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Ringer des ASV Mainz 88

Lust auf die Herausforderung

 - 12:20
Enge Kämpfe erwartet: Mainz 88 fordert Heilbronn heraus

Die Bilanz der Bundesligaringer des ASV Mainz 88 kann man auf zwei Weisen lesen: In den vergangenen acht Jahren erreichten die Mainzer siebenmal das Halbfinale, beim Hinkampf am Samstagabend (19.30 Uhr) bei den Red Devils Heilbronn dürfen sie sich also zurecht als Stammgast in der Runde der letzten vier bezeichnen. Das ist eine bemerkenswerte Leistung in der doch sehr wankelmütigen Ringerzunft, in der Klubs oftmals Höhenflüge von vier oder fünf Jahren erleben und dann beim Versiegen der Geldströme in der Versenkung verschwinden.

Allerdings sind die Mainzer bei ihren sieben Halbfinals sechsmal als Verlierer von der Matte gegangen, nur einmal, beim Gewinn des Mannschaftsmeistertitels im Jahr 2013 erreichten sie die Endkämpfe. Und so sind Trainer Davyd Bichinaschwili und Sportchef Baris Baglan vor dieser Saison ins Nachdenken gekommen: „Wir haben ehrlich analysiert, dass wir in den vergangenen Jahren manchmal in der regulären Saison vielleicht zu viel Feuer reingegeben haben und deshalb in den Halbfinals nicht mehr zusetzen konnten“, sagt Baglan. „Dieses Jahr haben wir auch mal einem Kämpfer eine Pause gegönnt oder Ringer vom Gewichtmachen verschont, um die Kräfte für die Playoffs zu bündeln.“

Baglan ist zuversichtlich, dass die andere Herangehensweise dazu geführt hat, dass die Mannschaft hungrig und voller Lust in den Kampf geht. Die deutlichen Viertelfinalsiege gegen Hallbergmoos waren ein Zeichen an die Konkurrenz. Auch deshalb will der als Schulleiter in Mainz tätige Baglan in seiner Heimatstadt wahrgenommen haben, „dass wir zum Stadtgespräch geworden sind zumindest jetzt in der Fußball-Winterpause“.

Heilbronn mit Weltmeister Stäbler

Trotz des Optimismus rund um den Klub gehen die 88er als Außenseiter in die Halbfinals. In der regulären Bundesligarunde der Nordweststaffel unterlagen sie Heilbronn zweimal deutlich. Wenngleich damals einige der ausländischen Top-Athleten wegen Nationalmannschaftsverpflichtungen nicht zur Verfügung standen, dürfte der Heilbronner Kader doch etwas im Vorteil sein: Vor allem die Achse mit gleich drei deutschen Weltklasseringern im griechisch-römischen stellt die Mainzer vor Probleme. Weltmeister Frank Stäbler in der 75-Kilogramm-Klasse, der frühere Mainzer Pascal Eisele in der Klasse bis 86 Kilogramm und Schwergewichtler Eduard Popp sind Punktegaranten und angesichts des neuen Bundesligamodus besonders wertvoll.

Nach diesem System werden die Sportler nach ihren Erfolgen mit Punkten bewertet. Die zehn Ringer eines Teams dürfen zusammen maximal 28 Punkte ergeben. Weltmeister Frank Stäbler hat mit vier Punkten den für einen deutschen Ringer möglichen Höchstwert, während Weltmeister aus dem Ausland mit acht Punkten bewertet werden. Eisele, Stäbler und Popp lassen also trotz ihrer Klasse noch Raum für andere Weltklasseringer.

Die Mainzer haben aufgrund des neuen Punktesystems bei der Zusammenstellung des Kaders auf tendenziell zuvor unbekannte Ausländer gesetzt. Die neuen Mainzer Punktegaranten Ahmet Peker und Yasin Karadasli aus der Türkei oder der Russe Timur Bizhoev „kosten“ jeweils nur fünf Punkte der möglichen acht Punkte und bringen einen gewissen Spielraum bei der Besetzung der anderen Klassen. Dort werden die Rheinhessen freilich Überraschungen in ein oder zwei der engen Schlüsselkämpfe benötigen. Ein Kandidat dafür ist Ilir Sefaj, der sich mit Leib und Seele für seine Mannschaft zerreißt und in fest jeder Woche der Saison sein Gewicht um vier bis fünf Kilogramm reduziert, um in der Klasse bis 61 Kilogramm antreten zu können. Dort trifft er voraussichtlich auf Dustin Scherf, dem er zuletzt zweimal unnötige Niederlagen zu verkraften hatte. „Dieses Mal will ich es besser machen. Ich bin heiß“, sagt Sefaj.

Als Vorbild für ihn wie auch andere als Außenseiter einzustufende Teamkollegen dient der Mann, der am Mattenrand mitfiebert. Trainer Bichinschwili gelang 2013 der entscheidende Meisterschaftscoup, als er den ukrainischen Weltmeister Ibragim Aldatov schulterte und damit den Weg zum Meistertitel ebnete. „Die Stimmung bei uns im Team ist ähnlich wie damals. Wir wollen etwas besonderes erreichen“, sagt Bichinaschwili. „das ganze Team empfindet die Reise nach Heilbronn als große Motivation, ich spüre Lust auf diese Herausforderung und nicht irgendwie eine Belastung.“

Bichinaschwili hatte seine Aufstellung schon länger im Kopf, seine Kämpfer ließ er jedoch bis Donnerstagabend im Ungewissen. Die Spannung sollte alle wachhalten im Training. Manch ein Ringer hat dann nun bis zur Bekanntgabe seiner Nichtnominierung sogar schon das ein oder andere Kilo Gewicht gemacht und vergeblich gehungert. „Aber da ist in den Playoffs keiner böse, weil jeder weiß, dass es für den Mannschaftserfolg passiert“, sagt Bichinaschwili. So werden auch manche Ringer am Mattenrand etwas leicht sein als nötig. Ein leichter Gegner wollen die Rheinhessen auf der Matte aber gewiss nicht sein.

Quelle: F.A.Z.
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