Sieg bei PGA Championship

Der besondere Caddie für die Nervenprobe

Von Wolfgang Scheffler
23.05.2022
, 15:11
Erfolgreiche Zusammenarbeit: Golfer Justin Thomas mit Caddie Jim Mackay
Jim „Bones“ Mackay redet Justin Thomas bei der PGA Championship stark – dieser holt in der Schlussrunde kaum aufholbare sieben Schläge Rückstand auf und triumphiert. Wie hat er das gemacht?
ANZEIGE

Sieben Schläge Rückstand vor der Schlussrunde eines Majors gelten im Golf als kaum aufholbar – und doch glaubte Justin Thomas an seine Chance, zum zweiten Mal nach 2017 die PGA Championship zu gewinnen, obwohl die Historie wenig Verheißungsvolles verkündete. Vor der 104. Auflage dieses Majors im Southern Hills Country Club in Tulsa (Oklahoma) hatten nur drei Profis die letzten 18 Löcher mit einem solchen oder gar einem noch größeren Defizit begonnen und am Ende doch noch die Trophäe hochgehalten: der Schotte Paul Lawrie (British Open 1999, zehn Schläge), der Südafrikaner Gary Player (Masters 1978) und der Amerikaner John Mahaffey (PGA Championship 1978, beide sieben Schläge).

Dass der 15. Sieg von Thomas auf der PGA Tour einen besonderen Platz in der Geschichte der vier Traditionsturniere einnehmen wird, dürfte für den 29 Jahre alten Amerikaner aus Louisville (Kentucky) mit Wohnsitz Jupiter (Florida) nebensächlich sein. Für ihn zählte vor allem eines: Endlich, mehr als ein Jahr nach seinem letzten Sieg, der Players Championship im Vorjahr, bejubelte er wieder einen Triumph, nachdem er in der Saison 2021/2022 schon sieben Mal unter den Top Ten gelandet war und einige Siegeschancen verspielt hatte.

ANZEIGE

Thomas gewann im achten Jahr in Folge auf der PGA Tour und kassierte 2,7 Millionen Dollar Preisgeld. Dazu rückte der ehemalige Primus (fünf Wochen 2018) in der Weltrangliste von Rang neun auf fünf vor.

„Anfang der Woche wurde ich gefragt, welche Führung auf diesem Platz sicher ist. Und ich sagte: ‚Keine‘“, erzählte Thomas. „Ich kann es nicht glauben, dass ich am Ende in einem Play-off landete.“ Er setzte sich im Stechen, einem Zählspiel über drei Löcher, dank zwei Birdies gegen seinen Landsmann Will Zalatoris mit einem Schlag Vorsprung durch. Dieses Play-off wurde überraschend nötig, weil der 27 Jahre alte Chilene Mito Pereira, ein Außenseiter mit Weltranglistenplatz hundert, der den ganzen Sonntag bis zum 17. Loch geführt hatte, am Schlussloch seinen Abschlag ins Wasser verzog und ein Doppelbogey kassierte.

Pereira, der mit drei Siegen auf der Korn-Ferry-Tour im Vorjahr direkt in die PGA Tour aufgestiegen war, fiel damit auf den dritten Rang zurück, den er sich mit dem Amerikaner Cameron Young teilte – auch das eine Seltenheit. Zuletzt hatte Phil Mickelson bei der US Open 2006 am allerletzten Loch eine Führung von einem Schlag verspielt.

ANZEIGE

„Der Kerl ist wirklich, wirklich gut“

Damals diente Jim Mackay dem kalifornischen Linkshänder als Caddie. Nach 25 gemeinsamen Jahren hatten sich die beiden 2017 getrennt. Der 57 Jahre alte, 1,94 Meter große Schlaks mit dem Spitznamen „Bones“ wechselte den Job und arbeitete für den Fernsehsender NBC als sogenannter On-Course-Reporter, der Spieler auf der Runde begleitet. Als sich im Vorjahr die Gelegenheit bot, zu seinem alten Beruf zurückzukehren, ergriff er sie – aus einem einzigen Grund.

Es war Thomas, der einen neuen „Looper“ suchte. „Ich hätte für keinen anderen noch einmal als Caddie gearbeitet. Aber ich mag Justin wirklich. Ich war früher schon einmal Caddie für ihn. In seinem Arsenal hat er mehr Schläge als jeder andere, den ich gesehen habe. Hoch, tief, mit weichen Händen um das Grün herum. Der Kerl ist wirklich, wirklich gut. Ich wollte in seiner Nähe sein.“

Lächeln für das Siegerfoto: Justin Thomas mit seiner Verlobten Jillian Wisniewski
Lächeln für das Siegerfoto: Justin Thomas mit seiner Verlobten Jillian Wisniewski Bild: EPA

Der neue Mitarbeiter von Thomas trug seinen Teil dazu bei, dass sein Boss am Ende die 13 Kilogramm schwere Wanamaker Trophy hochhielt. „Bones hatte ein großartiges Gespräch mit ihm“, sagte Mike Thomas, ein PGA Teaching Professional, der als Schwungtrainer seines Sohnes fungiert. Der Mitarbeiter überzeugte seinen Boss beim abendlichen Training nach der Runde auf der Übungswiese, dass es trotz der 74 Schläge (vier über Par) am Samstag keinen Grund gebe, sich Sorgen zu machen.

ANZEIGE

Nichts an seinem Spiel sei beunruhigend. Er habe einfach Pech gehabt, als an einem Tag eine Kaltfront die Temperaturen bis auf zehn Grad sinken ließ – ein Wetter, dass Tiger Woods lädiertes rechtes Bein und Fuß so schmerzen ließ, dass er nach einer Runde von 79 Schlägen aufgab.

Von dieser Ansprache gestärkt, blickte Thomas auf die sechs Spieler, die vor der Schlussrunde vor ihm lagen. Keiner dieses Sextetts hatte je eines der Majors gewonnen – und wie sich immer mehr während der Schlussrunde zeigte, waren alle dieser Nervenprobe nicht gewachsen. Keinem gelang eine Runde unter Par, am schlimmsten traf es Pereira, der 75 Schläge benötigte. So reichte Thomas eine Runde von 67 (3 unter Par), um mit insgesamt 275 Schlägen (5 unter Par) mit Zalatoris gleichzuziehen, der den Schlusstag mit 71 Schlägen beendete.

Der 25 Jahre alte Kalifornier landete damit nach dem Masters im Vorjahr zum zweiten Mal bei einem Major auf Rang zwei, seine sechste Top-Ten-Platzierung bei einem der vier Saisonhöhepunkte – eine eindrucksvolle Bilanz für einen Profi, der immer noch auf einen Sieg auf der PGA Tour wartet.

Doch am Sonntag drehte sich alles um den Sieger. Als einer der Ersten gratulierte per SMS und Twitter Tiger Woods, der die Schlussrunde zu Hause am Fernsehschirm verfolgt und mitgefiebert hatte, seinem Freund, den er scherzhaft als seinen „kleinen Bruder“ bezeichnet. Bei solcher „Verwandtschaft“ darf Thomas voller Optimismus in die Zukunft blicken.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Fahrradhelm
Fahrradhelme im Test
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
Spanischkurs
Lernen Sie Spanisch
ANZEIGE