Pferdesport in Pandemie

Galopper wollen gestärkt aus der Krise kommen

Von Peter Mühlfeit
03.05.2021
, 13:53
Die Pandemie hat auch den Galoppsport schwer getroffen.
Ohne Besucher und mit weniger Sponsoren fehlten den Rennvereinen bis zu 50 Prozent der Einnahmen. Die Pandemie hat den Galoppsport schwer getroffen. Doch Experten sehen auch Gründe für Optimismus.

Mannheim, München und Köln – mit einem ambitionierten Reise- und Rennprogramm hat der neue Geschäftsführer des Dachverbands Deutscher Galopp, Daniel Krüger, am Wochenende mit seiner Arbeit begonnen. Im zweiten Jahr unter Corona-Bedingungen will der 45-jährige Präsenz zeigen. „Gemeinsam gestärkt aus der Pandemie zu kommen, das ist die Hauptaufgabe im Moment“, sagt Krüger. „Dass die Zahl der im Training befindlichen Pferde trotz Corona stabil geblieben ist, zeigt, wie hoch die Leidenschaft und das Engagement der Besitzer ist.“ Knapp 2300 Pferde stehen aktuell in den deutschen Ställen und das trotz der seit einem Jahr stark reduzierten Rennpreise.

Ein Beispiel: In München gab es jetzt für den Sieger einer kleineren Handicap-Prüfung (Ausgleich III) 2500 Euro – das sind 36 Prozent weniger als 2019. Und eine Besserung scheint nicht so schnell in Sicht. „Wir bleiben in einer sehr schwierigen Situation“, sagt der Präsident des Dachverbandes, Michael Vesper. Positiv sei, dass nach einer mehrwöchigen Pause seit dem 7. Mai 2020 wieder regelmäßig Rennveranstaltungen möglich gewesen seien – aber meist ohne oder mit sehr wenigen Zuschauern. „Das höchste der Gefühle war einmal Hoppegarten mit 4000 Gästen“, so Vesper.

Ohne Besucher und mit weniger Sponsoren fehlten den Rennvereinen jedoch bis zu 50 Prozent der Einnahmen. „Wir hatten gehofft, ab Juni wieder mehr Veranstaltungen mit Zuschauern und höheren Rennpreisen anbieten zu können“, so Krüger. Das werde angesichts der aktuellen Infektionszahlen aber vermutlich länger dauern – sehr zur Sorge der Aktiven. „Die Rennpreise im unteren und mittleren Niveau sind so niedrig, dass man davon als kleiner oder mittelständischer Trainer, der nicht mehrere Spitzenpferde im Stall hat, kaum über die Runden kommt“, sagt beispielsweise Gerald Geisler, der in Iffezheim bei Baden-Baden rund 40 Pferde betreut.

Der Österreicher, der seit 2005 in Deutschland tätig ist, profitiert von der Grenznähe zu Frankreich. „Ich kann nur mit deutlich lukrativeren Rennpreisen aus Frankreich überleben“, so Geisler. Bis weit in den Sommer hinein dürfte es in Deutschland auch nur wenige Parallelveranstaltungen geben, dafür tragen die einzelnen Rennvereine mehr Rennen aus. Das sei gut für die Kosten der Rennvereine, so Krüger, aber „schlecht für die zweite Garde der Reiter, die so kaum zum Zug kommen“. Zudem müssten die Trainer weitere Reisen für Starts in Deutschland auf sich nehmen.

Krüger kennt die Nöte des Sports sehr genau. Im badischen Malsch aufgewachsen, ist er „seit Kindesbeinen mit dem Opa“ nach Iffezheim gefahren, um die Rennen zu verfolgen. Nach acht Jahren bei der NATO mit längeren Stationen in London und Madrid ist der KSC- und American-Football-Fan seit 2002 beruflich mit dem Rennsport verbunden. Zuerst für die Stiftung Gestüt Fährhof bei Bremen in der Vermarktung, arbeitete er fast elf Jahre als Geschäftsführer der einflussreichen Besitzervereinigung und war sechs Jahre lang ehrenamtlich im Vorstand des Bremer Rennvereins.

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Krüger übernimmt nun Aufgaben des bisherigen Verbands-Geschäftsführers Jan Pommer, der sich wieder ganz auf seine Arbeit als Chef der Wirtschaftsgesellschaften des Verbands konzentriert. Dazu gehört beispielsweise die Zusammenarbeit mit den privaten Wettanbietern, den Buchmachern und die mediale Darstellung der Rennen. Beides hat sich in der Corona-Pandemie verbessert.

Und noch ein Lichtblick: Die kleine, aber feine deutsche Vollblutzucht ist weiterhin international erfolgreich. Jüngstes Beispiel ist der vom Gestüt Röttgen gezogene Hengst Wirko. Der Dreijährige hat in England eine Vorprüfung auf das Epsom Derby gewonnen und hat somit nun eine Startberechtigung für „die Mutter aller Derbys“ Anfang Juni. Wirko wurde 2019 auf der BBAG Jährlingsauktion in Iffezheim für 700.000 Euro an den Godolphin-Rennstall des Dubai-Herrschers Scheich Mohammed al Maktum verkauft.

Für das Deutsche Derby im Juli hat sich am Wochenende in München der von Miroslav Rulec trainierte Lambo ins Spiel gebracht. Er gewann die mit 33 000 Euro dotierte Gruppe-III-Prüfung Bavarian Classic über 2000 Meter, die in jüngerer Vergangenheit schon zwei Derbysieger hervorbrachte. Lambo siegte unter Adrie de Vries leicht vor den favorisierten Virginia Storm und Sea of Sands.

Der gebürtige Tscheche Miroslav Rulec hat im Februar nach 16 Jahren als Trainer Deutschland den Rücken gekehrt. Er wechselte von Iffezheim über den Rhein nach Straßburg, um noch leichter in Frankreich starten zu können. Dort soll Lambo als Nächstes laufen, doch nun ist auch das Derby in Hamburg ein echtes Saisonziel. Der branchenfremde Jan Pommer, früherer Chef der deutschen Basketballliga BBL, konzentriert sich wieder auf seine Arbeit als Geschäftsführer der DG Wirtschaftsdienste GmbH und der DG Wettbetriebs GmbH.

Quelle: F.A.Z.
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