreit der Quarterback in das voll besetzte Rund der Arena, reißt sich den Helm vom Kopf, fixiert die Kameras, sendet eine Botschaft: Ich bin zurück! Nach 793 Tagen wieder im Trikot der Carolina Panthers. Nach einer geräuschvollen Trennung vor mehr als zwei Jahren zurück beim alten Arbeitgeber. Nach einem tiefen Fall an den Rand der Belanglosigkeit nun ein aufsehenerregendes Comeback.

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Von der Couch ins Rampenlicht

Die Rückkehr des ehemals wertvollsten Spielers der National Football League (NFL) zu den Panthers, dem Team, mit dem er 2016 den Super Bowl erreichte, war ein Spektakel. Bei den Arizona Cardinals, einem der Favoriten auf den Titel in dieser Saison, gelang Carolina am Sonntag ein überraschend deutlicher 34:10-Erfolg. Newton, in den vergangenen Monaten arbeitslos, überraschte dabei mit seiner auf den Punkt gebrachten Athletik und Präzision.

Nur drei Tage zuvor erst hatte er seinen neuen, millionenschweren Vertrag unterschrieben, und Cheftrainer Matt Rhule, der bei der Trennung von Newton im Jahr 2019 eine wesentliche Rolle gespielt hatte, gab zunächst zu verstehen: Nein, Cam wird nicht von Anfang an spielen, und nein, voraussichtlich auch nicht Ersatzmann sein. „Wir müssen erst mal sehen, wo er körperlich steht.“ Eine einzige Trainingseinheit reichte Newton, Spitzname „Superman“, aber, um klarzumachen: Ich bin bereit. Rhule revidierte seine Meinung, nominierte den Neuzugang als zweiten Spielmacher für die Partie in Arizona. Der Rest ist Geschichte.

© Twitter

Dass der 32 Jahre alte Amerikaner überhaupt so schnell spielen durfte, ist auch aus einem anderen Grund verwunderlich. Für nicht angestellte Spieler gelten während der Corona-Pandemie strenge Regeln, wollen sie in die NFL zurückkehren. Umfassende körperliche Tests müssen absolviert werden, die nur durch von der Liga zertifiziertes medizinisches Personal durchgeführt werden dürfen, ebenso wie die zeitlich genau getakteten Testreihen auf Covid-19.

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Ungeimpften Spielern wird der Weg mit noch strengeren Auflagen deutlich schwerer gemacht. Newton, lange Impfskeptiker, mittlerweile eigener Aussage nach aber geimpft, blieb das offenbar erspart, auch wenn er in den vergangenen Tagen ohnehin nicht viel Freizeit gehabt haben dürfte: Am vergangenen Dienstag bekam er den Anruf aus Carolina, ob er sich eine Rückkehr vorstellen könne, am Donnerstag flog er zum Treffen mit Trainer Rhule und Teambesitzer David Tepper, dann folgte schon die Unterschrift.

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Das verwundert ebenfalls, denn die Panthers hatten sich aus guten Gründen von ihrem einstigen Star-Quarterback getrennt. Nach Jahren des Erfolgs blieb der extrovertierte Newton immer häufiger Leistung schuldig, eine Reihe von Verletzungen warfen ihn zusätzlich zurück. Die Verantwortlichen in Carolina wollten einen Neuanfang, mit neuem Cheftrainer (Rhule) und neuem Spielmacher. Dieser Absichtserklärung folgten Wochen einer teilweise auch öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht. Schließlich packte Newton seine Sachen, und die Panthers machten, so glaubten sie, einen Schritt nach vorne.

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Dass sich ihre Wege nun wieder kreuzten, liegt nach Aussage beider Parteien vor allem an dem „guten Gespräch“ in der vergangenen Woche (und zweifelsohne auch an den potentiellen zehn Millionen Dollar, die Carolina bereit ist, Newton für eine halbe Saison zu überweisen), mehr aber noch am knallharten Geschäft der NFL. Für Newton nämlich war in diesem Sommer bei seinem zwischenzeitlich neuen Arbeitgeber, den New England Patriots, nach nur einer Saison wieder Schluss, nachdem es ein „Missverständnis“ in der Anwendung der Covid-19-Protokolle gegeben hatte und er deshalb in Quarantäne Teile der Vorbereitung verpasste, woraufhin ihn die Patriots entließen. Und die Panthers, deren Besitzer Tepper mit einem Vermögen von 15,8 Milliarden Dollar (13,8 Milliarden Euro) der reichste unter den 32 Teambesitzern der NFL ist, trafen schlichtweg schlechte Entscheidungen auf der wichtigsten Mannschaftsposition.

Weder der als Newtons Nachfolger verpflichtete Teddy Bridgewater noch der als Bridgewaters Nachfolger verpflichtete Sam Darnold brachten die gewünschte Weiterentwicklung. Nach Darnolds Verletzung vor wenigen Wochen folgte so nun die Rückbesinnung auf Newton, der das Rampenlicht ebenso suchte. Team und Spieler wollen, sagen sie zumindest, nun gemeinsam eine erfolgreiche Zukunft gestalten, die Play-offs sind erreichbar – und die Vergangenheit hinter sich lassen. Newton zumindest dürfte das nicht schwerfallen. Der saß nämlich, erzählte er am Sonntag, am Spieltag davor noch auf der Couch und aß Müsli.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ehrhardt, Jan
Jan Ehrhardt
Sportredakteur.
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