Radrennen Eschborn–Frankfurt

Startschuss mit Verspätung in neuem Gewand

Von Alex Westhoff, Eschborn
10.09.2021
, 10:02
Der Radsportklassiker Eschborn–Frankfurt fordert die Athleten.
Die 60. Ausgabe des Radsportklassikers kommt in einer abgespeckten Version daher. Dennoch ist das Peloton durch viele World-Tour-Teams hochkarätig besetzt. Denn es ist ein letzter Test vor der WM.

Mit 60 Jahren fängt das Leben bekanntlich nicht an, aber für reichlich neu einkehrendes Leben ist es nicht zu spät. So geht es dem traditionsreichen Radrennen Eschborn–Frankfurt, das in diesem Jahr nicht nur in einer neuen Jahreszeit, sondern auch pandemisch bedingt in erneuertem Gewand daherkommt. Zweieinhalb Jahre hat die Jubiläumsedition des Radklassikers auf sich warten lassen, nun soll am Sonntag kommender Woche der Startschuss zum Sechzigsten fallen.

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Als klar war, dass der angestammte 1. Mai wie schon im Vorjahr kein sportliches Großereignis erlaubt, ist der Renntag auf den 19. September verschoben worden. Ein Termin, der viel Abstimmung mit den Kommunen an der Strecke und einer Sondergenehmigung vom Radweltverband UCI bedurfte – aber sportlich nun sogar enorm profitiert. Denn das Fahrerfeld des Profirennens war schon viele Jahre nicht mehr von solch namhafter Güte.

Qualität im Feld

Magnetwirkung für diverse Stars des Pelotons hat die Taunusschleife bekommen, weil sie nun genau eine Woche vor dem Weltmeisterschaftsrennen der Männer liegt. So schicken die insgesamt 13 WorldTour-Teams – so viele wie nie zuvor bei Eschborn–Frankfurt – viele Rennfahrer für einen letzten Belastungstest nach Rhein-Main. Weil die einwöchigen Titelkämpfe in Flandern aber am 19. September schon begonnen haben und normalerweise keine konkurrierenden Profiveranstaltungen zugelassen werden, brauchte es die Sondergenehmigung. „Die Qualität des Fahrerfelds ist schon ein Game-Changer im Vergleich zu anderen Jahren. Es könnte sein, dass etwas anders gefahren wird als zuletzt“, sagte der Oberurseler Profi John Degenkolb am Donnerstag bei einem Pressetermin in Eschborn.

Auch wenn sein Sieg in Frankfurt schon zehn Jahre zurückliegt, gehört der Lokalmatador vor seiner Haustür wieder zum Favoritenkreis. „Beim Heimrennen auf den eigenen Trainingsstrecken ist die Motivation und die Bereitschaft, mehr als 100 Prozent zu geben, besonders ausgeprägt“, sagte Degenkolb. Doch bekommt es der 32-Jährige auf der 187,4 Kilometer langen Strecke unter anderem mit der geballten Power der Mannschaft Bora-hansgrohe zu tun. Das deutsche Top-Team schickt mit Nils Politt den erfolgreichsten deutschen Profi dieses Jahres ins Rennen, auf dem die hiesigen Hoffnungen für die WM ruhen.

Kommt es zu einer Sprintentscheidung, ist der Rennstall bestens aufgestellt mit Pascal Ackermann, der bei der letzten Ausgabe des Radrennens 2019 vor der Alten Oper triumphierte. Dazu kommen, eher für Helferaufgaben vorgesehen, die beiden Kletterer Emanuel Buchmann und Patrick Konrad. Der Österreicher Konrad ist neben Politt, Dylan Teuns (Bahrein Victorious) und Bauke Mollema (Trek-Segafredo) einer von vier Etappensiegern der diesjährigen Tour de France auf der aufgewerteten Taunusschleife.

Abgespeckte Version

Weitere klangvolle Namen auf der Starterliste sind der einstige Weltmeister Mads Pedersen, der frühere Roubaix-Sieger Philippe Gilbert, der Olympiasieger von Rio, Greg van Avermaet, und Altmeister Vincenzo Nibali, Tour-Champion des Jahres 2014. Natürlich wird auch der Frankfurter Seriensieger Alexander Kristoff – von 2014 bis 2018 in der Frankfurter Innenstadt nicht zu stoppen – wieder dabei sein. Sprinter André Greipel wird auf seiner Abschiedstour vom professionellen Radsport sein womöglich letztes Rennen in Deutschland bestreiten.

Während das Eliterennen, das auf dem bewährten Kurs wieder viermal den Mammolshainer Stich in Königstein bewältigen muss, bestens besetzt ist für die Jubiläumsausgabe, muss das Radrennen an vielen anderen Stellen zum Geburtstag abspecken. So appelliert der Veranstalter in Pandemiezeiten an die Zuschauer, das Rennen nicht an der Strecke, sondern daheim im Fernsehen zu verfolgen.

Das hr-Fernsehen überträgt fünf Stunden lang live. So wird es entlang des Kurses weder Veranstaltungsflächen noch Streckenfeste mit Musik, Verpflegung und Leinwänden mit Rennübertragung geben. „Die Kern-DNA“, hebt Organisationschef Nathanael Bank hervor, „bleibt aber bestehen.“ So werden zwar nicht wie zuvor an einem Renntag 17, aber immerhin neun Startschüsse ertönen. Verzichtet wird in diesem Jahr auf das in der Szene hochgeschätzte U-23-Rennen und den Wettbewerb der Junioren.

Auf dem Rundkurs in der Frankfurter City werden aber Rennen für lizensierte Kinder der Altersklassen U11 bis U17 ausgetragen. Bei der Velo-Tour, dem Jedermann-Format von Eschborn–Frankfurt, könnten sogar die Teilnehmerzahlen von 2019 (6300 Hobbyfahrer) erreicht werden. Aktuell sind schon rund 5500 Pedaleure angemeldet – zum sechzigsten Geburtstag des Radrennens und zum zwanzigsten der Velo-Tour.

Quelle: F.A.Z.
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