Players Championship

Justin Thomas ist wieder ganz der Alte

Von Wolfgang Scheffler
15.03.2021
, 15:16
Ohne Sponsoren, aber mit einem Lächeln auf den Lippen: Justin Thomas nach seinem Erfolg bei den Players Championships
Ein homophobes Schimpfwort, der Tod seines Großvaters und der Verkehrsunfall von Tiger Woods: Justin Thomas kämpfte zuletzt mit sich selbst, holte sich professionelle Hilfe. Jetzt ist er wieder am Golf-Gipfel angekommen.

Justin Thomas hat am Sonntag mehr als die Players Championship, das inoffizielle fünfte Major im Golf, und 2,7 Millionen Dollar Preisgeld gewonnen. „Justin war die letzten Monaten nicht er selbst“, behauptete Mike Thomas, Vater und Trainer, des neuen Weltranglistenzweiten. Mit seinem 14. Sieg auf der PGA Tour beendete der 27 Jahre alte Profi aus Louisville (Kentucky) nicht nur die erste Krise seiner glanzvollen Laufbahn: „Es waren ein paar beschissene Monate. Es sind Dinge in meinem Leben passiert, mit denen ich nie gerechnet hätte“, sagte Thomas, nachdem er als vierter Spieler sowohl ein Major (PGA Championship 2017), den FedExCup (2017), ein Event der World Golf Championship (St. Jude Invitational 2020) und nun das Flaggschiff-Turnier der PGA Turniere gewonnen hat.

Am Wochenende auf dem Stadium Course des TPC Sawgrass in Ponte Vedra Beach (Florida) war J.T., wie ihn die Kollegen und Fans nennen, wieder ganz der Alte. „Vom Abschlag bis zum Grün war es eine der besten Runden meines Lebens“, fasste der Sieger sein Spiel auf den letzten 18 Löchern zusammen. Thomas traf auf dem extrem schweren Kurs 17 von 18 Grüns, verfehlte nur das letzte mit einem Sandwedge um wenige Zentimeter. Dank einer Schlussrunde von 68 Schlägen benötigte er am Ende der vier Tage insgesamt 274 Schläge, einen weniger als der Engländer Lee Westwood (72/275) und zwei weniger als seine amerikanischen Landsleute Bryson DeChambeau (71/276) und Brian Harman (69/276).

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Im Gegensatz zu den geschlagenen Konkurrenten sah man auf der Kleidung von Thomas nicht die bei Weltklassegolfern üblichen Logos eines Sponsors, ein Hinweis auf die negativen Schlagzeilen mit denen der mittlerweile in Florida lebende Thomas das neue Golfjahr begonnen hatte. Beim Tournament of Champions auf Hawaii Anfang Januar beschimpfte sich Thomas nach einem missglückten Putt mit den Wort „faggot“ (Schwuchtel). Da dieser homophobe Fluch in der Fernsehübertragung deutlich hörbar war, entfachte das in den sozialen Medien einen Shitstorm. Obwohl sich Thomas sofort entschuldigte und versprach, einen Kurs zu besuchen, um ein besserer Mensch zu werden, kündigte ihm sein Bekleidungs-Sponsor den Werbevertrag. Aber es kam noch schlimmer: Ende Februar, am Abend vor der Schlussrunde der Phoenix Open, erfuhr er vom plötzlichen Tod seines Großvaters Paul im Alter von 89 Jahren, der als Professional die Familientradition Golf gestartet hatte. Thomas überlegte erst, nicht zur Schlussrunde anzutreten, tat es auf Rat seines Vaters doch und spielte, wie er sagte: „die schlimmste Runde meines Lebens“. Nach einer Schlussrunde von 72 Schlägen fiel er vom fünften auf den 13. Platz zurück. Danach verpasste er bei der Genesis Open den Cut, ehe ihn der nächste emotionale Rückschlag traf. Der schwere Verkehrsunfall von Tiger Woods, seinem Idol, Freund und Mentor, bewegte ihn so stark, dass er dem Rat seiner Freundin Jill folgte und professionelle Hilfe suchte.

Schwacher Start

An den ersten beiden Tagen der Players Championship schien sich das allerdings noch nicht auf sein Spiel auszuwirken. Am Freitag musste er auf den zweiten neun Löchern vier Birdies spielen, um den Cut zu schaffen. Bei Halbzeit lag er sieben Schläge hinter Spitzenreiter Westwood. Doch am Samstag brillierte er mit einer Runde von 64 Schlägen, die beste des Turniers. Damit lag er nur noch drei hinter Westwood und zwei hinter DeChambeau, die wie schon in der Vorwoche in Orlando wieder als Schlussduo gemeinsam auf die letzte Runde gingen. Doch diesmal hatten weder der 47 Jahre alte Engländer noch der zwanzig Jahre jüngere DeChambeau ihren besten Tag erwischt.

„Ich hatte nur mein C-Spiel“, bewertete Westwood seine Leistung mit der amerikanischen Schulnote für befriedigend. Kraftprotz DeChambeau traf sogar am vierten Loch mit einem Hybrid-Schläger den Ball extrem dünn, Golfer nennen das Toppen. Sein Ball klatschte nach nur 131 Metern in einen Teich. Sein nächster Schlag landete so weit abseits des Grüns, dass er ein Doppelbogey kassierte. Routinier Westwood zog mit einem Birdie am 14. Loch mit Thomas gleich. Aber als er am 16. Loch nur mit Mühe das Par rettete und am 17. Loch, dem berühmten Inselgrün, drei Putts benötigte, hatte er alle Chancen verspielt. Immerhin schob er sich mit einem Birdie am 18. Loch noch auf den alleinigen zweiten Rang, was ihm einen Scheck über 1,635 Millionen Dollar einbrachte. Sein Mitspieler DeChambeau beeindruckte zwar mit seiner Power, die ihm am 16. Loch noch einen Eagle bescherte, aber es war zu spät, um Thomas noch einzuholen.

„Diese Woche hat mich mental, physisch und emotional getestet. Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe“, sagte Thomas, der von den 10.000 Fans mit „J.T.“-Sprechchören gefeiert wurde. Ein Hinweis, dass die Fans ihm seinen verbalen Ausrutscher verziehen haben.

Quelle: F.A.Z.
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