Radrennen Eschborn–Frankfurt

Ein Tüftler im Führungsfahrzeug

Von Alex Westhoff
19.09.2021
, 10:03
Der Platz im Führungsfahrzeug ist ihm nicht unbekannt: Fabian Wegmann (im Auto stehend) als Sportlicher Leiter bei der Deutschland Tour.
Fabian Wegmann, einst Radprofi nun Sportlicher Leiter des Rennens Eschborn–Frankfurt, warnt vor dem Start die begleitenden Motorradfahrer und hofft auf ein lebhaftes Rennen.
ANZEIGE

Fabian Wegmann kennt sie, die Leere nach der Profikarriere. Und die Erfüllung, wenn mit Ende 30 der Sprung in die zweite Berufslaufbahn gelingt. 15 Jahre lang, bis 2016, war der Münsteraner Radprofi. Im Flachland auf dem Velo sozialisiert, war er der erste Deutsche, der das Bergtrikot beim Giro d’Italia gewann. Die beiden Siege beim Frankfurter Radrennen am 1. Mai 2009 und 2010 gehören zu seinen liebsten Trophäen. In der Radszene bleiben, der man sich so lange auf Gedeih und Verderb ausgeliefert hat, ist ein naheliegender Gedanke für viele Rennfahrer. Trainer werden? Sportlicher Leiter in einem Team?

Wissen war nie wertvoller

Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

JETZT F+ LESEN

Auch Wegmann erwarb die entsprechenden Scheine und Nachweise. Aber: „Nach 15 Jahren Leben aus dem Koffer war es auch mal gut. Vor allem, wenn man kleine Kinder hat“, sagt Wegmann. Der 41-Jährige hat sich keinem Profiteam mit 200 Reisetagen im Jahr mehr angeschlossen, sondern ist unter anderem aufgestiegen zum Sportlichen Leiter bei Eschborn–Frankfurt, das an diesem Sonntag zum 60. Mal stattfindet.

ANZEIGE

13 WorldTour-Teams nehmen teil

Der Blondschopf mit dem ansteckenden Lachen hält Kontakt und steht im Austausch mit den Verantwortlichen und Fahrern der 20 am Profirennen (von 13.15 Uhr an live im hr-Fernsehen) teilnehmenden Teams. Viele kennt er noch aus aktiven Zeiten im Peloton. Gleich 13 WorldTour-Teams, so viele wie nie zuvor, nehmen in diesem Jahr die 187,4 Kilometer lange Taunusschleife in Angriff.

Das Frankfurter Rennen profitiert nach zweieinhalbjähriger Pause von dem ungewohnten Termin im Spätsommer. Viele Topfahrer nutzen das von Tour-Veranstalter A.S.O. veranstaltete Rennen als Generalprobe für das eine Woche später stattfindende Weltmeisterschaftsrennen in Flandern.

ANZEIGE

Wegmann wird das Renngeschehen in exponierter Rolle verfolgen – vom Führungsfahrzeug aus, das direkt vor dem Peloton oder je nach Rennverlauf vor der Spitzengruppe fährt. Von dort ist er via Funk verbunden mit den Teamautos und hat auch eine Lenkungsfunktion, zum Beispiel für die Polizeimotorräder, inne. Während in Frankreich beispielsweise ganze Staffeln bei zig Radrennen im Einsatz sind, kommt ein Profi-Peloton in Hessen nur einmal jährlich vorbei. Wegmann warnt die unerfahrenen Motorradfahrer mitunter davor, dass die Radprofis wirklich mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde die Taunushänge hinabschießen.

Im Jahr 2010 gewann Fabian Wegmann das Radrennen in Frankfurt.
Im Jahr 2010 gewann Fabian Wegmann das Radrennen in Frankfurt. Bild: Helmut Fricke

Rolle des sportlichen Leiters

Wegmann nahm einst als Kind schon am Henninger-Rennen teil und machte sich anschließend auf die Jagd nach Autogrammen und Trinkflaschen der Profis. Mit der Übernahme des Rennens durch die A.S.O. ist er in die Organisation mit eingebunden worden. 2017 zunächst als sogenannter Regulator auf dem Sozius eines Motorrads.

ANZEIGE

Bei strömendem Regen und vier Grad auf dem Feldberg „habe ich ganz schön gelitten“, erinnert er sich. Es kam die Rolle als Sportlicher Leiter bei seinem Heimrennen Münsterland-Giro hinzu. Die A.S.O. band ihn auch bei der reanimierten Deutschland-Tour ein, Wegmann tüftelt seither an Strecken und Sicherheitskonzepten. Und Fernsehzuschauern ist er seit Jahren bekannt als Co-Kommentator bei den Übertragungen der Tour de France.

Bei Eschborn–Frankfurt erwartet er ein lebhaftes Rennen. Zwar seien mit den Profis Colbrelli, Groenewegen, Philipsen, Matthews und auch den ehemaligen Frankfurt-Siegern Ackermann, Kristoff und Degenkolb einige der am Ende schnellsten Profis am Start. „Doch gibt es unter den vielen starken Klassikerspezialisten viele, die das Bedürfnis haben werden, das Rennen schnell und schwer zu machen“, sagt Wegmann. Weil sich die Anstiege auf über 3200 Höhenmeter summieren, gibt es dafür reichlich Gelegenheit. Aber für die Sprinter auf dem Weg nach Frankfurt eben auch viel Zeit, etwaige Lücken zu schließen.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE